Russland vs. USA

Yandex und VKontakte: Alternativen zu Google & Facebook?

Google und Facebook stehen im Hinblick auf Datenschutz bereits seit langer Zeit im öffentlichen Fokus. Weniger bekannt sind jedoch deren russische Mitbewerber Yandex und VKontakte. Was unterscheidet die Dienste und könnten sie vielleicht sogar die US-Riesen vom Thron stoßen?
Von Björn König
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Wer im Besitz eines Android-Smart­phones ist, hat quasi zwangs­weise auch ein Google-Konto und nutzt womög­lich den vorin­stal­lierten Email-Dienst Gmail. Nicht wenige Nutzer loggen sich vermut­lich ebenso täglich bei Face­book ein, um mit Familie, Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. Wer im Internet nach Infor­ma­tionen sucht, bemüht in der Regel Google. Viel­leicht hat der eine oder andere Kunde darüber hinaus bereits einen Smartspeaker des Internet-Riesen im Wohn­zimmer.

Ein Leben ohne diese Dienste dürften sich viele Menschen im Alltag über­haupt nicht mehr vorstellen können. Schließ­lich sind sie nicht nur unge­mein prak­tisch, sondern in der Regel auch kostenlos. Wobei diese Aussage relativ ist, denn die Währung bei Google und Face­book lautet natür­lich nicht Dollar, sondern Daten. Auf Servern jenseits des Atlan­tiks liegt sozu­sagen das ganze Leben zahl­rei­cher Inter­net­nutzer aus Deutsch­land. Eine beängs­ti­gende Vorstel­lung, mit der sich viele Menschen aber schon längst arran­giert haben. Schließ­lich gibt es ohnehin keine Konkur­renz und einem geschenkten Gaul schaut man bekannt­lich nicht ins Maul. Aber gibt es wirk­lich keine Alter­na­tiven, als seine wert­vollen Daten in die USA zu schi­cken?

Blick nach Russ­land

Datenschutz Alter­na­tiven zu den großen ameri­ka­ni­schen Playern im Bereich Internet finden sich übli­cher­weise nicht in Europa. Eigent­lich kommen über­haupt nur zwei weitere Länder infrage, die sich in diesem Bereich stark enga­gieren - genauer gesagt in China und Russ­land. Vor allem in Russ­land haben sich mit Yandex und VKon­takte in den vergan­genen Jahren zwei beson­ders starke Heraus­for­derer posi­tio­niert, die es auf globaler Ebene mit Google und Face­book aufnehmen wollen.

Ganz sicher ist hier gesunde Skepsis ange­bracht. Wer seine Daten nicht in die USA schi­cken will, wird sich beim Thema Russ­land sicher nicht besser fühlen. Denn das riesige Reich Putins gilt im Bereich Daten­schutz und Rechts­staat­lich­keit allge­mein hin ebenso nicht gerade als großes Vorbild. Allein die Hacker­at­ta­cken gegen poli­ti­sche Insti­tu­tionen im Westen wecken unschöne Erin­ne­rungen. Wenn man einen Blick auf die beiden großen Dienste wirft, zeigt sich schnell, dass blindes Vertrauen in die andere Seite eben­falls proble­ma­tisch sein kann.

Yandex

Bereits vor rund zehn Jahren erreichte Yandex, das vor allem durch die gleich­na­mige Such­ma­schine bekannt wurde, in Russ­land einen Markt­an­teil von 64 Prozent und spielt dort somit eine entschieden größere Rolle als Google in anderen west­li­chen Ländern. Doch die Unter­nehmen sind sich weitaus ähnli­cher, als man viel­leicht auf den ersten Blick denkt.

Wie auch sein ameri­ka­ni­sches Pendant besteht Yandex mitt­ler­weile aus einem regel­rechten Konglo­merat an verschie­denen Internet-Produkten. Im Kern befindet sich natür­lich die Such­ma­schine, darüber hinaus gibt es unter anderem einen Browser, Karten­dienst, Email-Post­fä­cher sowie einen eigenen Apps­tore. Selbst im Bereich auto­nomes Fahren enga­giert sich Yandex mitt­ler­weile und ist damit wohl als (weniger bekannte) Konkur­renz zur Google-Tochter Waymo anzu­sehen. Die meisten von Yandex ange­bo­tenen Dienste sind eben­falls kostenlos und finan­zieren sich weitest­ge­hend durch Werbung.

