Aktionsplan

Telekom-Mitbewerber wollen Glasfaser für alle binnen acht Jahren

Der Branchenverband Breko fordert einmal mehr ein Glasfaser-Infrastrukturziel. Bis 2025 soll jeder Glasfaserleitungen bekommen können. Doch ist das überhaupt zu machen? Wir haben nachgerechnet.
Von Thorsten Neuhetzki
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Ganz neu ist die Forderung des Breko nicht: Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) will Glasfaser in die Fläche bringen. Bis 2025 soll jeder in Deutschland die Möglichkeit haben, einen Glasfaser-Anschluss zu buchen. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hat der Breko jetzt einen Aktionsplan Glasfaser vorgelegt. Mit den darin adressierten, zentralen Maßnahmen appelliert der Verband an die Politik, den Fokus künftig ausschließlich auf den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser-Anschlüssen bis in alle Gebäude Deutschlands zu legen. Ein "nachhaltiges und langfristig angelegtes Glasfaser-Infrastrukturziel deutlich über die kommende Legislaturperiode hinaus" soll formuliert werden.

"Deutschland braucht bis 2025 flächendeckend Glasfaseranschlüsse mit mindestens 1 GBit/s", so die zentrale Forderung. "Reine Glasfaseranschlüsse bis direkt zu allen Bürgern und Unternehmen sind schon bald so wichtig wie ein Wasser- oder Stromanschluss", sagt Breko-Präsident Norbert Westfal, gleichzeitig Geschäftsführer der EWE Tel.

Breko-Unternehmen bauen gleichermaßen VDSL Vectoring und Glasfaserleitungen

Glasfaser für Jeden bis 2025?Glasfaser für Jeden bis 2025? Nach eigenem Bekunden setzen die Netzbetreiber des Breko "klar auf reine Glasfaserinfrastruktur ohne zwischengeschaltete Kupferleitungen." Die tatsächlichen Fakten sprechen jedoch zumindest derzeit eine andere Sprache. Auch die Breko-Netzbetreiber bauen derzeit vor allem VDSL-Vectoring-Anschlüsse, bei denen die letzten Meter zum Kunden über die Kupferleitung der Telekom übertragen wird. Die Anbieter versuchen damit, der Telekom Paroli zu bieten, die fast ausschließlich VDSL Vectoring baut.

Gleichzeitig zeichnen die Breko-Anbieter aber nach eigenen Angaben auch 60 Prozent des wettbewerblichen Ausbaus mit reinen Glasfaseranschlüssen verantwortlich. Diese Zahl erscheint realistisch, bedenkt man, dass Anbieter wie M-net und NetCologne nicht im Breko, sondern im Konkurrenz-Verband Buglas organisiert sind.

Die wichtigsten Punkte des Aktionsplans

Der Breko hat in seinem Aktionsplan verschiedene Punkte formuliert, die wir hier verkürzt wiedergeben:

  • Die alternativen Netzbetreiber in Deutschland brauchen ein stabiles und langfristig angelegtes, wettbewerbsförderndes Regulierungskonzept, das sich ebenfalls klar auf den Glasfaserausbau bis in alle Gebäude ausrichtet.
  • Kooperationen und ein funktionierendes Open-Access-System, das auch die Telekom einschließt, sind notwendig.
  • Fördermittel dürfen künftig nur noch für Ausbauprojekte vergeben werden, die Anschlüsse mit einer Mindestgeschwindigkeit von 1 GBit/s als Basisanforderung zur Verfügung stellen. Mittel sollen durch den Verkauf der Telekom-Anteile des Bundes kommen.
  • Zukunftssichere Glasfasernetze bilden auch das Fundament der nächsten Mobilfunkgeneration 5G. Ein reiner Glasfaseranschluss wird einem 5G-Anschluss in puncto Leistungsfähigkeit und Qualität immer überlegen bleiben.

Pro Tag müssen 9350 Gebäude ans Glasfasernetz angeschlossen werden

Ob sich das Glasfaserziel des Beko rein technisch überhaupt erzielen ließe, bleibt offen. Ende 2015 gab es in Deutschland nach Angaben von Statista 18,7 Millionen Wohngebäude. Bei acht Jahren Dauer müssten pro Jahr 2,337 Millionen Gebäude an die Netze angeschlossen werden. Bei 250 Werktagen im Jahr wären das knapp 9350 Gebäude pro Tag. Baulich dürfte das mehr als eine Herausforderung sein. Immerhin: Der Grundstein ist gelegt: 2,7 Millionen Haushalte (nicht Gebäude) sind nach aktuellen Stand schon mit Glasfaserleitungen versorgt.

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