Datenbrille

Google Glass: Twitter- und Facebook-App für die Datenbrille

Nachrichten kommen direkt auf die Brille - Kritiker sind skeptisch
Von Rita Deutschbein mit Material von dpa
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Mit der Datenbrille Google Glass will der Internet-Konzern Google eigenen Aussagen zufolge das Surfen im Netz revolu­tionieren. Die Brille, von der im März bereits erste Test­exemplare an zuvor ausgewählte US-Amerikaner zum Preis von 1 500 US-Dollar plus Steuern ausgegeben wurden, verfügt über einen kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge, über den Informationen angezeigt werden können. Mit Sprach­befehlen sollen sich so unterwegs Fotos oder Videos aufnehmen, Navigations­anweisungen einblenden oder eine Google-Suche durchführen lassen.

Google Glass: Twitter- & Facebook-App kommen auf die DatenbrilleFacebook und Twitter kommen auf Google Glass Um das Angebot noch weiter auszubauen, hat Google für seine Daten­brille nun im Zuge der Google I/O neue Apps vorgestellt: Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook und der Kurz­mitteilungs­dienst Twitter kommen in einer speziellen Version auf Google Glass. Mit den Apps sollen Nutzer unter anderem mit der Daten­brille aufgenommene Fotos direkt mit Facebook-Freunden teilen oder bei Twitter einstellen können. Auch Benach­richtigungen von ausgewählten Freunden werden direkt auf der Brille angezeigt.

Weitere Apps von großen Medien wie CNN, NYT und Elle

Ebenso wie Google selbst haben auch mehrere große US-Medien - die New York Times, der Nachrichten­sender CNN und das Magazin Elle - eigene Apps für Google Glass entwickelt. Bei CNN etwa bekommt man Schlag­zeilen zu ausgewählten Themen­bereichen und kleine Videos oder kurze Bildergalerien angezeigt. Der Online-Speicher­dienst Evernote - von dessen Erscheinen auf Google Glass bereits vor zwei Monaten berichtet wurde - bringt auf Glass eine App, mit der man sich zum Beispiel Einkaufs­listen anzeigen lassen kann.

Die Google-Brille ist zunächst für Software-Entwickler und erste Test-Nutzer in den USA verfügbar. Bis zu einer Verbraucher-Version dürfte nach früheren Angaben noch etwa ein Jahr vergehen. Bis dahin will Google auch ein Paket von Werkzeugen für App-Entwickler veröffentlichen - ähnlich wie es sie etwa für die Entwicklung von iPhone- oder Android-Anwendungen gibt. Darin sollen auch zusätzliche Funktionen eingeführt werden. Unter anderem wird man in Zukunft Live-Videos übertragen können, kündigte Googles Glass-Experte Timothy Jordan an.

Zunächst ließ Google nur eine eingeschränkte Palette an Funktionen zu. Dabei geht es hauptsächlich um Bilder, Navigation und Kommunikation per E-Mail oder Kurz­mitteilungen. Über Google-Hangouts kann man sich aber auch live mit anderen Mitgliedern des Online-Netzwerks Google+ unterhalten.

Inhalte müssen auf kleinen Bildschirm angepasst werden

Der gesamte Datenverkehr - auch wenn es um andere Dienste wie Facebook oder Twitter geht - läuft nicht direkt, sondern über Google-Server. Das liegt daran, dass die Inhalte für die Brille zum Teil aufbereitet werden müssen. So hat der kleine Glass-Bildschirm eine Auflösung von 640 mal 360 Pixeln, während die meisten Inhalte heute auf Displays mit viel mehr Bildpunkten ausgelegt sind. "Wir machen eine Menge an Optimierung", sagte Jordan.

Google will bei dem Ausbau der Glass-Software behutsam vorgehen, denn die Spielregeln auf dem winzigen Bildschirm direkt am Auge sind anders als etwa auf einem Smartphone und müssen zum Teil erst noch in der Praxis entdeckt werden. Die eingeblendeten Informationen müssten unaufdringlich und kurz sein, immer zur aktuellen Situation passen und den Nutzer nicht verwirren, erklärte Jordan den Entwicklern.

Von Kritik und Skepsis

Skeptiker sehen allerdings auch große Risiken in dem Konzept der Datenbrille von Google. So wurde Google Glass in einem Lokal in Seattle bereits vor dem offiziellen Erscheinen der Brille verboten, da mit Google Glass Videos und Fotos aufgenommen werden können, ohne dass eventuell abgelichtete Personen davon etwas mitbekommen. Mit einem kurzen Befehl sind die Fotos zudem im Internet. Zwar ist auch mit den heutigen Smartphones ein solches Szenario ohne Probleme nachstellbar, doch würde die Foto-Aufnahme mit dem Handy für den Aufgenommenen zumindest noch deutlicher erkennbar sein.

Google Glass kann bisher nur Kurzvideos von einigen wenigen Sekunden aufzeichnen. Einflussreiche US-Abgeordnete wollen von Google aber in einem Brief bereits wissen, ober der Konzern den Einsatz von Gesichts­erkennungs-Software plane, und wie die Privatsphäre der Menschen um einen Glass-Träger herum geschützt werden solle.

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