Streit

Telekom sträubt sich gegen EU-Pläne zum Glasfaserausbau

Dank sinnvoller Regulierung geht der Glasfaserausbau in Portugal und Spanien schneller als in Deutschland. Die EU will das europaweit einführen - doch die Telekom sträubt sich offenbar dagegen.
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EU-Pläne zum Glasfaserausbau schmecken der Telekom nichtEU-Pläne zum Glasfaserausbau schmecken der Telekom nicht Deutschland redet von 50 MBit/s bis 2018, doch die EU und viele ihrer Mitgliedsstaaten sind schon längst einen Schritt weiter. Einem Bericht zufolge will EU-Kommissar Günther Oettinger diese Woche am Mittwoch in Straßburg Pläne vorstellen, nach denen bis 2025 jeder Haushalt in Europa einen Breitband-Anschluss mit mindestens 100 MBit/s erhalten soll, der auf Wunsch auf 1 GBit/s hochgestuft werden kann. Das berichtet die FAZ, der die Pläne bereits vorliegen.

Allerdings gibt es in Deutschland ein Unternehmen, dem diese Pläne gar nicht schmecken: die Deutsche Telekom. Offenbar hat das Unternehmen gegenüber den Plänen zu einem flächendeckenden Glasfaserausbau bereits Vorbehalte geäußert. Auch die Regulierung durch die EU und die Bundesnetzagentur steht anscheinend im Fadenkreuz der Kritik.

Ko-Investitionsmodelle: Telekom ist nicht begeistert

Während in Deutschland noch mit VDSL-Vectoring und 50 MBit/s per Kupferleitung herumlaboriert wird, berichtet die Zeitung von erfolgversprechenden Glasfaser-Ausbaustrategien in Spanien und Portugal. Die dortigen Finanzierungsmodelle sollen nun EU-weit eingeführt werden. An Breitbandausbau-Projekten sollen sich alle interessierten Telekom-Konzerne beteiligen können, nicht nur ehemalige Staats-Monopolisten. Alle Investoren teilen sich bei einem derartigen Ko-Investitionsmodell die Kosten für den Ausbau, anschließend gewähren sie sich gegenseitig Zugang zu den Glasfaser-Netzen. Wer später Zugang zum Glasfaser-Netz erhalten möchte, muss mehr für den Zugang bezahlen. Die Betreiber sollen nach dem Bau der Glasfasernetze dann ohne regulatorische Auflagen über die Preise für den Zugang verhandeln können. So beschreibt die Zeitung das in dem EU-Plan verfolgte Finanzierungsmodell, das sich offenbar in Spanien und Portugal bereits bewährt haben soll.

In Deutschland existiert bei Breitband-Ausbauprojekten momentan teilweise die Unsitte, dass Kommunen zunächst Pläne für einen eigenen Ausbau des Breitbandnetzes verfolgen. In diesem Moment legt die Telekom, die bislang scheinbar kein Interesse am Ausbau in dieser Region hatte, einen eigenen Ausbauplan vor. Hier steht regelmäßig der Vorwurf im Raum, dass die Telekom nur deswegen in der betreffenden Region ausbaut, um regionale Initiativen und Wettbewerber zu behindern. Nach den Plänen von EU-Kommissar Oettinger soll es für ein derartiges Verhalten in Zukunft Strafen geben, die von den Regulierungsbehörden ausgesprochen werden. Darüber hinaus sollen die nationalen Regulierungsbehörden alle drei Jahre prüfen, wie der Stand beim Netzausbau ist, welche Ausbauprojekte angekündigt sind und ob sie auch tatsächlich umgesetzt wurden bzw. werden.

Die Telekom übt seit Jahren Kritik daran, dass sie den Konkurrenten nach dem Ausbau einen günstigen Zugang zu ihrem Netz gewähren muss. Unter den momentanen Regulierungsbedingungen sei daher ein Glasfaserausbau nicht rentabel. Auch die neuen Pläne der EU stoßen bei der Telekom offenbar auf Unverständnis. Die meisten Investoren seien sich jetzt schon einig, dass die Pläne Oettingers keinen Investitionsschub für Europa bringen würden, sagte ein Telekom-Sprecher der FAZ. Wenn die großen ehemaligen Staatskonzerne in den EU-Mitgliedsstaaten mehr investieren sollten, dann müsste es nach Auffassung der Telekom "eine deutliche Deregulierung und ein Vertrauen in Marktkräfte geben", schreibt das Blatt.

Frequenzvergabe für 5G soll europaweit vereinheitlicht werden

In einem Punkt ist die Telekom mit den EU-Plänen aber offenbar einverstanden: Die Vergabe von Mobilfunkfrequenzen soll innerhalb der EU besser koordiniert werden. Bei den bisherigen Techniken GSM, UMTS und LTE ging der Ausbau zum Teil nur sehr schleppend voran. Oettinger will die EU-Staaten wohl dazu verpflichten, neue Frequenzen in einem klarer als bisher definierten Zeitraum zu vergeben. Die Netzbetreiber sollen den Ausbau des LTE-Nachfolgers 5G in der EU dann am besten gleichzeitig durchführen. Dienste wie 5G-Roaming könnten dann deutlich früher bereitstehen als seinerzeit UMTS-Roaming oder LTE-Roaming.

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