Steigend

BREKO-Marktanalyse: Glasfaser dringend benötigt

Keine Über­ra­schung: Die Nach­frage nach schnellen Inter­net­an­schlüssen wächst in der Corona-Krise stark, der Daten­hunger der Deut­schen stärkt die Bedeu­tung des Fest­netzes.

Prof. Dr. Jens Böcker, Autor und Leiter der Marktstudie Prof. Dr. Jens Böcker, Autor und Leiter der Marktstudie
Foto: BREKO
Zusammen mit dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­perten und Wirt­schafts­wis­sen­schaftler Prof. Dr. Jens Böcker hat der Bundes­ver­band Breit­band­kom­mu­ni­ka­tion BREKO heute die aktu­elle Analyse zur Lage des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­marktes vorge­stellt. Die Ergeb­nisse belegen eine „posi­tive Entwick­lung des Glas­fa­ser­aus­baus“ in Deutsch­land. Die Anzahl der verfüg­baren Glas­fa­ser­an­schlüsse, die Nach­frage nach schnellem Internet sowie die Inves­ti­tionen in den Ausbau steigen.

Wissen­schaft­liche Studie

Prof. Dr. Jens Böcker, Autor und Leiter der Marktstudie Prof. Dr. Jens Böcker, Autor und Leiter der Marktstudie
Foto: BREKO
Prof. Böcker, Leiter und Autor der Studie, wertet die vorlie­genden Ergeb­nisse positiv: “Die Markt­ana­lyse zeigt die Bedeu­tung einer perfor­manten Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struktur für Unter­nehmen und private Haus­halte auf, insbe­son­dere vor dem Hinter­grund der Corona-Pandemie.

Inves­ti­tionen in diese Infra­struktur seien „von zentraler Bedeu­tung für eine erfolg­reiche Zukunft“ des Landes, was auch BREKO-Geschäfts­führer Dr. Stephan Albers so sieht: „Die Digi­ta­li­sie­rung ist die Evolu­tion unserer Zeit.“ Glas­faser sei die einzige Infra­struktur, die allen digi­talen Heraus­for­de­rungen von heute und der kommenden Jahr­zehnte gewachsen sei. Die Zahlen zeigten: Es geht voran mit dem Glas­fa­ser­ausbau.“

1,1 Millionen Glas­fa­ser­an­schlüsse mehr: 9,6 Milli­arden inves­tiert

Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO
Foto: BREKO
Zentrale Botschaft der aktu­ellen Zahlen: Es geht voran. Der Anteil der Glas­fa­ser­an­schlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen (FTTB/FTTH) im Verhältnis zur Gesamt­zahl aller Haus­halte und Unter­nehmen („Glas­fa­ser­quote“) ist auf 13,5 Prozent gestiegen, was einem Zuwachs von 1,1 Millionen auf insge­samt 6,1 Millionen Glas­fa­ser­an­schlüsse deutsch­land­weit entspricht. Den größten Teil dieser Anschlüsse, so der BREKO, würden mit 4,9 Millionen. die soge­nannten „alter­na­tiven Netz­be­treiber“, also die Wett­be­werber der Deut­schen Telekom reali­sieren.

Die Ausbau­dy­namik soll sich in den kommenden Jahren verstärken: Für das Jahr 2023 prognos­ti­ziert die Analyse einen Anstieg auf insge­samt 22 Millionen Glas­fa­ser­an­schlüsse – 14,1 Millionen davon sollen durch alter­na­tive Netz­be­treiber reali­siert werden.

Digi­taler Aufschwung

Norbert Westfal, Präsident des BREKO Norbert Westfal, Präsident des BREKO
Foto: BREKO
BREKO-Präsi­dent Norbert Westfal sieht klare Zeichen des digi­talen Aufschwungs: "Beim Wachstum der digi­talen Infra­struktur kann Deutsch­land sich euro­pa­weit weiter vorkämpfen und belegt aktuell den fünften Platz der am schnellsten wach­senden Glas­fa­ser­märkte. Auch die Glas­fa­ser­quote steigt deut­lich."

Aufgrund der Versäum­nisse der Vergan­gen­heit und dem zu langen Fest­halten an Kupfer­an­schlüssen sei noch viel zu tun, die Dynamik im Glas­fa­ser­ausbau müsse verstärkt werden. Die anste­hende grund­le­gende Über­ar­bei­tung des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setzes biete eine Chance, die Weichen in Rich­tung „echten“ Glas­fa­ser­ausbau zu stellen. Das deut­lich gewach­sene Bewusst­sein für Digi­ta­li­sie­rung bei Bürgern und Unter­nehmen gebe dem Glas­fa­ser­ausbau einen Schub.

Die Inves­ti­tionen in die digi­tale Infra­struktur sind im Jahr 2019 auf insge­samt 9,6 Milli­arden Euro gestiegen, wovon die alter­na­tiven Netz­be­treiber 5,2 Milli­arden (54,1 Prozent) für sich in Anspruch nehmen.

