Breitbandausbau

Glasfaserausbau: Gemeinsam gehts besser

Bis 2030 soll laut Ampel-Koali­tion jeder Haus­halt in Deutsch­land einen Giga­bit­anschluss besitzen. Wenn man jedoch hört, dass ein Netz­betreiber in einem Ort 1500 Glas­faser­anschlüsse gebaut hat, fragt man sich, wie in sieben Jahren rund 40 Millionen Haus­halte versorgt sein sollen.

Die Land­kreise nehmen die Sache mit dem Breit­band­ausbau nun teil­weise selbst in die Hand - wie zum Beispiel der Land­kreis Wolfen­büttel. Zusammen mit seinen Samt- und Einheits­gemeinden sowie der Volks­bank Wolfen­büttel wurde im Sommer 2021 die Netz­gesell­schaft Braun­schweiger Land (NG-BL) gegründet. Ihr Ziel: Alle 35.000 Haus­halte, verteilt auf 97 Ortschaften, sollen einen Glas­faser­anschluss erhalten. Das Netz soll htp bauen. Der Tele­kom­muni­kati­ons­anbieter aus Hannover will dafür 25,1 Prozent der Anteile an der NG-BL über­nehmen, inso­fern das Bundes­kar­tellamt grünes Licht gibt.

Im Vordergrund ist ein Tisch mit weißer Platte und silbernen Beinen zu sehen hinter dem ein Stuhl mit blauer Sitzfläche und Rückenlehne steht, dahinter stehen fünf Männer vor einer Wand, auf die verschiedene Wappen und Logos projeziert sind NG-BL-Geschäftsführer Torsten Ruhe (Mitte) freut sich zusammen mit Volksbank-Vorstand Thomas Stolper (l.), NG-BL-Prokurist Peter Scheer (2. v. l.) und Marc Lohmann, Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten der Gemeinden im Landkreis Wolfenbüttel (r.), über die Vertragsunterzeichnung mit htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann (2. v. r.)
Foto: htp
„Mit htp haben wir jetzt einen Experten für den Glas­faser­ausbau dabei, der sich in unserem Netz­gebiet hervor­ragend auskennt“, freut sich NG-BL-Geschäfts­führer Torsten Ruhe, denn htp ist bereits seit 2013 im Land­kreis Wolfen­büttel aktiv. Nun sollen die Hanno­veraner das 560 Kilo­meter lange Haupt­netz und die Abzwei­gungen in die Ortschaften errichten. Voraus­set­zung ist, dass sich in der Vorver­mark­tung 40 Prozent der Haus­halte für einen Anschluss bei htp entscheiden. Im Früh­jahr 2022 soll die Vermark­tung in Schladen und Badde­cken­stedt beginnen. Für Herbst ist dort der Baube­ginn geplant.

Zuwachs für die Giga­bit­region FrankfurtRheinMain

Das Inves­titi­ons­volumen für den eigen­wirt­schaft­lichen Ausbau im Land­kreis Wolfen­büttel wird auf 80 Millionen Euro taxiert. Für den Land­kreis Nord­sachsen hat sich kein Netz­betreiber gefunden, der auf eigene Kosten Glas­faser verlegen wollte. Hier haben der Bund und das Land Sachsen mit insge­samt 92 Millionen Euro dafür gesorgt, dass nun 40.000 Haus­halte und 3200 Unter­nehmen über Glas­faser im Internet surfen können. Der Land­kreis selbst hat 10,2 Millionen Euro inves­tiert. Ende März 2022 wurde in Anwe­sen­heit des säch­sischen Staats­minis­ters Martn Dulig die Inbe­trieb­nahme gefeiert.

