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Ericsson zeigt LTE im Gigabit-Bereich

Zudem: "HD Voice" und Hersteller-unabhängiger App-Store
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Allen Angaben der Netzbetreiber über immer höhere Bitraten für mobile Datendienste zum Trotz: In der Praxis ist man meist schon froh, wenn man bei mobilen Downloads 1 MBit/s erreicht oder gar überschreitet. Um so mehr überrascht nun der führende Mobilfunk-Ausrüster Ericsson, indem er für den Mobile World Congress 2010 in Barcelona eine Demonstration einer LTE-Datenübertragung mit 1 GBit/s ankündigt! Der derzeit noch aktuelle Standard HSPA+ soll zugleich auf 84 MBit/s beschleunigt werden.

Ein Blick in die technischen Details der Gigabit-LTE-Übertragung bringt dann aber schnell Ernüchterung: Für den Test wurden vier LTE-Zellen mit je 20 MHz Bandbreite und 4x4 MIMO gebündelt. Nach demselben Prinzip konnte man schon zu Web-Urzeiten zum Beispiel vier ISDN-Basiskanäle von zwei ISDN-Anschlüssen zu damals beeindruckenden 256 kBit/s zusammenfassen. Doch damit vervierfachten sich auch die Kosten für den Nutzer, so dass entsprechende ISDN-Bündel vergleichsweise wenigen professionellen Nutzern vorbehalten blieben.

Die Technologie-Demonstration zeigt aber auch eines: LTE hat einen solchen Reifestatus erreicht, dass die Techniker anfangen können, damit zu spielen. Und 250 MBit/s auf einem einzelnen Frequenzband mit 20 MHz Bandbreite sind schon beeindruckend, selbst, wenn sie sicher nur in unmittelbarer Nähe zur Basisstation erzielt werden können und die effektiv verfügbare Bitrate mit zunehmender Entfernung sinkt. Die Hoffnung: Am Ende verbleiben davon tatsächlich effektiv 10...20 MBit/s für den einzelnen Nutzer.

Herstellerunabhängiger App-Store

Anwendungen (Apps) bringen dem Nutzer auch bei niedrigen Datenraten eine gute Erfahrung bei der Nutzung mobiler Datendienste. Denn selbst bei vielen für mobile Anwendung optimierten Webseiten machen die eigentlichen Nutzdaten nur einen kleinen Teil der übertragenen Datenmenge aus. Die Masse der Bytes entfällt hingegen auf Grafiken und Style Sheets für die ansprechende optische Gestaltung oder zusätzlichen HTML-Code für Navigationslinks. Vorinstallierte oder vom Nutzer nachinstallierte Applikationen wie Wetter-Widget oder RSS-Reader übertragen dann nur noch Nutzdaten vom Server, und zeigen dem Nutzer somit schneller das gewünschte Ergebnis.

App-Stores gibt es derzeit von allen großen Herstellern mobiler Betriebssysteme wie Apple, Nokia oder Google. Ericsson will die Netzbetreiber wieder stärker in dieses Geschäft einbinden und hat dazu einen eigenen Anwendungsladen namens eStore gestartet. Netzbetreiber können diesen unter eigenem Logo in ihre Portale integrieren.

Zum Start sollen bereits 30 000 teils kostenfreie, teils kostenfplichtige Applikationen für beliebige Handys verfügbar sein. Die Bezahlung soll dabei auch über die Telefonrechnung oder das Prepaid-Guthaben beim Netzbetreiber möglich sein. Um Anwendungen und Widgets möglichst plattformunabhängig entwickeln und verteilen zu können, wird mit Opera zusammengearbeitet.

HD Voice aka AMR Wideband

AMR Wideband, ein Codierungsstandard zur Verbesserung der Sprachqualität bei digitaler Telefonie, wurde bereits 2002 verabschiedet. Doch in Mobilfunknetzen hat es dieser bis heute nicht über Demonstrationen und Tests hinausgebracht. Eigentlich schade, denn der neue Standard ermöglicht tatsächlich eine erhebliche Verbesserung der Sprachqualität, und das ohne wesentliche Erhöhung der Bitrate.

Immerhin unterstützen einige UMTS-Handys inzwischen standardmäßig AMR-WB, und so besteht die Chance, dass einige Nutzer dieser Tage in Barcelona ein Telefonat im Orange-Netz machen, und sich über die verbesserte Sprachqualität freuen, die ein Test von "HD Voice" zusammen mit Ericsson während des Mobile World Congress ermöglicht. Doch bis AMR-WB wirklich überregional oder gar über Netzgrenzen hinweg eingeführt wird, scheint noch ein weiter Weg.

Schade, schade, dass dem Brot-und-Butter-Dienst Sprache, mit dem die Netzbetreiber immer noch zwei Drittel ihrer Einkünfte erzielen, so wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Denn die Kosten für eine zügige Einführung von AMR-WB dürften weit unter denen von HSPA oder gar LTE liegen!

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