Breitband-Ausbau

99 Prozent Glasfaser-Abdeckung: So hat Stockholm es geschafft

Eine Stadt, die zu 99 Prozent mit Glasfaser versorgt ist - davon träumt Deutschland noch. Ein Manager erläutert, wie die schwedische Hauptstadt Stockholm das geschafft hat - und kaum ein Bürger bezahlt mehr als 25 Euro für Highspeed.
Von der Breko-Glasfasermesse in Frankfurt berichtet
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Staffan Ingvarsson auf der Beko-GlasfasermesseStaffan Ingvarsson auf der Beko-Glasfasermesse Eine ganze Hauptstadt zu 100 Prozent mit schnellem Internet über Glasfaser versorgen, bei der die Glasfaser bis ins Haus des Kunden reicht - in Deutschland ist das noch ein frommer Wunschtraum. In Schweden wird er allerdings bald Wirklichkeit werden - dort beträgt die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bereits jetzt 99 Prozent. Doch wie hat die schwedische Hauptstadt das geschafft - und ist ein derartiges Modell auch in Deutschland denkbar?

Auf der momentan in Frankfurt stattfindenden Breko-Glasfasermesse hat Staffan Ingvarsson von der Firma STOKAB erläutert, unter welchen Rahmenbedingungen sich ein solches Projekt stemmen lässt. Und zwar so, dass die Kunden nicht mehr als 20-25 Euro monatlich für den Breitbandzugang bezahlen und das Unternehmen trotzdem Gewinne macht.

So funktioniert das Geschäftsmodell

Staffan Ingvarsson erläuterte zunächst, was die Firma STOKAB überhaupt ist: Es handelt sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz der Stadt ist. Den flächendeckenden Glasfaserausbau verglich der CEO mit dem restlichen Infrastrukturausbau. Die Stadt baue Straßen- und Schienenwege, sie würde aber niemals die Autos betreiben oder fahren, die auf der Straße fahren.

Und genau so wurde seit 1994 auch der Breitbandausbau realisiert: Stockholm habe praktisch auf eigene Kosten und ohne öffentliche Förderung ein Glasfaser-Netz aufgebaut, das direkt bis ins Gebäude der Kunden reicht. Hierbei habe man stadtweit mittlerweile eine Flächenabdeckung von 99 Prozent erreicht.

Dann wird die völlig unbeschaltete Glasfaser (Dark Fiber) an Provider und Diensteanbieter vermietet, und zwar für alle zu denselben Konditionen. Es herrscht also ein Wettbewerb von mittlerweile mehreren hundert Anbietern - diese mieten die Glasfaser aber alle zu nachvollziehbaren Konditionen an. Um es wieder mit der Straßenverkehr zu vergleichen: Die Stadt alias STOKAB baut lediglich die Straße, die Provider fahren mit Autos, Bussen, Taxis usw. darauf. Laut Ingvarsson kommt momentan durchschnittlich alle zwei Wochen mindestens ein neuer Anbieter dazu, der das Netz anmieten will.

Kupferleitung teils als unrentabel abgeschaltet

Bildung spielt in den skandinavischen Ländern eine große Rolle und darum hat STOKAB mittlerweile nicht nur alle weiterführenden Schulen, sondern auch alle Grundschulen mit Glasfaser angebunden. Das würde den Lehrern ganz neue Unterrichtsmöglichkeiten bieten, ohne dass sie sich dauernd über die verfügbare Bandbreite Gedanken machen müssen.

In Deutschland sind für Endkunden die monatlichen Preise für einen direkten Glasfaseranschluss oft noch recht hoch, und nicht selten muss der Haus- oder Grundstücksbesitzer für den Erstanschluss einmalig einen vierstelligen Betrag auf den Tisch legen.

In Stockholm ist allerdings der Wettbewerb recht hoch: Zusätzlich zu den Glasfaseranbietern gibt es natürlich nach wie vor den TK-Platzhirsch Telia, Anbieter von TV-Kabelnetzen sowie vier LTE-Netzbetreiber. Ein Glasfaser-Anschluss mit symmetrisch 1 GBit/s im Up- und Downstream kostet für Endkunden zwischen 20 und 25 Euro, ein 100-MBit/s-Anschluss ist für 15 Euro monatlich zu bekommen. 99 Prozent Abdeckung heißt allerdings nicht, dass alle Bürger, Behörden und Unternehmen auch wirklich Glasfaser nutzen - momentan sei es rund die Hälfte der Haushalte.

Das Ziel von STOKAB besteht darin, nicht nur die Hauptstadt Stockholm, sondern nach und nach auch die ländlichen Regionen Schwedens mit Glasfaser zu versorgen. Denn alle Regionen sollen auch in Bezug auf die Breitbandanbindung konkurrenzfähig bleiben. In einigen Regionen habe die gute Versorgung mit Glasfaser bereits dazu geführt, dass das alte Kupferkabel in wirtschaftlicher Hinsicht mittlerweile unrentabel ist und darum abgeschaltet wird.

Auf der Breko-Glasfasermesse wurde überdies eine neue Open-Access-Plattorm vorgestellt und Staatssekretärin Dorothee Bär gab Einblicke in die Glasfaser-Förderung des Bundes.

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