Daten­hunger wächst während Corona deut­lich: Hohe Nach­frage

Der Marktreport enthält viele anschauliche Grafiken und Bilder zur Entwicklung des Glasfaserausbaus in Deutschland. Der Marktreport enthält viele anschauliche Grafiken und Bilder zur Entwicklung des Glasfaserausbaus in Deutschland.
Grafik: BREKO Verband
Der Bedarf an Daten­vo­lumen von Privat­haus­halten und Unter­nehmen steigt weiter und damit die Nach­frage nach echten Glas­fa­ser­an­schlüssen. Mit 42 Prozent liegt die Take-up-Rate (die Buchung bereits verlegter Leitungen oder Anschlüsse) bei Glas­fa­ser­an­schlüssen zwölf Prozent­punkte über der von Kabel­netz-Anschlüssen (30 Prozent). Die Corona-Pandemie hat zusätz­lich einen starken Einfluss auf die Nach­frage nach schnellem Internet. 49 Prozent der Bestands­kunden fragten nach einem Tarif-Upgrade mit höherer Band­breite. Auch bei 43 Prozent der Neukunden stellten die Netz­be­treiber einen Bedarf an höher­wer­tigen Anschluss­pro­dukten fest.

Die Zuver­läs­sig­keit/Stabi­lität sowie die Down­load- und Upload­band­breite sind für Privat- und Geschäfts­kunden in der aktu­ellen Situa­tion zu beson­ders wich­tigen Merk­malen des gebuchten Inter­net­ver­trags geworden. Geschäfts­kunden schätzen zudem die Sicher­heit der Verbin­dung als immer wich­tiger ein.

Dass ein hoch­leis­tungs­fä­higer Inter­net­zu­gang in der Pandemie system­re­le­vant geworden ist, ist der Branche laut Stephan Albers klar: "Unsere Netz­be­treiber leisten einen wich­tigen Beitrag dafür, dass wir die Krise über­winden können. Corona hat eindrück­lich gezeigt: Wir müssen zukunfts­si­chere Glas­fa­ser­netze bauen. Sicher­heit und Stabi­lität, die Vorzüge des Glas­fa­ser­netzes, werden immer wich­tiger. Die Zukunft gehört dem ‚Fiber to the Home­of­fice‘."

Glas­fa­ser­netze seien nicht nur leis­tungs­fä­higer, sondern trügen durch vermin­derten Strom­ver­brauch zum Klima­schutz bei, was nach­haltig sei.

Mobil­funk auch zukünftig kein Fest­netz-Ersatz

Fest­netz­an­schlüsse spielen nach wie vor die entschei­dende Rolle für den Daten­trans­port in Deutsch­land. Das Verhältnis des über Fest­netz und Mobil­funk über­tra­genen Daten­vo­lu­mens bleibt dabei stabil bei einem Verhältnis von etwa 132 GB (Fest­netz) zu 1,6 GB (Mobil­funk). Nahezu 99 Prozent der Daten werden demnach über das Fest­netz über­tragen. Eine Ablö­sung des Fest­netzes durch den Mobil­funk ist demzu­folge weiterhin nicht erkennbar und auch zukünftig nicht zu erwarten.

Trotz Förder­pro­grammen erfolgt Groß­teil des Ausbaus eigen­wirt­schaft­lich

Die BREKO-Netz­be­treiber setzen weiterhin klar auf den eigen­wirt­schaft­li­chen Glas­fa­ser­ausbau. Trotz laufender Förder­pro­gramme erfolgen 75 Prozent aller Ausbau­pro­jekte eigen­wirt­schaft­lich. Norbert Westfal: „Der Löwen­an­teil des Glas­fa­ser­aus­baus wird eigen­wirt­schaft­lich erbracht, also ohne jegliche Förder­mittel. Das liegt daran, dass der eigen­wirt­schaft­liche Ausbau schneller, effi­zi­enter und markt­ori­en­tierter umge­setzt werden kann. Förder­pro­jekte sind von Natur aus lang­wierig und mit vielen Heraus­for­de­rungen verbunden. Deshalb gilt es, die Rahmen­be­din­gungen für den eigen­wirt­schaft­li­chen Ausbau weiter zu verbes­sern und Büro­kratie abzu­bauen. Dennoch ist staat­liche Förde­rung als Ergän­zung wichtig, muss aber dosiert und nur dort einge­setzt werden, wo die Versor­gung der Bürger und Unter­nehmen beson­ders schlecht ist. Geld allein baut keine Netze.“

Woher kommen die Daten?

Für die BREKO Markt­ana­lyse20 wurden deutsch­land­weit 195 Netz­be­treiber befragt. Daneben wurden Daten öffent­lich zugäng­li­cher Quellen zur Veri­fi­zie­rung sowie zur Ermitt­lung von Gesamt­markt­zahlen heran­ge­zogen. Die Recherche der Markt­daten sowie die Analyse der Befra­gungs­er­geb­nisse wurden von der Stra­te­gie­be­ra­tung Böcker Ziemen Customer Insight Consul­tants gemeinsam mit dem BREKO durch­ge­führt.

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