Pandemie

Teamwork: Google & Apple bekämpfen gemeinsam Pandemie

Welt­weit arbeiten Entwickler fieber­haft an Corona-Warn-Apps. Nun haben sich Google und Apple zusam­men­getan, um das tech­ni­sche Funda­ment für eine daten­schutz-freund­liche Umset­zung zu erstellen.

Der iPhone-Hersteller arbeitet in der Corona-Pandemie mit Google zusammen Der iPhone-Hersteller arbeitet in der Corona-Pandemie mit Google zusammen
picture alliance/Peter Kneffel/dpa
Apple und Google wollen als Anbieter der beiden führenden Smart­phone-Platt­formen welt­weit die Entwick­lung von Apps zur Nach­ver­fol­gung von Corona-Infek­tionen erleich­tern. Sie setzen dabei auf das Erkennen von Abständen mit Blue­tooth-Funk­technik und Verschlüs­se­lung.

"Der Schutz der Privat­sphäre und die Sicher­heit der Benutzer werden im Mittel­punkt dieser Entwick­lung stehen", erklärten die beiden Konzerne. Das iOS-Betriebs­system von Apples iPhones und das Google-System Android sollen entspre­chende Schnitt­stellen bekommen.

Das Konzept sieht vor, dass Smart­phones unab­hängig vom verwen­deten Betriebs­system tempo­räre Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern austau­schen können, so dass die Privat­sphäre der Anwender gewahrt bleibt.

Damit ähnelt das Konzept der beiden Konzerne dem Ansatz der paneu­ro­päi­schen Initia­tive PEPP-PT, die von 130 Wissen­schaft­lern und Entwick­lern aus acht euro­päi­schen Ländern vorge­stellt wurde.

Spei­che­rung nicht auf einem zentralen Server

Der iPhone-Hersteller arbeitet in der Corona-Pandemie mit Google zusammen Der iPhone-Hersteller arbeitet in der Corona-Pandemie mit Google zusammen
picture alliance/Peter Kneffel/dpa
Apple und Google wollen die Kontakt­daten aber nur auf den Smart­phones der Anwender spei­chern, nicht auf einem zentralen Server. Erst wenn jemand mit Covid-19 positiv getestet wurde, werde die Infor­ma­tion an einen Server über­tragen, wenn der Betrof­fene dem zustimme.

Die anderen Smart­phones rufen bei diesem Konzept regel­mäßig eine Liste der anony­mi­sierten IDs der Erkrankten ab, um zu sehen, ob sie selbst Kontakt mit einer infi­zierten Person hatten.

Google und Apple wollen dabei unter anderen sicher­stellen, dass der stän­dige Austausch der ID-Nummern die Batte­rie­l­auf­zeit der Geräte nicht erheb­lich verkürzt. In einem ersten Schritt werde im Mai eine Program­mier­schnitt­stelle (API) veröf­fent­li­chen, die die Zusam­men­ar­beit zwischen Android- und iOS-Geräten unter Verwen­dung von Apps der Gesund­heits­be­hörden ermög­li­chen. Diese offi­zi­ellen Apps würden den Benut­zern über ihre jewei­ligen App-Stores zum Down­load zur Verfü­gung stehen.

Blue­tooth-basierte Platt­form in Planung

In einem zweiten Schritt werden die beiden Unter­nehmen "in den kommenden Monaten" daran arbeiten, eine umfas­sen­dere, Blue­tooth-basierte Platt­form zur Nach­ver­fol­gung von Kontakten zu ermög­li­chen. Diese Funk­tio­na­lität würde dann direkt in das Betriebs­system, also iOS und Android, inte­griert.

"Dies ist eine stabi­lere Lösung als eine Program­mier­schnitt­stelle und wird es mehr Einzel­per­sonen ermög­li­chen, sich nach ihrer Entschei­dung nach einer aktiven Zustim­mung (Opt-in) zu betei­ligen." Darüber hinaus werde die Inter­ak­tion mit einem brei­teren Ökosystem von Apps und staat­li­chen Gesund­heits­be­hörden möglich.

Apple und Google wollen den Programm­code der Initia­tive zur freien Einsicht veröf­fent­li­chen, um möglichst viel Vertrauen zu schaffen. Die Firmen betonten, bei dem Projekt würden keine Benutzer iden­ti­fi­ziert und keine Ortungs­daten verwendet. "Google und Apple sehen nicht, wer krank oder wer gesund ist." Den Benut­zern werde auch deut­lich gemacht, wie sich sie betei­ligen können oder auch, wie sie eine Betei­li­gung ablehnen können. Bei der Infor­ma­tion über Infek­tionen würden die Gesund­heits­be­hörden betei­ligt.

Die Liste der ID-Nummern der Leute, die man getroffen habe, verlasse nicht das Gerät, solange man nicht explizit dies zulasse. Die Blue­tooth-IDs sollen dabei alle 15 Minuten geän­dert werden, um ein umfas­sendes Tracking der Personen tech­nisch unmög­lich zu machen.

Google und Apple könnten die Funk­tio­na­lität in den Betriebs­sys­temen auch wieder deak­ti­vieren, wenn sie in bestimmten Regionen der Welt nicht mehr benö­tigt werde.

Ziel: Rück­kehr in den Alltag

"Wir alle bei Apple und Google glauben, dass es nie einen wich­ti­geren Moment gegeben hat, um gemeinsam an der Lösung eines der drin­gendsten Probleme der Welt zu arbeiten", heißt es in der gemein­samen Erklä­rung. "Durch eine enge Zusam­men­ar­beit und Koope­ra­tion mit Entwick­lern, Regie­rungen und öffent­li­chen Dienst­leis­tern im Gesund­heits­wesen hoffen wir, die Kraft der Tech­no­logie nutzen zu können, um Ländern auf der ganzen Welt zu helfen, die Ausbrei­tung von Covid-19 zu verlang­samen und die Rück­kehr in den Alltag zu beschleu­nigen."

Anwender, die von der Initia­tive von Google und Apple profi­tieren wollen, müssen dafür das Betriebs­system aktua­li­sieren. Google erklärte, man werde Android-Geräte ab der Version Marsh­mellow (Android 6) unter­stützen. Apple sagte, man werde dafür sorgen, dass quasi sämt­li­chen iOS-Geräte mit einem entspre­chenden Update versorgt würden.

Nach iPhone und iPad hat Apple jetzt auch die Apple Watch und den Mac mit Bugfix-Updates versorgt. Beim Mac ändert sich aller­dings nicht einmal die Nummer der Betriebs­system-Version. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren News.

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