I/O

Googles künstliche Intelligenz: Gezahlt wird mit privaten Daten

Auf der Google I/O hat der Internet-Konzern neue Dienste vorgestellt. Vor allem Googles künstliche Intelligenz steht dabei im Fokus. Sie soll Nutzern das Leben leichter machen - doch der Preis für die Hilfe fällt mitunter hoch aus.
Von mit Material von dpa
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Google lässt künstliche Intelligenz für Nutzer arbeitenGoogle lässt künstliche Intelligenz für Nutzer arbeiten Auf den ersten Blick sind es nur lauter kleine Funktionen, mit denen künstliche Intelligenz das Leben der Nutzer von Google-Diensten leichter machen soll. Viele Anwender können sich noch gut daran erinnern, wie nervig es ist, die lange Passwort-Zahlenreihe bei einem neuen WLAN-Router einzutippen. Jetzt braucht man den Aufkleber auf dem Gerät nur vor die Handy-Kamera zu halten - und die Software liest den Passcode nicht nur, sondern gibt ihn auch gleich in eine Anmelde-App ein. Das System erkennt auch, wo sich in einem Text relevante Adress-Informationen verstecken. Oder teilt Fotos automatisch mit den Familienmitgliedern, die darauf abgebildet sind.

Woher die Google-Software das weiß? Gesichtserkennung. Genauso wie der Google-Assistent im vernetzten Lautsprecher "Home" die Nutzer in einem Haushalt an der Stimme unterscheiden kann. Sagt man also, "Okay, Google, rufe meine Mutter an", weiß der smarte Lautsprecher ganz genau, wessen Mama hier gemeint ist. Die Vision: Der Google Assistant, diese künstliche Intelligenz, die irgendwo verteilt auf den Servern des Konzerns wohnt, soll überall sein, wo der Mensch ist. Soll für ihn jederzeit ansprechbar sein und jede Frage beantworten können. Auf dem Smartphone, der Armbanduhr, im Auto und in der Küche.

Der unsichtbare Butler, den Datenschützer fürchten

Für diesen "Komfort" in der Kommunikation und der Bedienung der vernetzten Geräte müssen Nutzer allerdings auch einen Preis zahlen, wie Google auf der I/O erklärte. Denn damit das System funktionieren kann, muss Google Zugriff auf die persönlichen Daten haben. Datenschützer werden das von Google gemalte Zukunftsszenario daher eher fürchten, denn der ungewollte Austausch sensibler Informationen ist nur einen Klick entfernt. Der Trend scheint aber unaufhaltsam: Am Ende verschmelzen die vielen kleinen Funktionen und Datenschnipsel zu einem allwissenden Computer. Er weiß, wo man sich gerade aufhält - nicht unbedingt nur dank der GPS-Ortung, sondern vielleicht auch weil er die Umgebung am Kamerabild erkennt. Er weiß wahrscheinlich, was man als nächstes vorhat (Terminkalender). Das System könnte empfehlen, dass man vorher etwas essen sollte.

Es ist als hätte man einen unsichtbaren Butler, der einem immer über die Schulter schaut. Man kann darin aber auch einen Aufpasser sehen. Wird der Komfort die Ängste um die eigene Privatsphäre verdrängen? Denn schließlich kann ein Assistent einem nur wirklich dienlich sein, wenn man für ihn ein offenes Buch ist.

Die Entscheidung, die notwendigen Daten freiwillig herzugeben, wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass diese Vision von einer Firma stammt, die nach wie vor den Großteil ihres Geldes mit Internet-Werbung verdient. Die Finanzierung für die ganzen aufsehenerregenden Technologie-Vorstöße wie selbstfahrende Autos, Ballons zur Internet-Versorgung oder die Forschung an Kontaktlinsen, die den Blutzucker messen, kommt vor allem aus den Cent-Beträgen, die zu Milliarden anwachsen, wenn Nutzer auf die kleinen Anzeigen in ihren Suchergebnissen klicken.

Auch Konkurrenten arbeiten an künstlicher Intelligenz

Nicht nur Google ist mit seinem Assistant auf dem Weg hin zum virtuellen Butler, auch Apple mit Siri, Amazon mit Alexa und Microsoft mit Cortana arbeiten mit der künstlichen Intelligenz. Google hofft aber, dass die gewaltige Datenmenge, die sich auch dank der vielen Milliarden Internet-Suchen angesammelt hat, zusammen mit der konsequenten Erfassung allen Wissens und einer gewaltigen Rechenleistung dem Konzern am Ende einen Vorteil vor der Konkurrenz verschaffen werden.

Mit der Kraft der allgegenwärtigen künstlichen Intelligenz macht sich Google auch für den Wettbewerb mit Facebook fit. Wenn die besten Fotos einer Party mit Hilfe von Google-Technologie wie von Geisterhand unter allen Anwesenden ausgetauscht werden, könnte daraus eine attraktive Alternative zu Facebook-Diensten wie Instagram oder WhatsApp entstehen. Und mit rund 500 Millionen aktiven Nutzern von Google Photos spielt der Suchmaschinen-Gigant ohnehin in einer Liga mit Instagram & Co.

Auch Android O spielte auf der Google I/O eine Rolle. Mehr zur kommenden Android-Version lesen Sie in einer weiteren Meldung.

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