An einem Tisch mit schwarzer Platte sitzen eine Frau und ein Mann, die vor sich aufgeblättert jeweils eine Mappe liegen und in den Händen einen Stift halten. Hinter ihnen stehen drei Männer vor zwei Aufstellern in blau und rot. Alle Personen tragen einen weißen, die Frau einen schwarzen Mundschutz Vertreter von Vodafone Deutschland und der Breitband Main-Kinzig GmbH unterschreiben für den Glasfaserausbau
Foto: Vodafone
Kommunen müssen aber nicht warten, bis sich der Land­kreis bewegt. Die Stadt Hanau hat nun zum einen den bestehenden Vertrag mit der Breit­band GmbH des Main-Kinzig-Kreises ergänzt, um in unter­ver­sorgten Gebieten Glas­faser zu verlegen, die ohne Förde­rung nicht auskommen. Zum anderen trat die Stadt der Giga­bit­region FrankfurtRheinMain bei, um den privat­wirt­schaft­lichen FTTB/H-Ausbau zu beschleu­nigen. Dabei unter­stützt die Giga­bit­region FrankfurtRheinMain GmbH Kommunen durch Koope­rati­ons­abkommen mit Netz­betrei­bern, Bera­tung und tech­nischem Know-how.

„Je mehr Kommunen sich unserer soli­dari­schen Gemein­schaft anschließen, desto mehr Gewicht können wir für eine Kommune in die Waag­schale legen, wenn es in konkrete Verhand­lungen mit Tele­kom­muni­kati­ons­unter­nehmen geht“, sagt Kai Uebach, Geschäfts­führer der Giga­bit­region FrankfurtRheinMain GmbH. Das Unter­nehmen koope­riert mit der Deut­schen Telekom, der Deut­schen GigaNetz und der Deut­schen Glas­faser. Rund zwei Drittel der Hanauer Privat- und Gewer­beim­mobi­lien werden momentan mit Super-Vecto­ring versorgt. In Zukunft sollen sie Glas­faser­anschlüsse erhalten.

Weiße Flecken im Land­kreis Prig­nitz verschwinden

Der Main-Kinzig-Kreis ist selbst Mitglied der Giga­bit­region FrankfurtRheinMain. Darüber hinaus hat er mit Voda­fone einen Vertrag zur Versor­gung von 75.000 Haus­halten und Unter­nehmen in 25 Kommunen unter­schrieben. Der Düssel­dorfer Netz­betreiber wird dabei mit der Breit­band GmbH zusam­men­arbeiten. Während sie die passiven Glas­faser­netze errichtet, stellt Voda­fone den Anschluss an seine aktive Netz­infra­struktur bereit und über­nimmt den Betrieb sowie die Vermark­tung und Bereit­stel­lung von Diensten wie Inter­net­zugänge, Fern­sehen oder Tele­fonie. Im Sommer 2022 sollen die Bagger anrollen. Die Arbeiten werden voraus­sicht­lich bis 2026 dauern.

Auf einem Bach sitzt ein Mann in oranger Warn-Arbeitsbekleidung in einem Metallboot. Ein anderer Mann, in orange und blau gekleidet, steht am Ufer und beoachtet den Mann im Boot. Was nach gemütlichem Angeln aussieht, ist tatsächlich die Querung der Dömnitz an der Schönhagener Mühle bei Pritzwalk im Frühjahr 2021. Das TK-Unternehmen e.discom versorgt im Landkreis Prignitz unterversorgte Haushalte mit Glasfaser.
Foto: e.discom
Im Land­kreis Prig­nitz hat das Tele­kom­muni­kati­ons­unter­nehmen e.discom inzwi­schen über die Hälfte der Kabel­trasse gebaut. Das Pots­damer Unter­nehmen versorgt Haus­halte in den soge­nannten weißen Flecken, also wo Inter­net­geschwin­dig­keit mit weniger als 30 MBit/s im Down­load zur Verfü­gung stehen. Mit Stand Ende Februar 2022 sind 647 Anschlüsse tief­bau­lich fertig­gestellt worden, 133 Anschlüsse sind betriebs­bereit und 51 Anschlüsse in Betrieb. Ab Juli sollen auch alle geför­derten Glas­faser­anschlüsse in Pritz­walk in Betrieb gehen. In Groß Pankow und Barenthin erfolgen laut Planung ab Ende April die ersten Inbe­trieb­nahmen. In Gumtow und im Raum Meyen­burg sollen demnächst die Bauar­beiten beginnen.

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