Ausgewogen

VATM: Mehr Datenhunger, weniger Telefonate

Im jährlichen Terminkalender ist die Marktstudie ein wichtiges Datum. Dieses Jahr ließ der VATM 20 Jahre Wettbewerb im TK-Sektor Revue passieren.
Aus Berlin von der Vorstellung der Zahlen berichtet
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Jedes Jahr stellt der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) seine Marktstudie vor, in diesem Jahr zum 20. Mal. Dieses Jahr wurde die Zahlenbasis erweitert und der Verlauf seit der Gründung im Jahre 1998 dargestellt.

Gefühlsmäßig ist schnell klar, der Datenhunger steigt und steigt. Aber wie sieht es mit klassischen Telefonaten aus? Gibt es Call-by-Call noch?

Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg und der Unternehmensberatung Dialog Consult stellte heute in Berlin die Zahlen vor, die aus Umfragen innerhalb der Verbandsmitglieder und aufgrund öffentlicher Finanzkennzahlen ermittelt wurden.

Datendienste: Mehr als die Hälfte des Umsatzes

Der Verband VATM stellte seine 20. Markstudie vor.Der Verband VATM stellte seine 20. Markstudie vor. Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt machen die diesjährigen Einnahmen mit Datendiensten erstmals mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Den Schätzungen zufolge werden 2018 mit mobilen Daten 14,1 Milliarden Euro umgesetzt, was einem Anteil von 53 Prozent entspricht. Die restlichen Einnahmen werden über das Telefonieren, aber auch über die Finanzierung von Endgeräten oder durch zusätzliche Inhalten erwirtschaftet.

Stabiler Markt

Insgesamt entwickelt sich der deutsche Telekommunikationsmarkt weitestgehend stabil, egal ob mobil oder im Festnetz. So sollen in diesem Jahr etwa 59,4 Milliarden Euro umgesetzt werden, das letzte Jahr lag mit 59,3 Milliarden in ähnlichen Dimensionen. Alles in Allem fällt mit 32,8 Milliarden Euro der größte Anteil (also 55,2 Prozent) weiterhin auf das Festnetz. Im Bereich Mobilfunk werden es voraussichtlich 26,6 Milliarden Euro (44,8 Prozent) sein.

Für die Deutsche Telekom sieht Dialog Consult bis Jahresende einen geschätzten Erlös von 21,8 Milliarden Euro (minus 0,5 Prozent). Der Umsatz der Wettbewerber bleibt mit 31,9 Milliarden Euro nahezu konstant. Die Kabelnetzbetreiber legen laut der Untersuchung um 3,6 Prozent zu und kommen voraussichtlich auf Einnahmen von 5,7 Milliarden Euro.

Es wird weniger telefoniert

Seit einigen Jahren zeichnet sich der Trend ab: Es wird weniger telefoniert, die Gesprächsminuten gehen zurück. Jeder Deutsche soll täglich im Schnitt elf Minuten telefonieren - und das trotz zunehmender Sprach-Flatrates. "Ein Grund dafür ist, dass Telefonate zunehmend durch Over-The-Top-Messaging wie WhatsApp ersetzt werden", erklärte Gerpott dazu.

Beim Mobilfunk sind die Preise seit dem Start vor 20 Jahren spürbar gesunken. Der durchschnittliche Monatsumsatz pro Kunde und SIM-Karte (ARPU) betrug vor zwanzig Jahren noch 57,26 Euro. In diesem Jahr werden es (Postpaid und Prepaid zusammen) etwa 16,68 Euro pro Kunde und Monat sein, letztes Jahr lag er mit 16,69 Euro quasi gleichauf.

Mehr Breitband im Festnetz

Die Zahl der Breitbandanschlüsse steigt der Studie zufolge um rund 1,1 Millionen auf 34,3 Millionen (plus 3,3 Prozent). 3,4 Millionen Haushalte sollten bis Jahresende ans Glasfasernetz angeschlossen sein, das entspreche einem Zuwachs von 18 Prozent.

Die Investitionen in die Netze sind in den letzten Jahren insgesamt leicht gestiegen. Dabei liegen die Wettbewerber und die Deutsche Telekom mit ca. 4,2 Milliarden Euro in etwa gleichauf.

Der Eindruck "nur die Telekom baut", stimme so nicht, betont der VATM gestützt auf die vorliegenden Zahlen. Richtig sei aber auch, dass beide Lager aufeinander angewiesen seien. Gerade bei den Zulieferprodukten ("Bitstrom") steige der Anteil der Telekom spürbar. 70 Prozent der Kosten entfielen für einen Wettbewerber für den Einkauf von Vorleistung bei der Telekom.

Wohlwollend sieht der VATM die kürzlich bekannt gegebene Kooperation zwischen Deutscher Telekom und Telefónica bei Glasfasern.

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