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Google Chrome OS setzt voll auf die Cloud

Von Steffen Herget
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Google hat im kalifornischen Mountain View den Vorhang gelüftet und den Blick auf Details zum neuen Netbook-Betriebssystem Chrome OS freigegeben. Dabei scheint der Suchmaschinen-Gigant mit seinem eigenen Betriebssystem tatsächlich Großes vorzuhaben. Einen vermuteten Start einer Vorab-Version schon heute gibt es aber nicht, das System soll in einem Jahr fertig sein.

Als Basis setzt Google bei Chrome OS auf Open Source. Ab sofort ist der Kernel für Hersteller, Entwickler und die Open-Source-Gemeinde verfügbar. Bei Chrome OS gibt es für Google drei Maßgaben: Geschwindigkeit, Schlichtheit und Sicherheit. Das sollte eigentlich für die meisten Netbook-Systeme gelten. Wobei unter Schlichtheit vor allem die Tatsachen fällt, dass Google komplett auf Web-Applikationen und Cloud-Dienste setzt. Weder Programme noch Daten sollen auf dem eigenen Rechner liegen. Das mag zwar praktisch sein, aber nicht Jeder möchte alle seine Daten im Netz speichern.

Der Prototyp sah schon gut aus

Auch ein funktionierendes Netbook mit Chrome OS hat Google gezeigt, der Systemstart ging dabei sehr flott, etwa 5 Sekunden nach Drücken des Start-Buttons war die Anmeldemaske zu sehen, nach 12 Sekunden soll der Rechner online sein. Google setzt dabei komplett auf SSD, gewöhnliche Festplatten sollen nicht zum Einsatz kommen. Das System sieht dabei genauso aus wie der Chrome-Browser, auf den Tabs liegen allerdings auch Programme. Wird etwa ein Messaging-Client gestartet, öffnet sich ein Fenster - "Panel" genannt - dass die Daten sofort in die Cloud schickt und dort verfügbar macht. Minimierte Anwendungen liegen in der Status-Leiste des Browser, ähnlich wie in der Task-Bar von Windows.

Auch die Web-Applikation von Microsoft Live, wie das Office-Paket, werden von Chrome OS unterstützt. Wer etwa eine Excel-Datei öffnet, bekommt diese im Browser über die Internet-Anwendung angezeigt. Die fast diebische Freude über die Integration des Online-Office war dem Product Manager Sundar Pichai deutlich anzusehen. ;-)

Ein Reboot zur Sicherheit

Neben dem Code sind auch die Design-Dokumente für Chrome OS öffentlich. Mit einer eigenen Firmware und Signaturen versucht Google dabei, Malware durch Sicherheits-Reboots auszuschalten. Durch die Beschränkung auf Internet-Applikationen sollen Angriffe auf den Rechner minimiert werden. Das Root-System von Chrome OS ist dabei vollständig schreibgeschützt, Benutzerdaten sind verschlüsselt.

Der wirkliche Start von Chrome OS verzögert sich allerdings noch ganz ordentlich, erst in einem Jahr soll das Betriebssystem fertig sein. Auf den ersten Blick macht das alles schon einen guten Eindruck, aber bis zum fertigen System ist noch ein gutes Stück Weg zu gehen. Die Tatsache, dass Google komplett auf Cloud-Dienste und Web-Applikationen setzt, war zu erwarten, wird aber nicht jedem gefallen, zumal das System ohne Internet-Verbindung kaum sinnvoll genutzt werden kann. Allerdings sind laut Sindar Pichai Rechner mit Chrome OS immer nur Zweit- oder Dritt-Geräte. Auch Google's zweifelhafter Ruf als Daten-Krake dürfte weiter gestärkt werden.

Dass bei Microsoft schon die Knie schlottern, darf zwar getrost bezweifelt werden, wenn aber die Netbook-Hersteller 2010 tatsächlich verstärkt auf Google Chrome OS setzen sollten, könnte das schon für mehr Druck in Redmond sorgen.

Das Video zu Gooogle Chrome OS:

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