Fusionsthema

Unitymedia-Vodafone: Monopolkommission sieht Vorteile

Die Fusion von Vodafone und Unitymedia stößt in der Branche auf völlige Ablehnung bis weitgehende Zustimmung. So schnell ändert sich erst einmal nichts.
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Unitymedia und Vodafone, wie wird das zusammenpassen?Unitymedia und Vodafone, wie wird das zusammenpassen? Die am Mittwoch bekanntgegebene geplante Fusion zwischen Vodafone (Kabel-Deutschland) und Unitymedia bewegt die Branche. Die Reaktionen reichen von kompletter Ablehnung (etwa durch Telekom Chef Tim Höttges) bis hin zu Zustimmung, etwa durch den Chef der Monopolkommission.

Monopolkommission: Spürbare Vorteile

Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, sieht in der Fusion von Vodafone und Unitymedia spürbare Vorteile für den Ausbau des schnellen Internets in Deutschland. Er glaubt, dass die Fusion von Unitymedia und Vodafone einen „großen neuen Spieler auf dem Breitband-Markt“ schaffe, „was den Wettbewerb dort beleben wird. Das wird eine positive Wirkung auf den Breitbandausbau haben“. Dies sagte Wambach in einem Interview mit dem in Düsseldorf erscheinenden Handelsblatt. Noch ist der Kauf nicht in trockenen Tüchern, die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Aber auch Wambach sieht bestimmte Probleme für den Wettbewerb und zwar auf dem Kabelmarkt, also bei der Übertragung von TV-Programmen über das Kabel. „Es kommt jetzt darauf an, wie schwer für die zuständige Wettbewerbsbehörde die Vorteile auf dem Breitbandmarkt gegenüber den möglichen Nachteilen auf dem Kabelmarkt wiegen.“

Wird die Bundesnetzagentur ein Vorleistungsprodukt fordern?

Spekuliert wird darüber, ob die Bundesnetzagentur (BNetzA) den Mega-Deal mit der Auflage verknüpfen könnte, auch andere (konkurrierende) Anbieter auf das neue Vodafone-Kabelnetz lassen zu müssen. Sei es durch Resale (ein anderer Anbieter schreibt seinem Kunden weiter die Rechnung, "verkauft" aber einen Kabelanschluss der neuen fusionierten Vodafone) oder ob sogar die Bereitstellung eines Vorleistungsproduktes erzwungen wird: Sprich der Kunde bucht weiter bei seinem Wunschanbieter, der dann bei Vodafone die Leistung "Internetversorgung" (ähnlich der VULA = virtual unbundled access bei der Telekom) zu regulierten Preisen einkaufen können muss.

Dieses Jahr wird's nichts mehr

Bei Vodafone geht man davon aus, dass die notwendigen Genehmigungen erst im Jahre 2019 vorliegen werden. Dann müssen die Kundendatenbanken zusammengeführt und die Tarifwelten zusammengefasst und vereinfacht werden. Das ist ein ziemlich komplexes Unterfangen. Unitymedia hatte seinen Kabel-TV-Kunden bisher Mobilfunkangebote im Netz von o2 (Telefónica) verkauft. Diese Verträge müssen dann seitens Unitymedia bei o2 fristgerecht gekündigt und den bestehenden Kunden ein Migrationsangebot vom Netz von Telefónica ins Netz von Vodafone gemacht werden, dem die Kunden selbstverständlich widersprechen können. Aus gutem Grund: Es kann durchaus Regionen geben, wo Telefónica (o2) besser versorgt als Vodafone.

Beschleunigt die Fusion den Ausbau oder bremst sie ihn?

Ob die Fusion nun den Ausbau sofort und spürbar beschleunigt ist noch nicht sicher. Wie lange wird es dauern, bis Vodafone das neue Unternehmen komplett integriert und alle Mitarbeiter auf die neuen Ziele und Unternehmenskultur eingeschworen hat? Bleiben dann noch genügend Ressourcen, um sich um den Netzausbau vorhandener oder neuer Regionen zu kümmern?

Kabel-TV-Netze sind für schnelles Internet nur bedingt geeignet

Internet über Fernsehkabelnetze "funktioniert" in der Praxis nicht so optimal, wie Internet über klassische Kupferzweidrahtleitung oder Glasfaser. Viele Anwender beklagen immer wieder, dass die Internet-Angebote etwa von Kabel-Deutschland (Vodafone) oder Unitymedia (künftig auch Vodafone) zur Hauptsendezeit stark einbrechen, das bedeutet: Normales Surfen im Internet kann ab 20 Uhr ("Tagesschau") nicht mehr möglich sein. Dies hängt mit der Cluster-Netzstruktur der Kabelnetze zusammen und kann nur durch massiven Ausbau der bereits bestehenden Netze mit weiteren internen Netzknoten erreicht werden. Kunden, die ihre TV-Programme lieber über Drittanbieter wie Netflix als aus dem Angebot der Kabel-TV-Anbieter beziehen möchten, könnten ebenfalls unter schlechter Performance leiden.

Welche Vorteile haben Vodafone Mobilfunkkunden?

Eine wesentliche Idee hinter der Fusion ist der günstigere Zugang zu bestehenden Festnetz-Infrastrukturen der Kabel-Anbieter, womit Vodafone unabhängiger von Zulieferungen der Telekom werden möchte. Mit dem neuen Netz möchte Vodafone seine Mobilfunkbasisstationen mit schnellen Signalen versorgen. Das mag in Ballungsgebieten funktionieren, wenn der Sender auf einem Wohnhaus steht, das schon einen Kabel-TV-Anschluss hat. Nur: Sendestationen in der Provinz, oft weitab vom nächsten Ort erreichen die Koax- oder Glasfaserkabel der TV-Abteilung aber nicht. Da muss weiter selbst gegraben und verlegt oder eine Leitung bei der konkurrierenden Telekom gemietet werden.

Wie reagiert die Telekom?

Auch die Telekom wird in irgendeiner Form reagieren, sei es durch einen noch massiveren Netzausbau, tariflich interessantere Angebote oder vielleicht auch durch einen langwierigen Rechtsstreit, der die Fusion vorerst einmal verzögert oder auf Eis legt.

Was passiert bei Unitymedia-Kunden?

Für die Kunden von Unitymedia wird sich im Moment erst einmal nichts ändern. Sie sind erst betroffen, wenn die Fusion mit oder ohne Auflagen im nächsten Jahr genehmigt wurde. Spannend bleibt es auf jeden Fall.

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