Analyse

BREKO: Investitionen in Glasfaserausbau treffen Nachfrage

Der Glas­faser­ausbau boomt: Bis 2025 sollen 43 Milli­arden Euro inves­tiert werden. Die Nach­frage steigt weiter an, sagt der Bran­chen­ver­band BREKO und sieht Deutsch­land auf Platz 3 in Europa.

Zusammen mit dem Tele­kom­muni­kati­ons­experten und Wirt­schafts­wis­sen­schaftler Prof. Dr. Jens Böcker hat der Bundes­ver­band Breit­band­kom­muni­kation (BREKO) heute seine aktu­elle Analyse zum Stand des Glas­faser­aus­baus in Deutsch­land vorge­stellt. Und das sieht für den Verband positiv aus.

Nach­frage und Daten­ver­brauch steigen und bestä­tigen damit die Notwen­dig­keit des Ausbaus von Glas­faser­netzen als "zukunfts­sichere und nach­hal­tige digi­tale Infra­struktur". Hohe Inves­titi­ons­bereit­schaft von etablierten und teil­weise völlig neuen Markt­teil­neh­mern dürften auch in den nächsten Jahren für ein kräf­tiges Wachstum bei Glas­faser­anschlüssen sorgen, sagt der Verband voraus und fordert die Bundes­regie­rung zugleich auf, die Rahmen­bedin­gungen weiter zu verbes­sern.

Prof. Böcker stellt fest, dass die bishe­rige "Notwen­dig­keit dieser Förde­rung" sich durch die neue Situa­tion rela­tiviert habe. Das sei eine gute Basis, auf der das Glas­faser­netz in Deutsch­land – mit fairen Bedin­gungen für alle Markt­partner – nun immer schneller ausge­baut werden könnte.

Mehr Daten­ver­brauch

Das verbrauchte Datenvolumen steigt und steigt Das verbrauchte Datenvolumen steigt und steigt
Grafik: BREKO
Um mehr als 40 Prozent erhöhte sich das durch­schnitt­lich pro Anschluss und Monat über­tra­gene Fest­netz-Daten­volumen im vergan­genen Jahr. Waren es im Jahr 2019 noch durch­schnitt­lich 142 GB, stieg der Wert 2020 bereits auf 200 GB. Für das Jahr 2025 wird mit einem Anstieg auf 876 GB pro Anschluss gerechnet.

Mobiles Internet ist keine Alter­native

Mobiles Internet sei, so der BREKO, trotz der Verbrei­tung von 5G kein Ersatz für einen Fest­netz-Inter­net­anschluss: Auch 2020 wurden knapp 99 Prozent aller Daten pro Anschluss über das Fest­netz über­tragen.

Der BREKO sieht eine Verfünf- bis Versechs­fachung der Band­brei­ten­nach­frage in den nächsten fünf Jahren. Bei Privat­kunden könnte der Wert auf 845 MBit/s (Down­load) und 302 MBit/s (Upload) steigen, Geschäfts­kunden fragen 2026 dann wohl nach 1,5 GBit/s (Down­load) und 922 MBit/s (Upload).

Der Treiber für Privat­kunden sind IPTV (Internet-Fern­sehen) und Strea­ming-Dienste, für Geschäfts­kunden ist die perma­nente schnelle Verbin­dung zu Cloud-Archi­tek­turen gefragt. Schon 2020 buchten bereits mehr als ein Drittel aller Kunden Inter­net­anschlüsse mit einer Daten­rate über 100 MBit/s. Mehr als eine Million Kunden entschieden sich bereits für Anschlüsse mit Daten­raten von 1 Gbit/s oder mehr.

Schneller Anstieg der Glas­faser­quote

Der BREKO ist sich sicher, dass Mobilfunk das Festnetz trotz 5G nicht ersetzen kann Der BREKO ist sich sicher, dass Mobilfunk das Festnetz trotz 5G nicht ersetzen kann
Grafik: BREKO
Der Anteil der Glas­faser­anschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamt­zahl aller Haus­halte und Unter­nehmen („Glas­faser­quote“) sei bis Ende 2020 auf 17,7 Prozent gestiegen. Das entspreche einem Zuwachs von 1,9 Millionen auf insge­samt 8,3 Millionen Glas­faser­anschlüsse deutsch­land­weit. Damit habe sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdop­pelt. Natür­lich darf der Hinweis nicht fehlen, dass den größten Teil dieser Anschlüsse mit 6,2 Millionen die alter­nativen Netz­betreiber, also die Wett­bewerber der Deut­schen Telekom reali­sieren würden.

