Cloud Computing

Europäische Cloud: Altmaier präsentiert Pläne für "Gaia X"

Immer mehr Daten werden in die Cloud ausge­lagert. Doch viele Unter­nehmen scheuen sich, die Daten außer­halb Europas zu spei­chern. Das Projekt Gaia X soll das unnötig machen.
Von mit Material von dpa
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Bundes­wirt­schafts­minister Peter Altmaier (CDU) will am Dienstag seine Pläne für eine euro­päische Cloud-Lösung präsen­tieren. Wie die FAZ berichtet, sollen sich Cloud-Anbieter, insbe­sondere klei­nere, über ein offenes Netz­werk mitein­ander verknüpfen und so eine euro­päische "Daten­wolke" bilden. Damit soll eine "leis­tungs- und wett­bewerbs­fähige, sichere und vertrau­enswür­dige Daten­infra­struktur für Europa" geschaffen werden, heißt es in einem gemein­samen Papier des Wirt­schafts­minis­teriums und der betei­ligten Akteure, das der dpa in Auszügen vorliegt.

An dem Projekt sind Anwender und Anbieter aus der öffent­lichen Verwal­tung, dem Gesund­heits­wesen, Unter­nehmen und wissen­schaft­lichen Einrich­tungen betei­ligt.

Nach Angaben des Minis­teriums will Altmaier das Projekt unter dem Namen "Gaia X" auf dem Digi­tal­gipfel in Dort­mund vorstellen. Zuvor hatte die "Frank­furter Allge­meine Zeitung" darüber berichtet.

Offen auch für Markt­teil­nehmer außer­halb Europas

Gaia X: Europäische Rechenzentren sollen zu einer Cloud verbunden werden.Gaia X: Europäische Rechenzentren sollen zu einer Cloud verbunden werden. Altmaiers Behörde habe "in den vergan­genen Wochen gemeinsam mit zahl­reichen Akteuren aus der Wirt­schaft die ersten Schritte hin zu einer vernetzten Daten­infra­struktur für Deutsch­land und Europa erar­beitet", hieß es aus dem Minis­terium. In dem Papier wird eine vernetzte Daten­infra­struktur als "Wiege eines vitalen, euro­päischen Ökosys­tems" bezeichnet. "Daten werden der bedeu­tendste Rohstoff der Zukunft", so das Minis­terium. "Deutsch­land und Europa benö­tigen deshalb eine Daten­infra­struktur, die unsere Daten­souve­ränität gewähr­leistet und es ermög­licht, dass Daten breiter als derzeit und sicher zur Verfü­gung stehen."

Dass die bishe­rigen Cloud-Markt­führer Amazon Web Services und Micro­soft aus den USA als Partner mit einsteigen, ist nicht unwahr­schein­lich: Das Netz soll auch "Markt­teil­nehmern außer­halb Europas" offen stehen, sofern sie "unsere Ziele der Daten­souve­ränität und Daten­verfüg­barkeit" teilen.

Posi­tives Echo bei den Parteien

Die Pläne von Bundes­wirt­schafts­minister Peter Altmaier (CDU) für eine euro­päische Cloud-Lösung haben partei­über­grei­fend ein posi­tives Echo ausge­löst. „Prin­zipiell halte ich es für richtig, zur Wahrung der digi­talen Souve­ränität auch indus­trie­poli­tisch aktiv zu werden“, sagte der digi­talpo­liti­sche Spre­cher der SPD-Bundes­tags­frak­tion, Jens Zimmer­mann, dem Handels­blatt. Damit das Projekt des Minis­ters mit dem Namen „Gaia X“ am Ende zum Erfolg führt, brauche es aber noch mehr euro­päische Unter­stüt­zung. Hier müsse Altmaier drin­gend weitere Partner mobi­lisieren.

Der Grünen-Digi­talpo­litiker Dieter Janecek sprach von einem über­fälligen Vorstoß. „Der deut­sche und euro­päische Weg darf aber nicht sein, eigene mono­polar­tige Tech-Giganten groß­zuziehen“, sagte er dem Handels­blatt. Der Fokus müsse auf der Stär­kung einer viel­fältigen und inno­vative n IT-Land­schaft liegen, indem Unter­nehmen durch rechts­sichere Koope­rati­onsformen auch befä­higt würden, alter­native Ange­bote zu markt­beherr­schenden Anwen­dungen und Akteuren zu entwi­ckeln.

Bundes­forschungs­minis­terin Anja Karli­czek (CDU) lobte das Enga­gement der deut­schen Wirt­schaft beim Aufbau von "Gaia X". Damit zeigten die deut­schen und euro­päischen Unter­nehmen, dass sie bereit seien, "im digi­talen Zeit­alter weiter vorne dabei sein wollen, ohne in Abhän­gigkeit von Groß­unter­nehmen oder Staaten zu geraten", sagte sie dem "Handels­blatt". Die CDU-Minis­terin bezeich­nete "Gaia X" als eines der wich­tigsten Digital-Projekte, um die Spit­zenpo­sition der deut­schen und euro­päischen Wirt­schaft inter­national zu vertei­digen.

Start Ende 2020

Im nächsten Schritt geht es laut Minis­terium darum, das Projekt in eine geeig­nete Rechts­form zu über­führen. Diese Orga­nisa­tion werde sich um eine Refe­renz­archi­tektur, tech­nische Anfor­derungen und ein Regel­werk kümmern. "Sie wird der Kern des euro­päischen Ökosys­tems sein. Wir streben eine Grün­dung der Orga­nisa­tion im ersten Halb­jahr 2020 an." Erste Anwen­dungen soll es Ende 2020 geben.

Die Bundes­regie­rung ist mit ihrem Projekt einer euro­päischen Cloud nicht alleine. Auch Unter­nehmen wie Micro­soft unter­werfen sich mit ihren Cloud-Diensten den euro­päischen Daten­schutz­gesetzen. Aller­dings hat der Konzern zuletzt ein biss­chen zu viel des Guten getan. Verschie­dene Restrik­tionen haben die Kunden abge­schreckt, weswegen die Ameri­kaner vor kurzem das Angebot ihrer rein deut­schen Cloud-Lösung neu gestalten mussten. teltarif.de berich­tete

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