Aufgabe

Google-Mutter Alphabet holt Internet-Ballons vom Himmel

Die Idee schien einleuch­tend: Entle­gene und dünn besie­delte Gegenden könnten aus der Luft viel besser mit Internet versorgt werden als mit herkömm­lichen Mitteln. Doch nach Drohnen sind jetzt auch die bei Google dafür erfun­denen Ballons am Ende.

Ein Ballon vom Loon-Projekt zur Versorgung entlegener Gebiete mit Internet Ein Ballon vom Loon-Projekt zur Versorgung entlegener Gebiete mit Internet
Bild: picture alliance / dpa | Andrej Sokolow
Der Google-Mutter­kon­zern Alphabet beendet seinen Versuch, entle­gene Regionen mit Hilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen. Die dafür gegrün­dete Toch­ter­firma Loon wird geschlossen.

"Wir haben keinen Weg gefunden, die Kosten so weit zu senken, dass ein lang­fristig nach­hal­tiges Geschäft möglich wird", schrieb Loon-Chef Alas­tair West­garth heute in einem Blog­ein­trag.

Ballons können lange schweben

Ein Ballon vom Loon-Projekt zur Versorgung entlegener Gebiete mit Internet Ein Ballon vom Loon-Projekt zur Versorgung entlegener Gebiete mit Internet
Bild: picture alliance / dpa | Andrej Sokolow
Google hatte die großen Ballons, die wochen­lang in der Luft bleiben können, bereits im Jahr 2013 vorge­stellt. Die Idee war, dass entle­gene und dünn besie­delte Gegenden sich auf diese Weise güns­tiger mit Internet versorgen lassen könnten als mit herkömm­licher Tele­kom­muni­kations-Infra­struktur. Zwischen­zeit­lich probierten Google und auch Face­book dafür zudem Drohnen aus, gaben diese Pläne aber relativ schnell auf.

Bei den Ballons sah Google dagegen durchaus Geschäfts­poten­zial. Unter dem Dach der später geschaf­fenen Konzern­mutter Alphabet wurde das Projekt 2018 in die eigen­stän­dige Firma Loon gebracht. Erst im vergan­genen Jahr star­tete Loon in Koope­ration mit einem lokalen Netz­betreiber die Versor­gung einer Region in Kenia.

Loon musste enorme tech­nische Heraus­for­derungen über­winden

Die Ballons schweben umher und über­mit­teln Daten unter­ein­ander. Doch am Ende war es noch schwie­riger, ein Geschäfts­modell aufzu­bauen. Internet-Zugänge wurden in den vergan­genen Jahren in immer mehr Regionen verfügbar - und in den verblie­benen sind sie für die Einwohner zu teuer oder unin­ter­essant.

Deshalb sei er zu dem Schluss gekommen, dass Loon nie einen Beitrag zu den Gewinnen des Konzerns leisten werde, sagte der Chef des Alphabet-Inno­vati­ons­labors X, Astro Teller, dem Magazin Wired. Er betrachte es trotzdem als erfolg­rei­ches Expe­riment: "Wahres Versagen ist, wenn die Daten zeigen, dass man nicht das rich­tige tut - und man trotzdem weiter­macht."

Projekt Star­link mit mehr Perspek­tive?

Im Gegen­satz zu Alphabet sieht Silicon-Valley-Star­unter­nehmer Elon Musk durchaus eine Perspek­tive, auch entle­gene Gegenden aus der Luft mit einer Internet-Verbin­dung zu versorgen. Mit dem Projekt Star­link setzt sein Raum­fahrt­unter­nehmen SpaceX aller­dings nicht auf Ballons oder Drohnen, sondern auf eine Flotte von bis 42 000 Satel­liten, die einen globalen Breit­band-Inter­net­gürtel um die Erde legen sollen.

Die Star­link-Satel­liten fliegen in einer relativ nied­rigen Umlauf­bahn von 550 Kilo­meter Höhe, die Loom-Ballons schweben dagegen viel dichter an der Erdober­fläche, nämlich in einer Höhe von 20 Kilo­meter.

Bislang hat Star­link rund 900 Satel­liten im Orbit. Das soll nicht nur ausrei­chen, um große Teile der USA und Kanadas zu versorgen. Auch in Deutsch­land soll ein Start des Dienstes bevor­stehen. Aller­dings blieb der für Ende 2020 in Aussicht gestellte Markt­start in Deutsch­land aus.

In den USA verlangt Star­link in seinem Beta-Test-Programm "Besser-als-nichts" von seinen Kunden 500 Dollar für ein Start­paket mit Satel­liten­schüssel und Empfangs­gerät inklu­sive WLAN-Router. Dazu kommen 99 Dollar Gebühren pro Monat. Dafür erhalten die Kunden zu 95 Prozent der Zeit Internet.

Down­load bis zu 100 MBit/s

Star­link wird in Deutsch­land vor allem mit den Satel­liten­diensten TooWay von Eutelsat und Astra Connect konkur­rieren, die ohne einen Rück­kanal über eine Tele­fon­lei­tung funk­tio­nieren. Die Astra-Dienste werden von den Service-Provi­dern Filiago und Novostream ange­boten, die Satel­liten-Verbin­dungen von Eutelsat werden von den Firmen Bigblu, Eusanet, SkyDSL und StarDSL vermarktet.

Die aktuell in Deutsch­land verlangten Preise bewegen sich im Bereich zwischen 30 und 150 Euro im Monat. Dafür wird eine maxi­male Down­load-Geschwin­dig­keit von bis zu 100 MBit/s in Aussicht gestellt. Bei den Satel­liten-Verbin­dungen handelt es sich aber - ähnlich wie im Mobil­funk oder bei Kabel-Anschlüssen - um ein "geteiltes Medium".

Je mehr Anwender die Verbin­dung gleich­zeitig nutzen, desto geringer fällt die Geschwin­dig­keit für den einzelnen Anwender aus. Die Tarife sind in der Regel keine Flat­rate, sondern begrenzen das Daten­volumen pro Monat, auch um die Renta­bilität des Dienstes zu gewähr­leisten.

Für das ambi­tio­nierte Projekt Loon der Google-Mutter gab es dagegen keine kommer­zielle Perspek­tive. Nun geht es ans Aufräumen.

Mehrere Dutzend Loon-Ballons sind noch in der Luft

Sie werden voraus­sicht­lich im Laufe der kommenden neun Monate zur Erde absinken und sollen dann einge­sam­melt werden.

Alphabet lässt sich Zukunfts­wetten wie Loon Jahr für Jahr Milli­arden kosten, während das Google-Kern­geschäft mit Online-Werbung nach wie vor das Geld dafür liefert.

Das bisher bekann­teste Inno­vati­ons­pro­jekt ist die Roboter­wagen-Firma Waymo, die als ein führender Player beim auto­nomen Fahren gilt und auch externe Inves­toren anlockte.

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