Symmetrisch

BBV: Symmetrisches Internet via Glasfaser

Viele Internetanbieter liefern asymmetrisches Internet: BBV bietet sogar Glasfaser, symmetrisch ohne Aufpreis. Doch nicht alle Bürger ziehen mit. Es bleibt schwierig.
AAA
Teilen (10)

Je nachdem, wann Sie ins Internet eingestiegen sind, hatten Sie Geschwindigkeiten mit unvorstellbar geringen 1200 Bit/s down und 75 Bit/s (bei BTX) oder 64 000 Bit/s bzw. 128 000 Bit/s (down) bei ISDN. Die Geschichte von DSL (über Kupfer) begann typischerweise mit 768 000 Bit/s (also 768 kBit/s) mancherorts nur 384 kBit/s - und wer heute "weniger" als 50 MBit/s bekommt, wird von den Freaks schon milde belächelt.

Die heutige Lösung lautet Glasfaser, doch Glasfaser bis ins Haus oder in die Wohnung ist in Deutschland noch eine große Ausnahme und nicht die Regel, aber täglich kommen neue Anschlüsse aller Anbieter dazu.

Neben der Deutschen Telekom sind insbesondere kleinere private oft unbekannte Unternehmen aktiv, die auf Glasfaser setzen. Doch viele dieser Anschlüsse sind nach wie vor "asymmetrisch". Dabei wurde von der Überlegung ausgegangen, dass der Nutzer viel mehr "konsumiert", also mehr aus dem Netz herunterlädt, als er selbst hinauflädt. Von BTX bis heute war das lange wirklich so. Wer aber viel in der Cloud unterwegs ist oder mehrere Rechner über das Netz synchronisieren will (Privat, Büro, Wochenendhaus), weiß eine symmetrische Verbindung (hier sind Upload und Download gleich) zu schätzen.

BBV symmetrisch ohne Aufpreis

Die BBV Deutschland baut überwiegend in Süddeutschland und Thüringen schnelles Internet per Glasfaser, bis ins Haus.Die BBV Deutschland baut überwiegend in Süddeutschland und Thüringen schnelles Internet per Glasfaser, bis ins Haus. Ein noch relativ unbekannter Anbieter ist die BBV. BBV steht für "BreitBandVersorgung". Das in Dreieich (bei Frankfurt/Main) ansässige Unternehmen bietet ab sofort generell symmetrische Dienste bis zu 1 GBit/s und ohne Aufpreis für alle Glasfaser-Produkte und Kunden an und erklärt das "zum neuen Standard", nach eigenen Angaben als "bundesweit erster Netzbetreiber".

Symmetrische Anschlüsse gibt es schon länger. Die Deutsche Telekom garantiert schon seit vielen Jahren bundesweit flächendeckendes (symmetrisches) SDSL mit etwa 2-5 MBit/s in beiden Richtungen. Das wurde bislang durch die Bündelung vorhandener Kupferdoppeladern erreicht und war mit Preisen von angeblich 200-500 Euro pro Monat jedoch ziemlich teuer. Selbst Firmen atmeten bei diesen Preisen tief durch, für Privatleute blieb das absolut unerschwinglich und war außerdem kaum bekannt.

Auch die meisten Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (FTTB) oder die Wohnung (FTTH), wo sie es denn schon gibt, arbeiten meist noch asymmetrisch. Was bisher weitgehend nur Unternehmen oder professionellen Nutzern bei bestimmten Netzbetreibern vorbehalten war, bietet BBV Deutschland ab sofort ohne Aufpreis für alle Kunden an: Symmetrisches Internet mit bis zu 1 GBit/s. BBV entspricht damit den zunehmenden Forderungen von Privat- und Geschäftskunden, die im Internet mit gleichen Geschwindigkeiten surfen und Daten versenden wollen.

Symmetrische 100 MBit/s für 40 Euro

Interesierte Kunden können jetzt zum Beispiel den symmetrischen Internet-Basisdienst "Optimax" mit garantierten Geschwindigkeiten von 100 MBit/s in beiden Richtungen für 40 Euro monatlich nutzen. Das ist für Privathaushalte heute mehr als ausreichend. Falls nicht, kann man jederzeit ein Upgrade ordern.

Alternativ sind die Standarddienste Optimax Family (200/200) zu 65 Euro pro Monat, Optimax Family+ (300/300) für 90 Euro und das neue Gigabitprodukt Optimax Giga (1000/1000) zu 200 Euro jeden Monat buchbar.

Wer beim Vertragsabschluss daran denkt, kann eine FRITZ!Box zum Sonderpreis kaufen. Das Modell 7490 kostet dann einmalig 139 Euro, die 7360 kostet 99 Euro. Soll die Box von BBV vorab konfiguriert werden, sind einmalig 25 Euro zu zahlen, der Postversand schlägt mit 10 Euro zu Buche.

