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Dank Fördermittel & Telekom: Südwestpfalz baut Glasfaser

Während die Fachleute noch über die Glasfaser bis ins Haus oder nur bis zum Schaltkasten diskutieren, findet in der Fläche ein pragmatisches Umdenken statt, beispielsweise in der Südwestpfalz.
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Im Landkreis Neuwied demonstriert die Telekom das SpülbohrverfahrenIm Landkreis Neuwied demonstriert die Telekom das Spülbohrverfahren Der Landkreis Südwestpfalz (rund um Pirmasens) mit sieben Verbands- und 84 Ortsgemeinden galt bislang als "strukturschwache" Region, an der Grenze zu Frankreich gelegen. Die dort ansässigen Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe sowie das Gast- und Be­her­bergungs­ge­werbe im inzwischen touristisch geprägten Landkreis litten bisher gewaltig unter einer "langsamen" oder fehlenden Netzinfrastruktur.

34 Gewerbegebiete und drei "gewerbliche Einzellagen" im Landkreis Südwestpfalz sollen nun mit Glasfaser ausgebaut werden. Der Landkreis Südwestpfalz sei, so wurde erklärt, in den Ländern Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland und Hessen somit der erste Landkreis, wo die Deutsche Telekom eine "schnelle Glasfaser-Datenleitung" in den Gewerbegebieten flächendeckend anbiete.

Etwa zwei Jahre hatte es gedauert, von der ersten Vorstellung für dieses Vorhaben im Kreistag, über die Entscheidung, bis zum Spatenstich für die Gewerbegebiete. Der Landkreis hat sich das Ziel gesetzt, spätestens bis Ende 2018 die Verbesserung der Internetversorgung in den Gewerbegebieten zu gewährleisten.

"Digitaler Standortvorteil" der Südwestpfalz

Für den scheidenden Landrat Hans Jörg Duppré war es ein Anliegen, dieses Projekt noch vor Ende seiner Amtszeit gemeinsam mit der Deutschen Telekom anzuschieben. Die Telekom werde auch die Haushalte mit schnellem Internet versorgen. Durch den Breitbandausbau sichere sich der Landkreis einen "digitalen Standortvorteil und werde als Wohn- und Arbeitsplatz noch attraktiver und zukunftssicherer."

Der Kreistag des Landkreises Südwestpfalz hatte schon Anfang 2017 der Telekom für den "priorisierten Ausbau" der Gewerbegebiete mit Glasfaseranschlüssen und einer Übertragungsrate von mindestens einem Gigabit pro Sekunde im Down- und Upstream eine Investitionsbeihilfe von rund 3,7 Millionen Euro bereitgestellt. Das Land Rheinland-Pfalz steuerte für dieses Projekt rund 3,3 Millionen Euro Fördermitteln aus dem Kommunalen Investitionsprogramm 3.0 – Rheinland-Pfalz (KI 3.0) bei, der Landkreis selbst ist mit 400 000 Euro dabei.

Mit Glasfaseranschlüssen werden alle "förderfähigen Gewerbegebiete" in allen sieben Verbandsgemeinden des Landkreises versorgt, nämlich Bundenthal, Dahn, Schindhard, Fischbach bei Dahn, Hauenstein, Wilgartswiesen, Hinterweidenthal, Lemberg, Trulben, Rodalben, Höhfröschen, Petersberg, Thaleischweiler-Fröschen, Wallhalben, Rieschweiler-Mühlbach, Horbach, Waldfischbach-Burgalben, und Dellfeld. Dazu kommen die gewerblichen Einzellagen Aspenhof, die Weihermühle sowie die Bildungsstätte Heilsbach und der Riegelbrunnerhof. Insgesamt werden rund 270 Unternehmen versorgt. Zwei Drittel der rund 56 Kilometer notwendigen Glasfasertrassen werden von der Telekom kostenlos verlegt.

Auch alternative Verlegeverfahren kommen zum Einsatz

Rund 15 Kilometer Kabelstrecke verlaufen unter Asphalt oder Pflaster, knapp 5 Kilometer unter unversiegelter Oberfläche. Um nicht zu viel aufgraben zu müssen, werden auch sogenannte Spülbohrverfahren angewandt. Entlang der Glasfasertrassen werden zusätzlich 22 Kabelverzweiger (KvZ) durch die Telekom mit FTTC-Technik (Glasfaser bis zum KvZ, danach Kupfer zum Privatkunden) ausgebaut, wodurch weitere 4000 Haushalte im Landkreis über VDSL Vectoring mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s im Download und bis zu 40 MBit/s im Upload versorgt werden können.

Ende 2018 soll das Netz eingeschaltet werden, der Landkreis hatte sich durch eine Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei und ein darauf spezialisiertes Planungsbüro in Taunusstein beraten lassen.

Der Kommentar: Baut endlich, diskutiert weniger

Wenn der flächendeckende Ausbau mit schnellem Internet endlich etwas werden soll, muss der Staat vor Ort aktiv mithelfen, das Geld ist langfristig gut angelegt. Da die Deutsche Telekom über langjährige Erfahrungen und bundesweit das größte schon bestehende Netz verfügt, sind ihre Chancen naturgemäß größer, zum Zug zu kommen.

Die Kunden möchten jetzt schnelleres Internet und nicht irgendwann. Die ewige Diskussion um Glasfaser bis ins Haus oder nur bis an die Ecke hilft nicht weiter und schreckt Politiker nur ab. Gewerbliche Unternehmen direkt mit Glasfaser anzuschließen, ist sicherlich richtig, wenn die notwendigen Fördergelder bereitstehen. Das bestehende Glasfaser-Netz bis zu den Verteilerkästen kann später bei Bedarf und technischem Fortschritt immer noch mit Glasfaser bis zum Kunden ins Haus nachgerüstet werden. Die bereits getätigten Investitionen können ja weiter genutzt werden.

Die privaten Wettbewerber können in diesem Markt nur mit besserem persönlichem Service und mit regional hervorragend ausgeführten Referenzprojekten punkten. Lautes Geschrei und Forderungen nach mehr Regulierung kosten nur unnötig Zeit.

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