Netzausbau

Editorial: Zorneding auf dem Weg zur Glasfaser

Vom Bandbreiten-Schlusslicht auf die Überholspur: Neue Technologie und Nachfragebündelung macht es möglich. Taugt das Modell auch für andere Gemeinden und Städte?
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Glasfaser ist die ZukunftGlasfaser ist die Zukunft Mit Spannung verfolge ich auf der Homepage der Deutschen Glasfaser für den Ort Zorneding, wie dort die aktuelle Nachfragebündelung voranschreitet. Hatten sich am 20. Januar erst 13% der Einwohner zum Wechsel auf einen Glasfaseranschluss bereit erklärt, waren es am 27. Januar schon 17%. Nochmal eine Woche später, am 03. Februar, wurden bereits 30% vermeldet. Bleibt es bei diesem rasanten Anstieg, wird bis zur Deadline am 13. Februar die von uns berichtete Zielmarke von 40% nicht nur erreicht, sondern sogar deutlich überschritten werden.

Aber selbst wenn am Ende nur 39% oder gar nur 35% erreicht werden, wird es wahrscheinlich zu einem Ausbau kommen. Schließlich ist zu erwarten, dass die Annahmefrist für die Haushalte verlängert wird, wenn nur ein paar Prozentpunkte fehlen. Oder der Anbieter kalkuliert nochmal neu, nimmt dabei ein paar Gemeindeteile oder Straßenzüge mit niedriger Annahmequote oder besonders schlechtem Kosten-zu-Nutzen-Verhältnis noch aus der Planung raus, und baut dann im Rest der Gemeinde wie geplant das Glasfasernetz.

Ein Zuschuss der Gemeinde zu den Baukosten wird den Angaben zufolge nicht nötig sein. Allerdings verpflichten sich die Kunden, die während der Phase der Nachfragebündelung das Angebot angenommen haben, für zwei Jahre Kunde der Deutschen Glasfaser zu werden, sobald das Netz ausgebaut worden ist, wobei die Kunden dabei zunächst das Auslaufen ihres bestehenden Vertrages abwarten können. Während der dann folgenden Vertragsbindung von zwei Jahren zahlen die Kunden 35 Euro im Monat für den Glasfaser-Internetzugang mit 100 Mbit/s symmetrisch. Die genannte Bitrate steht also sowohl im Downlink als auch im Uplink zur Verfügung! Allerdings ist Telefonie noch nicht enthalten; eine Telefonflatrate mit einer "Leitung" kostet 5 Euro im Monat, bei zwei "Leitungen" ähnlich ISDN dann 6,50 Euro monatlich.

Zum Vergleich: Viele Einwohner Zornedings können aktuell nur ADSL mit 16 Mbit/s Downstream und 1 Mbit/s Upstream nutzen. Der Anschluss wird mit der Glasfaser zwar bei vielen Kunden sicher etwas teurer werden als derzeit, dafür aber sechsmal schneller im Downstream und gar hundertfach schneller im Upstream! Gegen einen Aufpreis von 10 Euro im Monat wird die Bitrate sowohl im Down- wie Upstream auf 200 Mbit/s verdoppelt. Gewerbekunden können sich schon jetzt mit 1 Gbit/s anschließen lassen, und auch für Privatkunden wird 200 Mbit/s sicher nicht das letzte Wort sein.

Netz der Zukunft!

Das Beispiel Zorneding zeigt, dass der Glasfaserausbau funktionieren kann, wenn alle mitspielen. Klar ist es sozialer Gruppendruck in der Gemeinde, der dafür sorgt, dass die Deutsche Glasfaser während der Phase der Nachfragebündelung ohne hohe Vertriebskosten tausende Neuverträge abschließen kann. Andererseits bekommt die Gemeinde so auch ohne, dass sie selber investieren müsste, das Upgrade von einem veralteten zu einem hochmodernen Breitband-Telefonnetz. Den Gewerbe­steuer­ein­nahmen dürfte das mittelfristig ebenso zugute kommen wie der weiteren Entwicklung der Einwohnerzahl.

Bisher sind es trotzdem letztendlich nur kleine Flecken auf der Landkarte, die die Deutsche Glasfaser ausbaut. Es wird sich erst zeigen müssen, ob das Geschäftsmodell wirklich funktioniert, ob der Anbieter auch größere Gemeinden und ganze Landkreise oder gar größere Städte für sich gewinnen kann. Interessant ist das Modell auf alle Fälle, und eine wichtige Bereicherung für den Breitband-Markt.

Billig ist Glasfaser nicht. Nach Ablauf der zweijährigen Mindestvertragslaufzeit sollen die monatlichen Kosten auf 47 bzw. 57 Euro steigen, jeweils noch züglich der Telefonieleistung, wenn der Kunde letztere wünscht, und sie nicht unabhängig von einem anderen Anbieter wie SIPgate erwirbt. Aber zumindest in Zorneding scheint es eine Einwohnerstruktur zu geben, die sich diese Entgelte leisten kann und will. Und ja, auch die Telekom wird versuchen, sich Marktanteile zurückzukämpfen. Entweder über einen forcierten Netzausbau, oder über deutliche Preissenkungen für ihre langsamen Anschlüsse. In letzterem Fall profitieren dann auch die Kunden, die sich die Glasfaser nicht leisten können oder wollen, indirekt von dieser.

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