Geo-Dienste

Geo-Dienste fürs Handy und Smartphone auf dem Vormarsch

Google, Microsoft & Nokia mit Karten-Apps
Von Marleen Frontzeck-Hornke mit Material von dpa
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Landkarten, Stadtpläne und andere Geo-Dienste fürs Handy heizen den Wettbewerb der Internet-Branche an. Die Verknüpfung mit Geodaten ermöglicht viele nützliche Anwendungen, wenn das Smartphone seinen eigenen Standort bestimmen kann. Bisher haben vor allem Google, Microsoft und Nokia die Karten für die Apps bereitgestellt - neben dem nichtkommerziellen OpenStreetMap-Projekt. Die Karten von Google kommen auch auf den Apple-Geräten iPhone und iPad zum Einsatz. Gerüchten zufolge soll das Unternehmen aber in der kommenden Woche auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco einen eigenen Dienst präsentieren.

iPhoto auf iPad löst Google Maps ab

Maps auf dem Nokia Lumia 800Maps auf dem Nokia Lumia 800 Denn die Karten-Plattformen werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Betriebssystems für mobile Geräte. Das Betriebssystem iOS von Apple verwendet seit dem ersten iPhone im Jahr 2007 die Google Maps, die zwei Jahre zuvor gestartet wurden. Inzwischen aber sieht Apple den Suchmaschinen-Konzern als Konkurrenz im lukrativen Smartphone-Geschäft - das Google-System Android hat hier Anfang 2011 die Marktführung übernommen. Im März gab es ein erstes Signal für eine Wende bei den Kartendiensten der Apple-Geräte: Die Foto-Software iPhoto setzt auf dem iPad nicht mehr die Google Maps ein, sondern Daten von OpenStreetMap (OSM).

"iOS ist eine hervorragende Plattform und wir stellen gern die Google Maps dafür bereit", sagte Google-Manager Brian McClendon in einer Telefonkonferenz zur Präsentation neuer Funktionen seiner Kartendienste. Diese seien ein sehr wichtiger Bestandteil für das Geschäftsmodell von Google, vor allem bei der Nutzung mobiler Geräte. "Den Standort des Nutzers zu kennen, verbessert auch die Google-Suche."

Basis für die Nokia-Kartendienste kommt von Navteq

Für Nokia-Vorstandsmitglied Michael Halbherr sind die Kartendienste mit ihrer Antwort auf die Frage "Wo?" eines von drei Top-Themen bei Smartphones - neben dem "Was?" mit der Internet-Suche und dem "Wer?" der persönlichen Kontakte. "Die Ortsdimension wird die Art und Weise verändern, wie man Inhalte im Internet suchen wird", sagt Halbherr im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Neben den ortszentrischen Anwendungen im engeren Sinne werden auch zentrale Apps für Kontakte, Termine und Fotos mit ortsbezogenen Informationen erweitert." Ein weiterer Trend gehe dahin, ortsbezogene Elemente in die Kommunikation einzubauen.

Der langjährige Handy-Weltmarktführer aus Finnland hat bei Smartphones den Anschluss an Android und iOS bislang verpasst, will nun aber zusammen mit Microsoft "das dritte mobile Ökosystem" errichten. "Unser Partner Microsoft liefert dafür die Kernkompetenz des Betriebssystems, wir stellen die Kartenplattform bereit", erklärte Halbherr. Die Basis für die Nokia-Kartendienste kommt von der US-Firma Navteq, die 2007 für 8,1 Milliarden Dollar übernommen wurde. Im Zuge der im Februar 2011 vereinbarten Partnerschaft mit Microsoft sind die Bing Maps des Windows-Konzerns mit den Nokia Maps zusammengewachsen. Die Kartenplattform soll auch anderen Unternehmen angeboten werden.

Laut Halbherrs müsste eine Investition von rund einer Milliarde Dollar getätigt werden, um einen Kartendienst fürs Smartphone aufzubauen. Dazu gehört nicht zuletzt der Aufbau von Servern, die die Karteninformationen in Millisekunden aufs Handy bringen. Google will die Daten auf Android-Handys jetzt auch offline verfügbar machen - für einzelne Regionen mit einem Datenumfang von jeweils maximal 50 MB.

Map Maker von Google bald für Deutschland

Die Kartenplattformen nehmen eine ständige Verbesserung ihrer Datenbasis vor, woran auch der Nutzer teilhaben kann. Dafür wurde 2008 vom Suchmaschinen-Giganten Google die Software Map Maker entwickelt. Damit soll die Übermittlung der Daten der Karten schneller erfolgen sowie eine einfachere Daten-Erfassung möglich sein. Im Sommer soll die Google-Software für Deutschland veröffentlicht werden und bald insgesamt in zwölf weiteren Ländern zur Verfügung stehen.

Das geht schon in die Richtung des "Crowdmappings" bei OpenStreetMap (OSM): Hier steuern weltweit mehr als 500 000 Freiwillige Geodaten bei, die sie selbst erfasst haben. "Der Datenbestand wächst täglich", sagt Roland Ramthun von OpenStreetMap Deutschland. "In den Städten haben wir in Deutschland eine nahezu flächendeckende vollständige Abdeckung. Auf dem Land wird es etwas kitzliger."

International sieht sich OSM bei den Karten in Entwicklungsländern sogar im Vorteil - das sei für die Unternehmen kommerziell nicht interessant genug, erklärt Ramthun. Hier arbeitet das Projekt auch mit Organisationen wie der Weltbank und den Vereinten Nationen zusammen.

Das OSM-Projekt versteht sich als Anbieter freier Geodaten - andere können dann kreativ werden, um damit eigene Kartendienste zu entwickeln. Den Wettbewerb der großen Internet-Unternehmen sieht der Trierer Student Ramthun gelassen: "Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den kommerziellen Anbietern, weil wir nicht unter dem Druck stehen, Geld verdienen zu müssen." Umgekehrt sei das Verhältnis ähnlich entspannt. So habe Google schon einmal mehr als 1 000 Dollar für einen neuen Server gespendet.

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