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Sasbachwalden versorgt sich selbst mit Glasfaser

Gemeinde baut eigenes Glasfasernetz für Internetversorgung
Von Thorsten Neuhetzki
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Trotz aller Bekundungen der Festnetz- und Mobilfunk-Anbieter: Noch immer gibt es in Deutschland viele Orte, die keine oder nur eingeschränkte Internetversorgung haben. Mit der Gemeinde Sasbachwalden, einer Gemeinde im Schwarzwald, hat nun ein Ort selbst die Innitiative ergriffen, sich mit Internet zu versorgen. Dabei hielt man sich nicht mit Outdoor-DSLAMs und DSL auf, sondern ging gleich in die Vollen: Der gesamte Ort wurde mit Glasfaser versorgt und jeder kann nun, wenn er will mit 50 MBit/s und mehr surfen.

Bauarbeiten in Sasbachwalden. Hier wird ein Glasfaserkabel verlegt.Bauarbeiten in Sasbachwalden. Hier wird ein Glasfaserkabel verlegt. Das Vorhaben wurde als Modellprojekt im ländlichen Raum mit Förderung des Landes Baden-Württemberg verwirklicht. Das neue Glasfasernetz versorgt 1 290 Haushalte in 550 Gebäuden verteilt auf 44 Straßen. Das insgesamt rund 42 km lange Netz führt Glasfaserleitungen über konventionelle Gräben, Abwasserkanäle und Freiluftleitungen. Gebaut wurde ein FTTB-Netz, die Leitung geht also bis in den Keller der Gebäude, dann geht das Signal auf die alte Kupferleitung über. Zum Einsatz für den Ausbau kamen Kanalleitungen, Freilandleitungen des örtlichen Stromnetzes, vorhandene Leerrohre aber auch neue Rohre, etwas beim Bau einer Wasserleitung. Der mit 22 Kilometern überwiegende Teil des Netzes wurde mit klassischem Tiefbau realisiert.

42 Kilometer Netz für 2 500 Einwohner

Jedes Haus muss neu angeschlossen werdenJedes Haus muss neu angeschlossen werden Versorgt wurde der Ort bis dato mit DSL - allerdings nur unzureichend. 25 Prozent der Anschlüsse konnten gar kein DSL bekommen, alle anderen bekamen maximal 3 MBit/s über einen Netzknoten der Telekom im Nachbarort. Andere Anbieter wagten sich nicht in den Ort mit seinen knapp 2 500 Einwohnern.

Die Gemeinde als Netzbesitzer hat mit Unterstützung des Planungsbüros seim & partner den Aufbau des Netzes realisiert. Seim & partner unterstützten in allen Themen von Wirtschaftlichkeitsanalyse, Planung, Ausschreibungen bis zur Bauleitung sowie Betreiberauswahl und –unterstützung. Der Netzbetrieb wurde europaweit als Dienstleistungskonzession ausgeschrieben. Diese Vorgehensweise führt zur gewollten Trennung von Netzbesitz und Netzbetrieb. Die Kommune ist Eigentümerin des Netzes. Der Netzbetreiber ist verpflichtet im Rahmen von "Open Access" den Zugang zum Kunden auch an Dritte zu vermieten. Betrieben wird das Netz von der telsakom GmbH. Es laufen den Darstellungen zufolge auch bereits Gespräche mit anderen Unternehmen, die ihre Dienste künftig in diesem Netz anbieten könnten.

Die Preise der telsakom

Auch an Oberleitungen wurden die Glasfaserleitungen angebrachtAuch an Oberleitungen wurden die Glasfaserleitungen angebracht Die Kunden in Sasbachwalden können derzeit aus einem Startpaket von vier Produkten aus Telefonie und Internet auswählen. Künftig soll es auch TV-Angebote über die Glasfaser geben. Im kleinsten Paket saschwalle comfort bekommen die Kunden eine Downstream-Rate von 50 MBit/s, im Upstream 2 MBit/s. Die Kosten inklusive Festnetzanschluss mit Deutschland-Flatrate liegen bei monatlich 49,90 Euro. Hinzu kommen monatliche Kosten für das benötigte Modem von 4,90 Euro. Die einmaligen Kosten liegen bei 129,80 Euro. Für einen monatlichen Mehrpreis von 15 Euro im Vergleich zu saschwalle comfort gehen die Kunden mit mehr Bandbreite ins Netz: 75 MBit/s im Download und 3 MBit/s im Upload. Für Geschäftskunden sind Tarife mit zweistelligen Upstream-Raten in Planung.

Da die Region auch eine Ferienregion ist, bietet telsakom seinen Kunden übrigens auch einen Ferien-Tarif an. Hier müssen Anschlüsse nur bezahlt werden, wenn sie auch aktiv sind. Über die Wintermonate, wenn das Ferienhaus unbewohnt ist, kann der Anschluss auf Eis gelegt werden. Der Kunde zahlt dann nur für die Aktivierung und Deaktivierung für jeweils 14,90 Euro.

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