Lichtschnelle Schwaben

Stuttgart & Telekom bauen gemeinsam Glasfaser und 5G

Deutsche Telekom und Region Stuttgart werden zusammen 1,6 Milliarden Euro in Glasfaser und erstes 5G-Netz investieren.
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Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) will die Deutsche Telekom im Großraum Stuttgart ein Highspeed-Modellprojekt starten. Zur WRS gehören neben den fünf Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr auch die Stadt Stuttgart. Insgesamt sind 179 Städte und Gemeinden mit etwa 2,7 Millionen Menschen und rund 140 000 Unternehmensstandorten betroffen.

Das gewaltige Vorhaben ist Teil einer neuen Strategie der Deutschen Telekom , den Ausbau des Glasfasernetzes gemeinsam mit der öffentlichen Hand voranzutreiben. Die Region Stuttgart werde mit der Investition zum bundesweit einzigartigen Modellprojekt, heißt es bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS).

1,6 Milliarden in 12 Jahren

In der Region Stuttgart wollen Deutsche Telekom und WRS gemeinsam 1,6 Milliarden in den nächsten 12 Jahren für ein Glasfaser- und 5G-Netz investieren.In der Region Stuttgart wollen Deutsche Telekom und WRS gemeinsam 1,6 Milliarden in den nächsten 12 Jahren für ein Glasfaser- und 5G-Netz investieren. Deutsche Telekom und die Region Stuttgart wollen das Glasfasernetz der Region massiv ausbauen. Die Telekom wird dafür in den kommenden zwölf Jahren aus eigenen Mitteln bis zu 1,1 Milliarden Euro investieren, die Städte und Kommunen der Region wollen sich in "wettbewerbsoffenen Verfahren" mit bis zu 500 Millionen Euro an Sachleistungen und Fördergeldern daran beteiligen. Heute haben die Projektpartner in Stuttgart eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Die regionalen Partner können ihren Projektanteil an der Gesamtinvestition auch durch eine Reihe von Sachleistungen erbringen. So können die Kommunen vorhandene Infrastruktur verkaufen und vermieten. Das können bereits verlegte Glasfaserkabel oder Leerrohre sein. Darüber hinaus können Fördermittel von Land oder Bund oder Zuschüsse von Kommunen zum Einsatz kommen.

Durch den Ausbau sollen bis zum Jahre 2025 gut die Hälfte aller Privathaushalte der Region sowie sämtliche Gewerbegebiete einen Anschluss ans schnelle Internet bekommen. Als eine der ersten Regionen in Deutschland soll dann der Großraum Stuttgart über Systeme für den neuen Mobilfunk-Standard 5G verfügen.

Straffer Zeitplan:

Bereits Ende 2018 sollen 88 Prozent aller Haushalte und Unternehmensstandorte mit Bandbreiten von 50 - 100 MBit/s über FTTC (Vectoring) erschlossen sein. Wieder zwei Jahre später, im Jahr 2020, soll die Versorgung auf 94 Prozent aller Haushalte und Unternehmensstandorte mit Bandbreiten von 100 - 250 MBit/s ansteigen (Super-Vectoring).

Im Jahre 2022 soll Anschlussquote bei 90 Prozent der Unternehmensstandorte in Gewerbegebieten mit bis zu 1 Gigabit/s liegen, was durch Fiber to the Home (FTTH) oder Fiber to the Building (FTTB), also Glasfaser bis zum Gebäude oder bis ins Haus erreicht werden soll. Konkret werden dabei 14.000 versorgte (oder versorgbare) Unternehmensstandorte genannt.

Bis 2025 sollen mehr als 60 Prozent aller Unternehmens- und Gewerbestandorte mit FTTH/B erreicht werden, was 85.000 Unternehmensstandorten entspricht.

Bis zu Jahre 2030 sollen alle Industrie-, Dienstleistungsunternehmen und Gewerbebetriebe mit FTTH/B angeschlossen sein, was dann alle gelisteten 140.000 Unternehmensstandorte sind.

Glasfaser für Privathaushalte und Schulen

Beim Aufbau des Stutgarter Netzes sollen bis zum Jahr 2025 50 Prozent der Haushalte mit Glasfaser direkt (FTTH/FTTB) erreichbar sein, diese Quote soll bis 2030 auf 90 Prozent steigen.

Aktuell werden bereits rund 45 Prozent der Schulen mit Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s versorgt, bis 2025 sollen alle "förderfähigen Schulen" mit Glasfaser versorgt sein.

Mobilfunk: Mehr 4G und erstmals 5G

Beim Mobilfunk wird die Abdeckung mit 4G (LTE) Mobilfunk bis zum Jahre 2025 in der Region auf bis zu 98 Prozent (der Bevölkerung) gesteigert, gleichzeitig werde ein "leistungsstarkes 5G-Netz" für die Region aufgebaut. Das ist bitter notwendig, denn die aktuelle mobile Netzversorgung der Telekom im Ballungsraum Stuttgart gilt unter Fachleuten seit Jahren als "stellenweise stark verbesserungsfähig".

