Lieferengpässe

Gestörte Lieferketten - Ökonom warnt vor höheren Preisen

Viele Waren, die in Europa verkauft werden, kommen aus Asien. Doch was passiert, wenn der Trans­port nicht mehr reibungslos funk­tio­niert? Für Kunden in Deutsch­land könnte das nicht nur stei­gende Preise zur Folge haben.

Auf Verbrau­cher in Deutsch­land kommen nach Einschät­zung des Ökonomen Gabriel Felber­mayr kräf­tige Preis­erhö­hungen bei Produkten aus Asien zu. Grund seien die Contai­ner­krise im südchi­nesi­schen Meer und Chaos in den globalen Liefer­ketten.

"Wenn es in Asien Liefer­pro­bleme gibt, spüren wir das auch im Preis", sagte der Präsi­dent des Kieler Insti­tuts für Welt­wirt­schaft (IfW), dem Portal t-online.de (Freitag). "Wir müssen uns darauf einstellen, dass viele Produkte aus Fernost in den kommenden Monaten deut­lich teurer werden", meinte Felber­mayr.

Höhe der Preise schwer voraus­zusagen

Die Havarie des Frachters "Ever Given" sorgte Ende März für eine tagelange Sperrung des Suezkanals Die Havarie des Frachters "Ever Given" sorgte Ende März für eine tagelange Sperrung des Suezkanals
Bild: picture alliance/dpa | Hassan Mohamed
Wie sehr die Preise im Durch­schnitt steigen, sei schwer zu sagen, so der Ökonom. "Aber bei Gütern und Geschenken, die stark nach­gefragt werden, Elek­tronik­geräte wie Fern­seher oder Spiel­kon­solen, werden wir sicher­lich einen Preis­anstieg von bis zu 20 Prozent sehen."

Der Bremer­havener Tief­kühl­kost­her­steller Frosta kündigte am Freitag bereits entspre­chende Konse­quenzen an. Höhere Mate­rial­kosten für Fisch, Öle, Weizen, Verpa­ckung, Energie sowie Trans­port ließen sich durch Effi­zienz­stei­gerungen nicht mehr ausglei­chen. Deshalb würden die Preise für Handels­kunden "zum nächst­mög­lichen Termin" erhöht, hieß es von Frosta-Vorstand Maik Busse in einer Mittei­lung.

Und auch der welt­größte Lebens­mit­tel­kon­zern Nestlé will in Kürze mehr Geld für viele seiner Produkte verlangen. An "zeit­nahen Preis­erhö­hungen über das gesamte Port­folio hinweg" führe kein Weg vorbei, sagte der Deutsch­land-Vertriebs­chef des Konzerns, Klaus Hebekus der "Lebens­mittel Zeitung". Denn die Kosten etwa für Rohstoffe, Verpa­ckungen und Logistik seien deut­lich gestiegen.

Auch weniger Produkte möglich

Doch nicht nur stei­gende Preise, sondern auch weniger Produkte könnten die Folge sein. Wie die Wirt­schafts­woche berichtet, plant der schwe­dische Möbel­riese Ikea im kommenden Geschäfts­jahr 2022 bereits mit einem abge­speckten Angebot: "Eine Redu­zie­rung des gesamten Sorti­ment­volu­mens in Europa um rund fünf Prozent und in Nord­ame­rika um rund vier Prozent" sei vorge­sehen, sagte eine Spre­cherin.

Als Grund nannte Ikea "Einschrän­kungen des Waren­flusses aus Asien" bei stei­gender Nach­frage. Um diese zu bewäl­tigen, haben die Schweden den Angaben zufolge im laufenden Jahr das Trans­port­volumen bereits um zehn Prozent erhöht. Doch: "Mit Blick auf das kommende Geschäfts­jahr sehen wir, dass die bisher ergrif­fenen Maßnahmen nicht ausrei­chen", zitiert das Blatt das Unter­nehmen. Die globalen Trans­port­ver­bin­dungen auf See sind seit Beginn der Corona-Pandemie kräftig durch­ein­ander­gewir­belt, Verspä­tungen sind die Regel. Zusätz­lich behin­dert seit vielen Wochen ein Stau im Süden Chinas den Contai­ner­ver­kehr, ausge­löst von einem Corona-Ausbruch unter Arbei­tern im Hafen Yantian.

Störungen im Container-Schiffs­ver­kehr

Der Stau mit Rück­wir­kungen auf andere Häfen in der Region ist in seinen Folgen deut­lich gravie­render als die tage­lange Sper­rung des Suez­kanals Ende März nach der Havarie des Frach­ters "Ever Given". Nach Berech­nungen des IfW waren Anfang Juli bereits knapp fünf Prozent aller Contai­ner­schiff-Kapa­zitäten dort gebunden.

Die Störungen im Container-Schiffs­ver­kehr sind eine der Ursa­chen für die Mate­rial­eng­pässe in Europa. Zudem lässt die anzie­hende Konjunktur in den USA und China viele Güter knapp und teuer werden.

Grund­sätz­lich leide die Welt­wirt­schaft sehr unter der Liefer­krise, erklärte Felber­mayr. "Was in China passiert, ist drama­tisch. Das sind schmerz­hafte Einschnitte für die Welt­wirt­schaft", sagte der IfW-Chef.

Das Liefer­ket­ten­chaos könne sich auch auf das Weih­nacht­geschäft auswirken, das sich wegen langer Vorlauf­zeiten schon anbahne, glaubt Felber­mayr. "China ist für den Gaben­tisch in deut­schen Wohn­zim­mern der wich­tigste Liefe­rant. Wegen der Liefer­eng­pässe dürften im Dezember die Regale in vielen Geschäften leerer sein als sonst."

Im Smart­phone-Markt hat noch Samsung die Nase vorn. Der chine­sische Hersteller Xiaomi macht aber ordent­lich Druck. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren News.

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