Und es könnte in den nächsten Jahren weiter ansteigen: Für 2021 sehen die Glas­kugeln knapp 11,5 Millionen Glas­faser­anschlüsse – 7,9 Millionen von alter­nativen Netz­betrei­bern, bis zum Jahr 2024 sollen es 26 Millionen Anschlüsse werden. Davon würden 16 Millionen die Wett­bewerber reali­siert und 10 Millionen Anschlüsse die Deut­sche Telekom bauen.

Take-up-Rate: Wer bucht die Glas­faser wirk­lich?

Die Zahl der wirk­lich gebuchten Glas­faser­anschlüsse ("Take-up-Rate") im Verhältnis zu den tech­nisch verfüg­baren Anschlüssen erhöhte sich trotz des deut­lichen Zuwachses an neuen Glas­faser­anschlüssen bei den im BREKO orga­nisierten Netz­betrei­bern auf 43 Prozent. Zudem stieg die Kunden­nach­frage bei Glas­faser­anschlüssen stärker als bei allen anderen Inter­net­zugangs­tech­nolo­gien wie Kabel oder DSL.

Bei Glas­faser lag das Wachstum bei den gebuchten Kunden­anschlüssen bei 36 Prozent.

BREKO: Für starkes Digi­tal­minis­terium

Die Kunden buchen bei Glasfaser immer schnellere Anschlüsse Die Kunden buchen bei Glasfaser immer schnellere Anschlüsse
Grafik: BREKO
Das freut BREKO-Präsi­dent Norbert Westfal. Er sieht die Unter­nehmen in der Verant­wor­tung, die Geschwin­dig­keit weiter zu erhöhen. "Wir haben den Ausbau noch­mals deut­lich beschleu­nigt und werden den Fuß auch auf dem Gaspedal behalten. Deutsch­lands Wachs­tums­rate bei Glas­faser ist auch im euro­päi­schen Vergleich weit über­durch­schnitt­lich - mitt­ler­weile auf Platz drei." Als Problem sieht Westfal: "schlep­pende Geneh­migungs­ver­fahren sind ein Nadelöhr für den Glas­faser­ausbau, ihre Beschleu­nigung und Digi­tali­sie­rung muss vor Ort konse­quent umge­setzt werden." Er plädiert für ein Digi­tal­minis­terium, wo diese Themen gebün­delt werden. "Dort wo Glas­faser­anschlüsse verfügbar sind, werden diese auch immer stärker gebucht."

In die digi­tale Infra­struktur wurden im Jahr 2020 insge­samt 10,5 Milli­arden Euro inves­tiert, davon hätten 5,9 Milli­arden oder 56 Prozent die alter­nativen Anbieter ausge­geben. Für die nächsten fünf Jahre stehen mindes­tens 43 Milli­arden Euro für den eigen­wirt­schaft­lichen Ausbau der Glas­faser­netze in Deutsch­land zur Verfü­gung, schätzt der BREKO.

Geschäfts­führer Dr. Stephan Albers ergänzt: “Der Glas­faser­markt hat sich so weit entwi­ckelt, dass er inzwi­schen auf eigenen Füßen steht und immer mehr Bürgern und Unter­nehmen in Deutsch­land ein echter Glas­faser­anschluss eigen­wirt­schaft­lich (ohne Förder­mittel) ange­boten werden kann.

Prio­risie­rung der grauen Flecken

Die nächste Bundes­regie­rung soll beim "Graue-Flecken-Förder­pro­gramms" eine Prio­risie­rung einführen und die Gelder für die Gebiete einsetzen, die wirt­schaft­lich sonst nicht ausbaubar sind.

Der BREKO hatte im Mai 2021 deutsch­land­weit 201 Netz­betreiber befragt. Seine komplette Analyse steht im Netz zum Down­load bereit.

Beim Strea­ming mit rlaxx TV kann es zu Problemen auf dem Fire TV Cube kommen.

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