Es ist offen­sicht­lich, dass Yandex Kunden­daten sammelt, um zum Beispiel Werbung zu adres­sieren. Das alleine wäre nicht der Haupt­kri­tik­punkt, jedoch lohnt es sich durchaus, einen Blick auf die Personen hinter Yandex zu werfen. Gründer und Geschäfts­führer des Unter­neh­mens ist der russi­sche Infor­ma­tiker und Multi­mil­li­ardär Arkadi Wolosch, dem äußerst enge Verbin­dungen zum Kreml nach­ge­sagt werden. Wolosch steht auf der so genannten "Olig­ar­chen-Liste" der US-Regie­rung. Die Liste enthält Namen hoch­ran­giger wohl­ha­bender russi­scher Persön­lich­keiten und Unter­nehmer, die wirt­schaft­lich direkt oder indi­rekt vom Putin-Regime profi­tieren. In der Vergan­gen­heit hatten die USA diese Personen immer wieder mit Sank­tionen belegt.

Was konkret mit Kunden­daten und Infor­ma­tionen passiert, die auf russi­schen Servern liegen, lässt sich nur schwer einschätzen. Es ist aber durchaus sehr wahr­schein­lich, dass Unter­nehmen wie Yandex im Gegen­satz zu Google nicht primär wirt­schaft­liche, sondern viel­mehr poli­ti­sche Inter­essen verfolgen.

VKon­takte

Bei VKon­takte (vk.com) handelt es sich im Grunde genommen um einen opti­schen Face­book-Klon, für den offen­sicht­lich weite Teile des Face­book-Designs bzw. des User-Inter­face "über­nommen" wurden. In Russ­land zählt das soziale Netz­werk mit Sitz in Sankt Peters­burg bereits zur dritt­po­pu­lärsten Website. Von rund 100 Millionen aktiven Nutzern (Stand 2014) stammen die meisten aus Russ­land und der Ukraine, aller­dings zählt VKon­takte mitt­ler­weile auch in Deutsch­land zu den am häufigsten besuchten Internet-Seiten und schaffte es laut Infor­ma­ti­ons­dienst Alexa Internet auf Platz 9.

Eigen­tümer des sozialen Netz­werks ist die russi­sche Invest­ment­firma Mail.Ru Group, hinter der wiederum unter anderem der russi­sche Olig­arch Alischer Usmanow steht. Auch ihm werden außer­or­dent­lich gute Kontakte zum Kreml nach­ge­sagt, weshalb er US-Sank­tionen fürchten musste und sich aus der opera­tiven Führung des Unter­neh­mens zurückzog.

VKon­takte gilt in Deutsch­land als beson­ders stark umstritten. West­liche Sicher­heits­be­hörden und Geheim­dienste stufen das Netz­werk als "sicheren Hafen" für Rechts­ex­tre­misten, Verschwö­rungs­theo­re­tiker und Propa­gan­da­ma­schine des Kreml ein. Im Gegen­satz zu Face­book werden Beiträge, die in Deutsch­land als straf­recht­lich rele­vant gelten, aus Erfah­rungen prak­tisch nicht gelöscht. Experten gehen davon aus, dass VKon­takte nicht einfach nur als soziales Netz­werk konzi­piert wurde, sondern ganz gezielt Einfluss auf Mitglieder und die Diskus­si­ons­kultur im Westen nehmen will. Ziel sei es, deren poli­ti­sche Systeme von innen zu desta­bi­li­sieren und eine neue Meinungs­he­ge­monie gegen libe­rale Werte zu instal­lieren. Trotz seiner stei­genden Popu­la­rität liegt der Bekannt­heits­grad von VKon­takte in Europa aber insge­samt noch deut­lich hinter dem US-Markt­führer zurück.

Fazit

Mit Yandex und VKon­takte sind zwei mäch­tige Gegner zu Google und Face­book heran­ge­wachsen. Letzt­end­lich sollte man sich bei Verwen­dung dieser Dienste jedoch darüber bewusst sein, dass diese im Gegen­satz zu ihren ameri­ka­ni­schen Pendants de facto keinerlei rechts­staat­li­cher Kontrolle unter­liegen, zwei­fel­hafte poli­ti­sche Verbin­dungen zum Kreml haben und es keinerlei Kennt­nisse darüber gibt, was mit den Daten der Nutzer auf russi­schen Servern passiert.

Gene­rell gilt der Rat mit seinen eigenen Daten und Infor­ma­tionen im Internet stets sparsam umzu­gehen. Ganz beson­ders, wenn der Webseiten-Betreiber nicht in Deutsch­land oder der EU sitzt.

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