Innovative Projekte

Die Telekom und die Region Stuttgart wollen innovative Projekte zu verschiedenen Digitalisierungsthemen auf den Weg bringen: Maßgeschneiderte "Smart City"-Anwendungen, wie z.B. Internet-der-Dinge-Anwendungen (IoT), intelligente Verkehrsmanagementsysteme oder energieeffiziente und schadstoffreduzierende Datenkonzepte zur Verbesserung der Luftqualität, die in Stuttgart bekanntlich ein Dauerbrenner ist.

Klare Erwartungen

Der Erfolg des Digitalisierungsprojektes basiert auf einer engen Zusammenarbeit der Partner, die an einer zügigen Umsetzung des Ausbaus interessiert sind. Daher setzt die Telekom auf Unterstützung auf lokaler und regionaler Ebene, beispielsweise bei den Genehmigungen oder der Nutzung von Infrastruktur. Wörtlich: "Beide Parteien bauen auf investitionsfreundliche regulatorische Rahmenbedingungen. Diese müssen für einen Glasfaser-Netzausbau stimmen, um das Digitalisierungsprojekt zu einem Erfolg zu machen."

Im Klartext: Die Telekom erwartet, dass die öffentliche Hand alle bürokratischen Hürden und Verzögerungen zügig aus dem Weg räumt und Türen öffnet, um gemeinsam mit den Ansprechpartnern vor Ort möglichst schnell zu einem erfolgreichen Ausbau zu kommen.

Die Deutsche Telekom sagt dafür einen "umfassenden wirtschaftlichen Eigenausbau mit Schwerpunkt auf Lückenschluss und effizienten Eigenausbau in der Region Stuttgart" zu und wird an Ausschreibungen im Rahmen von geförderten Ausbaugebieten in der Region teilnehmen.

Dabei wird die Telekom auch "in Kooperationen eintreten", um beispielsweise bereits verlegte Glasfasern oder Leerrohre anzumieten und setzt beim Netzausbau ihr KnowHow rund um "Mobilität 4.0 und 5G" ein.

Die Rolle der Region Stuttgart

Bei Abschluss der Kooperationsrahmenvereinbarung zur Realisierung des Ausbaukonzeptes sieht die Region von der weiteren Errichtung und dem Ausbau eines eigenen Backbone-Netzes ab.

Dafür soll die Region Stuttgart die Abstimmung mit den Kommunen sichern, um zügig Baugenehmigungen oder verkehrsrechtliche Anordnungen zu erhalten. Sie soll die Abstimmungen zwischen den Eigentümern und Betreibern zur Mitnutzung bereits existierender kommunaler passiver Infrastrukturen und Mitverlegung und die die lokale (Vor-)Vermarktung durch Kommunen beim FTTH/B-Ausbau unterstützen und insgesamt alle bürokratischen Hindernisse beseitigen, die einen zügigen Ausbau behindern könnten.

Alternative Baumethoden müssen möglich sein

Die Telekom erwartet, dass neben den klassischen Tiefbaumaßnahmen auch der Einsatz von "innovativen Methoden" über Bauverfahren wie Trenching oder anderen Verfahren in Mindertiefe, Spülbohrungen und so weiter möglich werden. Gerade das wird den Bauämtern Kopfzerbrechen bereiten, da bei späteren Straßenreparaturen zu "hoch" verlegte Kabel für Probleme führen könnten. Andererseits ist die "richtige" Tieferlegung von Kabeln bei 80cm bis 120cm einer der gewaltigsten Kostenfaktoren.

Die endgültige Vertragsunterzeichnung ist für Ende des Jahres 2018 geplant.

Eine Einschätzung

Die Deutsche Telekom hat "verstanden", dass bundesweite Glasfaser bis zu den Häusern gefragt ist. Dafür setzt sie einiges in Bewegung und ist auch bereit, bereits vorhandene Infrastruktur anderer Unternehmen anzumieten und zu verwenden, wenn ihr - und das ist der Kern-Deal - dafür umgekehrt alle bürokratischen Hürden zum Ausbau schnellstens aus dem Weg geräumt werden und die Kommunen darauf verzichten, weitere "eigene" Netze aufzubauen. Zugespitzt formuliert läuft das auf einen möglichst "exklusiven" Ausbau für und durch die Telekom hinaus. Dafür verspricht sie im Gegenzug Stück für Stück bis etwa 2030 ein ziemlich "flächendeckendes" Glasfasernetz bis hin zu jedem Haus oder sogar hinein.

Die privaten Mitbewerber der Telekom werden es in Zukunft nicht einfach haben und können am ehesten mit individuellen Service-Angeboten oder mit Kooperationen mit der Telekom überleben. Wenn es gelingt, den deutschen Genehmigungsbürokratismus abzubauen, wird es wirtschaftlich der Region Stuttgart in jedem Falle gut tun. Und wenn das Modell-Stuttgart Erfolg hat, werden weitere Regionen auf die gleiche Art folgen.

Falls jetzt aber eine erneute Riesen-Debatte vom Zaun gebrochen wird, ob die Telekom das dürfen soll, würde sich der dringend notwendige und erwünschte Ausbau in der Fläche unnötig weiter verzögern, was auch nicht Sinn der Sache sein kann.

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