Gigabit

Pläne für bundesweite symmetrische Gigabit-Netze bis 2025

Das Bundeswirtschaftsministerium will ein Gigabit-Netz bis 2025. Wir zeigen Ihnen, was dahinter steckt. Denn das Ziel geht nicht einher mit dem Breitbandziel der Bundesregierung, das deutlich weniger bietet.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) hat sich - anders als die Bundesregierung - ein Gigabit-Breitbandziel auf die Fahnen geschrieben. Während die Regierung derzeit ausschließlich das Jahr 2018 mit einem Breitbandziel von 50 MBit/s im Auge hat, strebt das Wirtschaftsministerium unter Minister Sigmar Gabriel ein Gigabit-Ziel für das Jahr 2025 an. Vorgestellt wurde das Papier erstmals zur CeBIT im März. Dr. Michael Menrath vom BMWI hat heute in Berlin auf der "10. ITG-Fachkonferenz Breitbandversorgung in Deutschland" mehr Details zur Planung des Ministeriums gegeben.

VDE Breitbandtagung in Berlin: Dr. Michael Menrath vom BMWIVDE Breitbandtagung in Berlin: Dr. Michael Menrath vom BMWI Dabei betonte er, dass das Ministerium bei diesem Plan unabhängig von der Bundesregierung an dem Ziel arbeite. Dem Ministerium gehe es dabei auch weniger um noch schnellere Internetanschlüsse für mehr Entertainment, sondern es hat sich nach eigenem Bekunden darauf konzentriert, Arbeitsplätze und die Unternehmen im Fokus zu haben. Langfristig kämen Unternehmen weder mit 50 noch mit 100 MBit/s aus. Solche Ziele seien zu eindimensional gedacht. Ziel sei es, Unternehmen symmetrische Gigabit-Anschlüsse zu gewähren. Davon könnten in der Folge auch Privatkunden profitieren.

Breitbandziel der Bundesregierung geht auf Wirtschaftsministerium zurück

Das derzeitige Breitbandziel der Bundesregierung sei ursprünglich im Wirtschaftsministerium als Infrastrukturziel 2014 für 75 Prozent der Haushalte ausgegeben worden - im Jahr 2009. Mit der aktuellen Koalition ist daraus dann das Breitbandziel der Bundesregierung geworden - mit 100 Prozent Abdeckung. Ein jetziges Vorpreschen des Wirtschaftsministeriums könnte also möglicherweise auch wegweisend für künftige Ziele der Bundesregierung sein.

Sowohl für Unternehmens- aber auch für Geschäftskunden sei es wichtig, die Nachfrage nach höheren Bandbreiten zu stimulieren um damit die Investitionen in die Netze zu rechtfertigen. Immerhin geht das Bundeswirtschaftsministerium von 70 bis 100 Milliarden Euro Investmentsumme für ein flächendeckende Glasfasernetz aus. Gleichzeitig rechnet man nicht damit, mehr als 10 Milliarden Euro für die Förderung im ländlichen Raum zur Verfügung stellen zu können. Nicht in den Kosten berücksichtigt sei vom Ministerium, dass für echte Glasfaserinfrastrukturen auch die Inhaus-Verkabelung ausgetauscht werden müsse.

Zahlungsbereitschaft steigern

Die Flächendeckung sei jedoch wichtig, um auch in abgelegenen Gebieten die Unternehmen zu halten. Hier gebe es eine strategische Priorisierung des Ministeriums, um Arbeitsplätze zu halten und zu schaffen. Doch auch Privatkunden würden von Gigabit-Netzen profitieren, weil sich viele, auf dem Land lange Wege erübrigen, wenn sich Dinge über schnelle Internetleitungen realisieren lassen. "Wenn Sie künftig die 30 oder 50 Kilometer bis zum Fachmediziner nicht mehr fahren müssen, weil Sie das Gespräch und die Untersuchung mit dem Arzt über gesicherte Videoleitungen durchführen können, ist das durchaus sinnvoll." Die Zahlungsbereitschaft der Nutzer müsse gesteigert werden. Wenn man überlege, was sich heute schon durch E-Commerce sparen lasse - das rechtfertige die Investition in eine Breitbandleitung. Heute beklagen viele Netzbetreiber noch, dass die Kunden zwar hohe Datenraten nachfragen, jedoch nicht mehr dafür zahlen wollen.

Kabelnetze noch nicht ausgereizt

Für Glasfasernetze spreche auch, dass diese deutlich energieeffizienter seien als Kupfernetze, die durch Vectoring und G.fast immer mehr aktive Komponenten benötigen. Glasfasernetze könnten weitgehend auf passive Infrastruktur setzen. Das sei für das Wirtschaftsministerium, in dessen Zuständigkeitsbereich auch das Energie-Thema liegt, auch nicht unwesentlich, wie Menrath sagte.

Klar ist für das BMWI aber auch: (Neue) Glasfaserinfrastrukturen werden keine neue Monopolstruktur bekommen. In Ballungsräumen werde es ohnehin einen marktgetriebenen Ausbau geben, der sich am Ende vermutlich aus G.fast, HFC-Kabelnetzen und Glasfaser zusammenstelle. Gerade in den HFC-Netzen (also den TV-Kabelnetzen) gebe es noch viel Potential und Wettbewerb belebe das Geschäft.

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