White Paper

Gerpott: In "vergessenem" Mobilfunknetz steckt viel Potenzial

Funkruf wäre für Alarmierungen, Warnungen & Diebstahlschutz geeignet
Aus Berlin berichtet
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In Deutschland gibt es ein Mobilfunknetz, das zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Zu dieser Überzeugung ist der Telekommunikations-Experte Dr. Torsten J. Gerpott im Rahmen seiner Ausarbeitung zu einem sogenannten White-Paper gekommen. Gemeint ist damit keines der klassischen Mobilfunknetze auf GSM- oder UMTS-Basis, sondern das Pagingnetz von e*Message, das ebenfalls unter einer Mobilfunklizenz läuft. Das Netz sei ideal, um kleine aber unter Umständen wichtige und zeitkritische Meldungen in kurzer Zeit an große Bevölkerungsmengen zu senden, so Gerpott. Im Rahmen der Vorstellung des Papieres in Berlin nannte Gerpott dazu auch einige Beispiele.

Grundsätzlich seien fast alle vorgestellten Anwendungsbeispiele auch über GSM realisierbar, jedoch mit Abstrichen. Als Beispiel nannte er Rauchmelder, die zur Bevölkerungswarnung dienen könnten. Dazu ließe sich der Chip um ein Funkmodul erweitern, das bei einem entsprechenden Signal Alarm gibt und vorgefertigte Sprachansagen wie "Großbrand, Fenster schließen", "Erdbeben, Haus verlassen" oder "Unwetterwarnung" ausgibt. Sicherlich ließe sich diese Anwendung mit einem GSM-Modul realisieren. Doch Gerpott gab zu bedenken, dass derartige Module zum einen teurer seien, als Chipsätze für Funkruf, zum anderen auch deutlich mehr Strom verbrauchen. "Niemand wird alle zwei Wochen am Rauchmelder die Batterien wechseln", so Gerpott. Ein Funkruf-Chip könne jedoch mehrere Jahre mit der gleichen Batterie versorgt werden. "Zu Bedenken wäre auch, dass die Handynetze bei einer Katastrophe ohnehin schon stark beansprucht werden, da jeder im Umfeld telefonieren wolle", so Gerpott. Die Auslieferung von Signalisierungen können so, wie die SMS an Silvester, mehrere Minuten oder Stunden unterwegs sein.

Vorteile: Keine Überlastung, günstiger und weniger Stromverbrauch

Rauchmelder könnten künftig mit Paging-Modulen zur Bevölkerungswarnung ausgestattet werdenRauchmelder könnten künftig mit Paging-Modulen zur Bevölkerungswarnung ausgestattet werden Ein Funkrufnetz kenne keine Überlastung, da es nahezu ausschließlich für derartige Broadcast-Nachrichten verwendet wird und eine Codierung die Ansteuerung der Empfänger übernimmt. Es müsse aber im Notfall nicht für jeden Rauchmelder eine einzelne Nachricht versendet werden, sondern es reiche eine Nachricht, die alle Rauchmelder in einem bestimmten Bereich anspreche.

Auch für die Energiewende sei das Funkrufnetz sinnvoll einsetzbar. So sei denkbar, dass die Stromanbieter per Funkruf auf spezielle Endgeräte die Informationen schicken, wann Strom besonders teuer oder billig zu haben sei. In einem weiteren Schritt könnten an spezielle Endgeräte Nachrichten gesendet werden, dass diese ihre Verbraucher vom Stromnetz trennen, um eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden. Auch die Aktivierung sei so umgekehrt möglich.

Dass dieses alles möglich ist, zeigt e*Message heute schon mit seinem Partner WetterDirekt. Dieser hat Wetterstationen mit einem Chip für das Funkrufnetz ausgestattet. Über diesen Chip werden die Stationen mit aktuellen Wetterdaten versorgt. Ähnliche Daten ließen sich konsequenterweise dann auch auf andere Geräte übertragen.

Auch Diebstahlschutz über Funkruf machbar

800 Sender in Deutschland sorgen für eine flächendeckende Versorgung800 Sender in Deutschland sorgen für eine flächendeckende Versorgung Gerpott hat in seinem Whitepaper noch weitere Anwendungsbeispiele genannt. So sei aus seiner Sicht auch eine Alarmanlagen-Funktion möglich. Die Chips, kleiner wie eine Geldmünze, ließen sich in vielen Geräten verbauen. Wenn etwa in hochwertigen Fahrrädern ein derartiger Chipsatz zusammen mit Batterie und Alarmgeber verbaut wäre, könnte der Besitzer des Rades nach dessen Diebstahl über das Funkrufnetz ein Signal aussenden, dass eine Sirene erklingen lässt und das Fahrrad als gestohlen markiert. Wäre diese Technik im Rahmen verbaut, könnte der Dieb das Signal nur durch Zerstörung des Rades abschalten. Für den Besitzer ergibt sich so eine realistische Chance, das Rad zurück zu bekommen. Anders als viele Handynetze ist das e*Message-Netz auch in Kellern oder anderen abgelegenen Orten zu empfangen, so dass das Diebesgut die Nachricht auch hier empfängt. Eventuelle Funklöcher, etwa in der U-Bahn, ließen sich durch mehrmaliges Aussenden binnen einer gewissen Zeit abfedern. Ein Funkrufmodul im GrößenvergleichEin Funkrufmodul im Größenvergleich

Egal, welche Dienste e*Message künftig anbieten wird: Die Partner hätten eine lange Planungssicherheit. e*Message hatte vor kurzem eine Verlängerung der Lizenzen für die benötigten Frequenzen bis 2025 bekommen. Einige Privatkunden kennen e*Message noch als Betreiber der Pagerdienste Skyper, Scall und Cityruf. Während Scall eingestellt wurde, werden Skyper und Cityruf bis heute betrieben. Dabei richtet sich e*Message mit Cityruf vor allem an Firmenkunden, die spezielle Anforderungen haben und daher zu einem Pager statt zu einem Handy greifen. e*Message betreibt 800 Sender in einer Höhe zwischen 25 und 100 Metern, die mit 100 Watt Sendeleistung eine flächendeckende Versorgung Deutschlands realisieren.

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