Breitband

"Vectoring-Ausbau nicht der beste Weg"

Mit Blick auf die vergangenen Jahre sieht der verantwortliche SPD-Politiker VDSL nicht mehr als den Königsweg an, ist aber trotzdem froh, den Ausbau gefördert zu haben - wissend, dass eine zweite Förderwelle ansteht.
Aus Berlin berichtet
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Lars Klingbeil (SPD) und Andreas Nick (CDU) beim VATM Tele-Kompass.Lars Klingbeil (SPD) und Andreas Nick (CDU) beim VATM Tele-Kompass. "Ich bin sehr froh, dass wir uns für die Förderungen entschieden haben.", sagte Lars Klingbeil, Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Agenda in der SPD-Bundestagsfraktion beim VATM Tele-Kompass in Berlin. "Die Infrastruktur die wir aktuell haben, ist auf Dauer natürlich nicht ausreichend, das wissen wir auch. Wir müssen zu Glasfaser und zu 5G kommen." Dabei will er beide Komponenten nicht gegeneinander ausspielen.

"Der nächste Koalitionsvertrag muss die Gigabit-Gesellschaft beinhalten - da wird es wohl auch keine Konstellation geben, in der das nicht der Fall sein wird. Und wir werden über Förderung reden müssen. " Er sei Abgeordneter im ländlichen Raum und das Thema Breitbandausbau dürfe sich nicht nur im städtischen Bereich abspielen. Es sei wichtig, das die Menschen in ländlichen Regionen die gleichen Chancen und Möglichkeiten bekommen wie die in Großstädten.

Allerdings will er nicht das Blaue vom Himmel versprechen: "Wenn sich heute Politiker hinsetzen und versprechen, innerhalb der nächsten Legislaturperiode gibt es flächendeckendes Glasfasernetz, wäre ich da erst einmal skeptisch." Das Ziel müsse sein, Glasfasernetze zu 90 Prozent in Deutschland zu errichten und Förderstrategien aufzubauen. Glasfaser bis zu jedem Bauernhof sei eine Illusion. Für die restlichen Bereiche setzt Klingbeil auf Funklösungen. Diese allerdings müssen - gerade bei 5G und wenn es um geringe Latenzzeiten geht, ebenfalls mit Glasfaserleitungen angebunden werden, da sie sonst nicht leistungsfähig sind. Sein politisches Gegenüber Andreas Nick (CDU/CSU-Fraktion des Bundestagsausschusses digitale Agenda) setzt auf einen "anwendungsgetriebenen Breitbandausbau". Es müsse zunächst das gesamte Investitionspotenzial im privaten Sektor mobilisiert werden und Kunden müssten wissen, was sie mit Gigabit anfangen sollen. Ein konkretes Breitbandziel hält er nicht für sinnvoll.

"Ich weiß, dass in den nächsten Jahren wieder alle auf der Matte stehen"

Zurückblickend auf die jetzt ablaufende Legislaturperiode sagt der Politiker: "Der Ausbau der vergangenen Jahre ist nicht der beste Weg, da sind wir uns einig." Damit spielt er auf den Umstrittenen Vectoring-Ausbau und die Verlängerung der Lebensdauer der Kupferdoppelader an. Auch mit staatlichen Mitteln wurde das gefördert, allerdings ohne Vectoring. In geförderten VDSL-Gebieten sind lediglich 50 MBit/s möglich. "Ich weiß, dass in den nächsten Jahren wieder alle auf der Matte stehen", ist er sich bewusst, dass der vergleichsweise billige Ausbau von VDSL dem Sprichwort "Wer billig kauft, kauft zwei Mal" nahekommt. "Die Datenraten werden nicht ausreichen", so Klingbeil. Das bedeutet wohl, dass es eine zweite Förderwelle geben muss, bei der dann echte Glasfasernetze errichtet werden. Doch das dauert bekanntlich auch deutlich länger als ein VDSL-Ausbau. Deswegen "sind wir froh, dass etwas passiert ist".

Einem Verkauf der Telekom-Anteile erteilte Klingbeil eine Absage. Dieser wird von vielen Seiten immer wieder gefordert, um mit dem Erlös den Ausbau der Glasfasernetze zu finanzieren. "Die Telekom ist mehr als Glasfaser-Ausbau", sagt Klingbeil. "Das hat auch was mit staatlicher Sicherheit zu tun", so der Politiker.

Die Netzallianz hatte sich am Montag darauf verständig, bis 2025 insgesamt 100 Milliarden Euro in den Gigabit-Ausbau zu investieren.

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