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Bundesliga und DFB-Pokal im Radio werden kostenpflichtig

Wer alle Bundesliga- und DFB-Pokalspiele im Radio empfangen will, braucht künftig ein Abo für Amazon Music. Mit einem WLAN-Radio oder über DAB+ ist der Empfang nicht mehr möglich.
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Vor einem Jahr hatte sich Amazon die Übertragungsrechte für die Spiele der 1. und 2. Fußball-Bundesliga im Web- und Digitalradio gesichert. Somit steht schon seit gut zwölf Monaten fest: Die allumfassende Hörfunkberichterstattung, die nach 90elf zunächst Sport1.fm übernommen hatte, wird ab der Saison 2017/18 von Amazon übernommen. Dabei hatte der Internet-Konzern bereits angekündigt, die Übertragungen im Rahmen seiner Amazon-Music-App anzubieten.

Zuletzt gab es Gerüchte, nach denen Amazon eine Kooperation mit Sport1 eingehen könnte, sodass das Webradio Sport1.fm unter Umständen auch in der neuen Saison Fußball live übertragen kann. Jetzt hat Amazon aber - wie berichtet - seine Pläne für die Bundesliga-Berichterstattung präzisiert und zugleich bekanntgegeben, auch die Audio-Streaming-Rechte für die 63 Spiele des DFB-Pokals in der kommenden Saison erworben zu haben.

Bundesliga nur in Verbindung mit Amazon Prime

Konni Winkler war bei den Bundesliga-Radios von Anfang an dabeiKonni Winkler war bei den Bundesliga-Radios von Anfang an dabei Wie schon vor einem Jahr angedeutet wird die Sportberichterstattung in Amazon Music integriert. Das bedeutet aber auch: Kostenlos - wie bisher bei 90elf und Sport1.fm - gibt es die Übertragungen nicht mehr. Wer die Spiele der 1. und 2. Fußball-Bundesliga hören möchte, kommt mit der Amazon-Prime-Mitgliedschaft aus, die auch zur Nutzung von Amazon Prime Music berechtigt.

Der DFB-Pokal ist wiederum nur dann zugänglich, wenn Amazon Music Umlimited abonniert wird. Dabei handelt es sich um einen mit Spotify, Apple Music oder Google Play Musik vergleichbaren Streaming-Dienst, der knapp 9,99 Euro im Monat kostet. Für Prime-Mitglieder reduziert sich der Preis auf 7,99 Euro. Noch günstiger wird es nur mit dem Amazon Echo - aber auch nur dann, wenn der Dienst ausschließlich auf diesem Endgerät genutzt werden soll.

Landesrundfunkanstalten übertragen nicht alle Spiele

Die Bundesliga und der DFB-Pokal verschwinden damit auch im Radio hinter eine Bezahlschranke - es sei denn, der Fan gibt sich mit den Übertragungen der ARD-Landesrundfunkanstalten zufrieden. Dort sind aber keineswegs alle Spiele zu hören. Abseits der "klassischen Bundesliga-Spielzeit" am Samstagnachmittag werden bestenfalls Ausschnitte von Partien der Mannschaften aus dem eigenen Sendegebiet ausgestrahlt. Der Eintracht-Frankfurt-Fan, der in München wohnt, hat somit ebenso das Nachsehen wie der Werder-Bremen-Fan mit Wohnsitz in Brandenburg.

Amazon teasert die Bundesliga-Berichterstattung anAmazon teasert die Bundesliga-Berichterstattung an Die Kosten für die Bundesliga- und DFB-Pokal-Übertragungen bei Amazon sind indes nicht die einzige Verschlechterung für den interessierten Radiohörer. 90elf war neben dem Internet auch über DAB+ zu empfangen - neben der Konferenz auch mit allen Einzelspielen. Der Nachfolger Sport1.fm konnte nur noch den Konferenz-Stream parallel im terrestrischen Digitalradio übertragen. In der vergangenen Saison verzichtete der Veranstalter dann auf terrestrische Sendungen und zog sich ins Internet zurück.

Bei Amazon ist aber nicht einmal die Wiedergabe mit WLAN-Radios vorgesehen. Stattdessen setzt Amazon Music auf Apps für Android und iOS, auf die eigenen Fire-Geräte und den Echo sowie auf Sonos, wo sich der Musikstreamingdienst mit integrierter Sportberichterstattung einbinden lässt. Die Apps bieten nicht einmal GoogleCast-Unterstützung, so dass es nur per Bluetooth oder über eine Kabelverbindung möglich ist, die Reportagen auf der HiFi-Anlage wiederzugeben.

Amazon stärkt eigene Dienste

Aus Sicht von Amazon ist diese Strategie konsequent, stärkt man doch die eigenen Dienste und deren Infrastruktur, auch wenn es wünschenswert wäre, für die Sportberichterstattung eine eigene App ins Leben zu rufen, um den Musikservice nicht zu überfrachten. Aus Sicht des Hörers ist die neue Art der Bundesliga- und DFB-Pokal-Übertragung im IP-Radio ein klarer Rückschritt.

Programmlich dürfte Amazon indes an die Inhalte von 90elf und Sport1.fm anknüpfen können. Reporter und Moderatoren wie Oliver Faßnacht und Konni Winkler, Alex Schlüter und Benni Zander waren auch bei den bisherigen Sportradios in der deutschen Medienlandschaft schon dabei. In einem Ratgeber finden Sie weitere Details zu den Möglichkeiten, Sport-Events via Internet zu empfangen.

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