Telefonie geht extra

Bei den auf der Homepage etwas versteckten Preisen ist zu beachten, dass in diesen Preisen noch keine Sprach-Telefonie enthalten ist. Wenn der Kunde nicht schon über einen (fremden) SIP-Provider verfügt oder nur übers Handy sprechen möchte, kann der "Telefon-Basis-Dienst" für weitere 5 Euro im Monat dazu gebucht werden. Darin sind zwei Telefonleitungen (Sprachkanäle) enthalten, die gleichzeitig nutzbar sind. Vorhandene Rufnummern können von dem vorher genutzten Anbieter mitgenommen werden. Zusätzliche Rufnummern (ab der dritten Nummer) kosten einmalig 15 Euro und 50 Cent pro Monat Aufpreis.

Anrufe in deutsche Mobilfunknetze werden von BBV minutengenau abgerechnet und kosten 9,8 Cent pro Minute. Alternativ kann die Option „Flatrate in deutsche Mobilfunknetze“ für monatlich 30 Euro gebucht werden, was sich ab regelmäßig 300 Minuten Mobilfunk im Monat rechnen würde.

Anrufe ins Ausland werden minutengenau abgerechnet. Für monatlich 3 Euro Aufpreis reduziert sich der Minutenpreis für Anrufe ins Festnetz von Ländern der EU, USA und der Türkei auf 1,9 Cent pro Minute, eine Flatrate für diese Ziele gibt es nicht.

Call by Call oder Preselection ist für Kunden der BBV nicht möglich, als Alternative stünde noch Callthrough zur Verfügung, sofern sich dieser Aufwand überhaupt lohnt (Übersicht: Alternativen zu Call by Call).

Einmalige Anschlusskosten

Der Anschlusspreis für den Breitband-Hausanschluss beträgt regulär 700 Euro, vor Abschluss der Bauarbeiten 400 Euro, und wer bei der Vorvermarktung bestellt, zahlt gar nichts. Bei einem Glasfaseranschluss sind jeweils 200 Euro, in der Vorvermarktung sind 0 Euro zu bezahlen. Die Erst-Aktivierung des bestellten Anschlusses kostet in allen Fällen einmal 100 Euro.

Wem diese Kosten zu hoch erscheinen, der könnte auch seinen Haus- oder Glasfaseranschluss "mieten", was mit regulär 30 und vor Abschluss der Arbeiten mit 15 Euro im Monat zu veranschlagen ist. In einigen Fällen könnten diese Werte auch abweichen, darauf macht BBV vor Vertragsabschluss aufmerksam.

Glasfaser hat Vorteile

„Politiker und die meisten Netzbetreiber diskutieren und sprechen nur viel über die Glasfaser und deren Vorteile. Wir wollen tatsächlich etwas tun und unseren Kunden zeigen, was mit der Zukunftstechnologie Glasfaser heute schon möglich ist. Daher geben wir ihnen die nötigen Ressourcen für die aktuellen und die noch kommenden bandbreitenintensiven Anwendungen an die Hand. Und dies ohne Geschwindigkeiten beim Upload von Daten zu drosseln oder einen Aufpreis dafür zu verlangen“, nennt BBV-Geschäftsführer Manfred Maschek einige der Gründe dafür, warum sein Unternehmen symmetrische Dienste zum Standard macht.

Nicht nur Gamer oder Heimarbeiter profitieren von den eindeutigen Vorteilen symmetrischer Anschlüsse. So werden der bisher schwierige Versand von E-Mails mit großem Datenvolumen, das Hochladen von Bildern und Videos in die Cloud oder ruckelfreie Videokonferenzen via Skype sowie verschiedene Smart-Home-Anwendungen nach Angaben vom BBV zum "Kinderspiel".

Gibt es einen Haken?

Das technisch interessante Angebot hat nur einen klitzekleinen Haken. BBV Deutschland baut nicht überall. Gemeinsam mit seinen "Partnern aus der Finanzwirtschaft plant, baut und betreibt" die BBV über regional tätige Tochterunternehmen Netze in bisher mit Breitband unterversorgten Gebieten im Großraum Rhein-Neckar (rund um Mannheim-Heidelberg). Südhessen (in der Nähe von Darmstadt) und Thüringen sowie weiteren Regionen. Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen Betreibern, die beim Ausbau ausschließlich auf die Glasfaser setzen. Zur BBV-Philosophie gehören Open Access (die verlegte Glasfaser kann auch von anderen Telekommunikationsanbietern gegen Entgelt genutzt werden), sowie die "partnerschaftliche Zusammenarbeit" mit anderen Netzbetreibern und Zweckverbänden.

Wo die BBV schon baut oder bauen will und wo sie nicht baut, lesen Sie auf der nächsten Seite

1 2 letzte Seite
Teilen (10)

Mehr zum Thema Glasfaser