Südkreuz
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Gesichtserkennung: Sammelt die Polizei mehr Daten als angeben?

Im Zuge des Pilotprojektes zur Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz soll die Polizei mehr Informationen sammeln, als eigentlich angegeben. Das kritisiert der Verein Digitalcourage.
Von David Rist
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Bodenaufkleber weisen am 01.08.2017 im Bahnhof Südkreuz in Berlin auf Erkennungsbereiche zur Gesichtserkennung hin.Bodenaufkleber weisen im Bahnhof Südkreuz in Berlin auf Erkennungsbereiche zur Gesichtserkennung hin Das Pilot­projekt zur Gesichts­erkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz ist zweifels­ohne ein kontroverses Thema. Das wissen sicher­lich auch die Verantwortlichen hinter diesem Projekt. Umso erstaunlicher ist es, dass es Ungereimtheiten zu geben scheint, zwischen dem, was den teilnehmenden Test­personen kommuniziert wurde und dem, was tatsächlich aufgezeichnet wird. Das zumindest berichtet der seit 1987 aktive Verein Digitalcourage. Der Autor des Artikels, padeluun, ist nämlich nicht nur Künstler, Netz­aktivist und Mitgründer von Digitalcourage e.V., sondern auch eine der Test­personen des Pilot­projektes am Südkreuz.

Transponder kann mehr als angekündigt

Eigentlich hatte die Bundes­polizei angekündigt, dass die Teil­nehmer mit einem RFID-Chip ausgestattet werden sollen. Dieser sollte dazu dienen, dass die Test­personen auch als solche identifiziert werden können. Tatsächlich wurde den Teil­nehmern dann aber ein iBeacon ausgehändigt. Das ist ein Bluetooth-Sender, welcher aktiv in einem Umkreis von 20 Metern sendet und - vor allem daran stört sich padeluun - dazu in der Lage ist, noch weitaus mehr Informationen zu erfassen. Dazu gehören etwa Temperatur, Neigung und Beschleunigung. Der iBeacon kann all das aufzeichnen, speichern und sogar weiter­geben. Diese Daten könne man zudem mit einer Android-App auslesen, schreibt padeluun. Aufgrund dessen wäre es möglich herzuleiten, was die Personen auch außerhalb des Bahnhofs gemacht haben - also auch außerhalb des Test­bereichs. Ob die Bundes­polizei diese Daten wirklich erfasst und vielleicht sogar auswertet, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Die Tatsache, dass die Behörden bei solch einem heiklen Thema aber überhaupt so unvorsichtig mit den Daten der Teil­nehmer umgehen, hinter­lässt zumindest keinen vertrauens­würdigen Eindruck.

Digitalcourage fordert Abbruch des Tests

Weil die Bundes­polizei die Test-Personen falsch über die eingesetzte Technik informiert hatte, fordert Digitalcourage den Abbruch des Tests zur Gesichts­erkennung am Südkreuz. Die Teilnehmer hätten dem Test nicht ausreichend informiert zugestimmt. Zudem würden auch die Gesichter von Personen erfasst, die nicht am Test teilnehmen. Ebenso würden die Lese­geräte neben den iBeacons auch andere Bluetooth-Geräte erfassen. Auch hier fehle die Zustimmung der betroffenen Personen.

Update 22. August: Ministerium weist Kritik zurück

Das Bundesinnenministerium hat inzwischen die Vorwürfe zurückgewiesen. Die eingesetzte Technik könne zwar mehr Daten sammeln als für den Test benötigt würden, diese Möglichkeiten würden aber nicht genutzt und seien abgeschaltet, sagte eine Ministeriumssprecherin heute.

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