Kontrolle

Google entdeckt und meldet Kinderpornografie in Gmail-Account

Google scannt die Inhalte von Gmail offenbar intensiver, als bislang öffentlich bekannt ist. In einem Fall meldete der Konzern den Fund kinderpornografischer Bilder den Behörden. Das Vorgehen in den USA ist rechtlich vorgegeben - die Rechtslage in Deutschland ist aber eine andere.
Von dpa / Hans-Georg Kluge

Google durchforstet Gmail nach illegalen Inhalten. Google durchforstet Gmail nach illegalen Inhalten.
Bild: dpa
Google hat den Behörden in den USA einen entscheidenden Tipp zur Festnahme eines mutmaßlichen Besitzers von Kinderpornografie gegeben. Der Mann nutzte ein E-Mail-Konto beim Google-Dienst Gmail. Darin habe Google drei explizite Fotos gefunden, berichtete der Fernsehsender KHOU in Houston im US-Staat Texas. Über eine zentrale Stelle zur Meldung von Kindesmissbrauch seien lokale Behörden alarmiert wurden, die einen Durchsuchungsbefehl erwirkten. Sie fanden den Angaben zufolge weitere kinderpornografische Bilder auf einem Tablet und dem Handy des Mannes. Der Verdächtige sei festgenommen worden, berichtete der Fernsehsender.

Google durchforstet seine Dienste aktiv nach brisantem Material

Google durchforstet Gmail nach illegalen Inhalten. Google durchforstet Gmail nach illegalen Inhalten.
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In den USA sind Unternehmen verpflichtet, entdeckte Kinderpornografie an ein nationales Zentrum zu melden. Dieses leitet die Hinweise an Behörden weiter.

Der Fall wirft für Google-Nutzer die Frage auf, wie der Konzern die E-Mails seiner Nutzer durchforstet. Bisher war lediglich bekannt, dass Google im Internet hochgeladene Bilder mit bekannten Fotos von Kinderpornografie abgleicht. Dafür bildet der Konzern eine Art digitalen Fingerabdruck, genannt Hash, für jedes bekannte Bild. Diese Hash-Werte werden mit neuen Fotos verglichen. Wird ein Bild wiedererkannt, wird es aus der Google-Suche entfernt. Damit soll die Verbreitung der Bilder eingedämmt werden.

"Wir entfernen Bilder vom sexuellen Missbrauch von Kindern aktiv von unseren Diensten und melden Missbrauch an die Behörden", schrieb Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt im November 2013. Damals ging es nur um die Suche, doch das Wort "Dienste" scheint alle Google-Angebote zu umfassen.

Dass auch E-Mail-Postfächer bei Gmail nach kinderpornografischen Bildern durchsucht werden, war bisher wenig bekannt. "Leider müssen sich alle Internetunternehmen mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern auseinandersetzen. Deshalb entfernt Google entsprechende Bilder aktiv aus seinen Diensten wie der Suche oder Gmail", begründete Google sein Vorgehen.

Rechtsanwalt Christian Solmecke hält das Vorgehen von Google indes für rechtswidrig - zumindest in Deutschland. Google verletze mit diesen Kontrollen das deutsche Fernmelde-Geheimnis. Google dürfe aber Daten analysieren und verarbeiten, die für das technische Funktionieren des Dienstes notwendig sei. Eine Meldepflicht für kinderpornografische Inhalte bestehe in Deutschland aber nicht.

Google analysiert Inhalte für Werbezwecke

Google scannt die Inhalte in Gmail aber nicht nur auf kriminelle Inhalte. So werden Mails auf Schlagworte analysiert, um Nutzern eines kostenlosen Accounts passende Werbung anzuzeigen. Außerdem filtert Google Spam-Nachrichten und löscht Mails mit Viren und anderen Schadprogrammen im Anhang.

Auch Microsoft stand wegen der Durchsuchung von E-Mail-Konten in der Kritik. Das Unternehmen hatte das Postfach eines Bloggers durchforstet, um herauszufinden, woher der Mann interne Informationen über Microsoft erhalten hatte. Es hagelte Kritik. Microsoft kündigte daraufhin an, in solchen Fällen künftig die Behörden einzuschalten und nicht auf eigene Faust in Mail-Konten von Nutzern zu stöbern.

Die Inhalte von E-Mails sind für den Anbieter immer lesbar, wenn sie auf herkömmlichen Weg verschickt werden. Dagegen hilft nur, E-Mails vor dem Versand zu verschlüsseln. Wie das geht, zeigen wir Ihnen in unserer Meldung zum Einstieg in die E-Mail-Verschlüsselung.

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