Breitbandausbau

Fiberdays: Bundesländer bremsen den Glasfaserausbau aus

Beim CEO-Panel auf den Fiber­days 22 nannten die anwe­senden Chefs der Glas­faser­netz­betreiber einige Punkte, die einen schnel­leren Breit­band­ausbau hemmen, unter anderem den drohenden Überbau durch vom Staat geför­derte Ausbau­pro­jekte. Vor allem aber die Bundes­länder kamen bei den CEOs nicht gut weg.

Zwar ist es der Bund, der den Groß­teil der Förder­mil­liarden für den Breit­band­ausbau zur Verfü­gung stellt, aber die Länder haben sich den Ärger der ausbau­enden Netz­betreiber zuge­zogen. „Die Zusam­men­arbeit zwischen Bund und Ländern ist nicht optimal“, sagte Jens Prautzsch, CEO von Unsere Grüne Glas­faser. Der Bund finan­ziert, aber die Länder sind am Drücker, war die einhel­lige Meinung auf dem Fiber­days-Panel. Laut Deut­sche-Glas­faser-CEO Thorsten Dirks lehnen sie eine adress­genaue Iden­tifi­zie­rung der Haus­halte ab, die eigen­wirt­schaft­lich nicht mit Glas­faser erschlossen werden können. „Die Poten­zial­ana­lyse soll unver­bind­lich sein“, ergänzte Dirks in Wies­baden.

Auf einer Bühne steht links ein Mann hinter einem Rednerpult. Rechts von ihm sitzen vier Männer an einem langen, rechteckigen Stehtisch, an dessen rechten Ende ein weiterer Mann steht. Auf dem CEO-Panel der Fiberdays 22 kritisierten die Chefs der Netzbetreiber die Bundesländer, die den Glasfaserausbau ausbremsen würden
Foto: BREKO
Dabei ist der Ärger der CEOs bereits jetzt groß, weil eigen­wirt­schaft­lich errich­tete Netze durch geför­derte über­baut werden. Dirks geht davon aus, dass nur etwas zehn Prozent der soge­nannten grauen Flecken mit Förder­gel­dern ausge­baut werden müssten. „Wir brau­chen Tools, um den Überbau durch die Förde­rung zu verhin­dern“, forderte daher Stefan Holig­haus CSO und CMO bei DNS:NET. Ebenso wie Dirks sprach auch Holig­haus auf den Fiber­days von einem drohenden „Förder-Tsunami“.

Voll­ausbau droht auf der Strecke zu bleiben

Darüber hinaus geht Soeren Wendler, CSO der Deut­sche GigaNetz, davon aus, dass durch die Förde­rung ein Flicken­tep­pich entsteht, bei dem der Voll­ausbau auf der Strecke bleibt. Ganz abge­sehen davon, dass der Bau eines Glas­faser­netzes drei bis vier Jahre länger dauert, als wenn es eigen­wirt­schaft­lich errichtet wird. Zudem können laut Holig­haus Kommunen und Land­kreise das Förder­geld nicht einfach zurück­geben, sollte sich doch heraus­stellen, dass es per eigen­wirt­schaft­lichen Ausbau schneller geht.

Das Bild zeigt einen Mann mit einem schwarz-grauen Drei-Tage-Vollbart und Brille. Er hält in seiner rechten Hand ein Mikrofon. Stefan Holighaus, CSO und CMO bei DNS:NET, erwartet ebenso wie Deutsche-Glasfaser-CEO Thorsten Dirks einen „Förder-Tsunami“
Foto: MH Media
Auch deshalb drängen die Netz­betreiber darauf, die Förde­rung so auszu­gestalten, dass sie den eigen­wirt­schaft­lichen Glas­faser­ausbau nicht behin­dert. Bei der Eröff­nung der Fiber­days forderte Norbert Westfal, Präsi­dent des veran­stal­tenden Bundes­ver­bands Breit­band­kom­muni­kation (BREKO), darüber hinaus eine Gleich­ver­tei­lung der Förder­gelder über die nächsten Jahre, schließ­lich würden die Netz­betreiber nicht bis Ende 2023 99 Prozent der Netze bauen, spielte Westfal auf die Graue-Flecken-Förde­rung an, die im kommenden Jahr auslaufen könnte. „Die Unsi­cher­heiten bei der Förde­rung führen zu Unsi­cher­heiten bei den Kommunen“, mahnte Jürgen Hans­josten, CEO von Infra­fibre Germany. Verun­sicherte Bürger­meister würden dadurch zögern, was den Glas­faser­ausbau wiederum verlang­samt.

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