Glasfaser

G.fast: Breko kündigt wissenschaftlich begleiteten Praxistest an

Mit G.fast kündigen sich Bandbreiten von 500 MBit/s und mehr über die Kupferader an. Ein Industriestandard fehlt und die Glasfaser muss noch näher zum Kunden kommen als schon bei VDSL und VDSL Vectoring der Fall. Jetzt kündigt der Breko an, die Technik einem umfangreichen Praxistest zu unterziehen.
Von Hans-Georg Kluge
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Breko startet Praxiserprobung von G.fast.Breko startet Praxiserprobung von G.fast. Der Branchenverband Breko hat angekündigt, die G.fast-Technologie in einem wissenschaftlich begleiteten Praxistest zu erproben. Zusammen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen wollen die im Breko organisierten Firmen verschiedene Varianten der G.fast-Technik ausprobieren. Einen Industriestandard gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

G.fast erfordert kurze Leitungen

G.fast nutzt hohe Frequenzbereiche, um Daten über die Kupferleitung auf den letzten Metern zwischen dem Kunden und dem Netz des Anbieters zu übertragen. Allerdings darf die Leitung höchstens 250 Meter lang sein. Bei größeren Längen komme das Verfahren an seine Grenzen so der Breko. Daher eigne sich G.fast vor allem, wenn die Glasfaser bis in das Gebäude (FTTB) verlegt ist. Nur auf der Kupferleitung kommt dann G.fast zum Einsatz.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen speziellen Einspeisepunkt unter dem Gehweg zu installieren - dies nennt sich auch Fibre-To-The-Distribution-Point (FTTdp) oder auch Fibre-To-The-Street (FTTS). Die Einspeisepunkte sind aber in Deutschland selten, müssten also beim Netzausbau erst angelegt werden. Dann sei es aber sinnvoller, die Glasfaser direkt ins Haus zu legen. G.Fast ist jedenfalls die Technologie für die letzten Meter zum Kunden.

Langfristig soll G.fast die VDSL-Vectoring-Technologie ersetzen. Selbst ist G.fast aber auch nur eine Übergangstechnologie. Für hohe Ge­schwin­dig­keiten wird es letztlich unersetzlich bleiben, die Glasfaser bis in die Wohnung des Kunden zu verlegen.

G.fast für flächendeckenden Ausbau nicht geeignet

"Aus diesem Grunde kann G.fast per FTTdp technologiebedingt nur wenig zum flächendeckenden Ausbau mit schnellen Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum beitragen", erläutert Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. "Gerade hier haben wir es in der Regel mit sehr hohen Leitungslängen zu tun, so dass es wirtschaftlich und auch für den Kunden deutlich sinnvoller erscheint, die Glasfaser als zukunftssichere Technologie nicht nur auf die Straße bis vor das Gebäude, sondern direkt bis in die Häuser (FTTB/FTTH) zu legen." Gegen den Einsatz von G.fast zur Erhöhung der Bandbreiten über die vorhandene Kupfer-Hausverkabelung spricht für den Breko zumindest technologisch nichts. "Bis die Glasfaser direkt in jede Wohnung gelegt werden kann, stellt G.fast einen sinnvollen Weg dar, um Menschen und Unternehmen sehr hohe Bandbreiten zu wirtschaftlichen Konditionen zur Verfügung stellen zu können", unterstreicht Albers.

Der Verband fordert die Regulierungsbehörden auf, einen wettbewerbsverträglichen Einsatz von G.fast zu gewährleisten. Da G.fast ebenfalls auf Vectoring-Technologien setzt, um Störungseinflüsse in den Kupferleitungen zu eliminieren, kann auch G.fast an einem Leitungsstrang nur von einem Anbieter genutzt werden. Breko-Vizepräsident und Versatel-Chef Johannes Pruchnow sagt: "Es muss von vorne herein sichergestellt werden, dass G.fast von allen Netzbetreibern zu fairen und chancengleichen Bedingungen eingesetzt werden kann. Quasi-Monopole darf es im Jahr 15 der TK-Liberalisierung nicht mehr geben."

Auch die Telekom hat G.fast für sich entdeckt. Der Ex-Monopolist will die Technik ebenfalls in diesem Jahr in der Praxis erproben.

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