US-Fusion

Details zur T-Mobile-Sprint-Fusion: CDMA-Umstellung in drei Jahren

Wird die Fusion von T-Mobile USA mit Sprint genehmigt, werden alle Kunden von Sprint von CDMA 800 auf LTE-Plus-SIM-Karte umgestellt. Telekom Chef Höttges deutet weitere Projekte an.
AAA
Teilen (9)

Lange wurde darüber spekuliert, dann wurden die Gespräche nach einem freundschaftlichen Abendessen erst einmal offiziell beendet, um wenig später heimlich wieder aufgenommen zu werden. Gestern gab es endlich Klartext: Die Mobilfunkunternehmen T-Mobile USA und Sprint werden sich zusammenschließen und als neue "T-Mobile" firmieren, wie T-Mobil. Boss John Legere und Sprint Chef Marcelo Claure in einem Informationsvideo zur Fusion mitteilen.

Neue T-Mobile USA bleibt in Bellevue

T-Mobile US Flagship Store am Times Square, New York, USAT-Mobile US Flagship Store am Times Square, New York, USA Das Hauptquartier des neuen Unternehmens soll in Bellevue, im Bundesstaat Washington (US-Westküste), bleiben und wird weiter vom bisherigen T-Mobile-Chef John Legere geführt. T-Mobile-Geschäftsführer (COO) Mike Sievert bleibt im Vorstand. Weitere Mitglieder des neuen Managements werden in der nächsten Zeit aus beiden Unternehmen ausgewählt, bis das sogenannte "Closing" erfolgt ist, berichtet das Portal MobileworldLive des Mobilfunkweltverbandes GSMA .

SoftBank bleibt an Bord

Sprint gehörte bisher der japanischen SoftBank, die vom Internet-Unternehmer und Visionär Masayoshi Son geleitet wird. Son und der bisherige Chef von Sprint, der Bolivianer Marcelo Claure, werden ebenfalls im neuen Gesamt-Vorstand vertreten sein. Marcelo Claure war Mitbegründer des weltweit tätigen Mobilfunkgroßhändlers und Distributors ("Broadliner") Brightstar, bevor er 2014 zu Sprint kam.

Nach Zahlen des Mobilfunkweltverbandes GSMA sind T-Mobile US und Sprint die dritt- und viertgrößten Mobilfunknetzbetreiber in den Vereinigten Staaten mit einem Marktanteil von 19 respektive 12 Prozent. Unangefochtener Marktführer in den USA bleibt das Unternehmen Verizon (36 Prozent), gefolgt vom Telefon-Veteranen AT&T (mit 30 Prozent). Die neue "T-Mobile US" läge dann auf Platz zwei aller Mobilfunkunternehmen in den USA.

Mehr Netzausbau in der Provinz

Marcelo Claure und John Legere kündigten an, dass das neue Unternehmen massiv den Netzausbau in den ländlichen Regionen der USA vorantreiben wolle, wo die Leute teilweise noch gar keinen oder keinen vernünftigen Internet- oder Telefonzugang haben. Durch den Aufbau und Betrieb von neuen Mobilfunkläden und den Netzausbau, die Schaffung oder Erweiterung von Call-Centern zur Kundenbetreuung würden jede Menge neue Jobs entstehen. Insgesamt sollen etwa 33 Milliarden Euro (40 Milliarden US-Dollar) neu investiert werden.

Beim Netzausbau von 4G (LTE) sind die USA weltweit führend, der künftige Aufbau von 5G sei nur gemeinsam möglich. Das gemeinsame Netz solle besser und leistungsfähiger sein und mehr Innovation bieten. Die Preise würden dennoch sinken.

Leistungsfähigeres Netz

T-Mobile-USA-Technik-Chef Neville Ray betonte, dass die Kombination der Mobilfunkfrequenzen bei 2,5 GHz, welche Sprint besitzt und bei 600 MHz, welche T-Mobile vor einiger Zeit ersteigert hat, die höchste Netzkapazität in der Geschichte der USA bieten würden. In blumigen Worten wird das künftige T-Mobile-USA-Netz als "mother of all networks" tituliert. Es soll 85 000 Makro-Basisstationen und 50 000 zusätzliche "Small Cells" (kleine Sendeanlagen) haben. Dennoch wird die fusionierte T-Mobile bei der amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) für weiteres Spektrum im Milimeter-Bereich bieten.

Drei Jahre Zeit: CDMA-Kunden wechseln auf LTE

Im Moment verwenden Sprint und T-Mobile noch total unterschiedliche Technologien. Konkret: Sprint-Kunden telefonieren derzeit mit CDMA-Technologie im 800-MHz-Bereich, die es so (fast) nur in den USA gibt. Bestehende Sprint-Kunden werden in den nächsten drei Jahren von CDMA zu Voice-over-LTE-fähigen 4G-Telefonen (LTE/VoLTE) migriert. Etwa 20 Millionen Sprint-Kunden sollen wohl schon T-Mobile-kompatible Geräte haben. Alle Sprint-Kunden brauchen aber eine neue T-Mobile-SIM-Karte und können dann mit einem passenden Handy sofort weiter telefonieren. Das bisher bei Sprint verwendete CDMA-Verfahren kennt nämlich gar keine SIM-Karten, die Freischaltung erfolgt hier über die Seriennummer des Handys. Die Umstellung von CDMA auf LTE wird stark forciert werden, das vorhandene CDMA-800-Netz soll nur noch solange laufen, bis alle Kunden umgestellt worden sind.

Segen der US-Kartellbehörden notwendig

Noch ist die Geschichte nicht in trockenen Tüchern, denn erst müssen die amerikanischen Behörden, sowohl die Aufsichtsbehörde FCC als auch das Justizministerium zustimmen. Das gilt nicht unbedingt als sicher. Schon einmal hatte das Ministerium unerwartet die Fusion von AT&T und Time Warner verhindert. Sollte dennoch alles klar gehen, vermuten Beobachter, dass der Vorgang Anfang bis Mitte 2019 abgeschlossen sein könnte.

Auch der Optimismus, dass viele neue Jobs entstehen könnte, wird nicht von allen Beobachtern geteilt. Die Fusion bringe vor allen Dingen Kostenersparnisse (man spricht von knapp 5 Milliarden Euro), und das könnte auch den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten. Auch sei nicht sicher, dass die Preise wirklich weiter sinken würden.

Telekom-Chef Höttges will weiter für Zusammenschluss von T- Mobile US und Sprint kämpfen

Für Tim Höttges ist der Zusammenschluss „ein historischer Moment für die Deutsche Telekom“ sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt. Höttges ist optimistisch, die Genehmigung der Kartellbehörden zu bekommen. Der Deal sei gut für die Kunden und den Wettbewerb in den USA. „Deshalb glauben wir an diesen Deal. Und daran, dass er genehmigt wird.“. Er wolle weiter dafür kämpfen.

Weitere Projekte denkbar?

Höttges ist zufrieden mit dem „guten Draht zu SoftBank, den wir jetzt haben“. Es sei eine gute Partnerschaft und sogar Freundschaft entstanden, so der Telekom-Chef. Konkrete weitere gemeinsame Pläne gebe es noch nicht: „Wir sind keine Konkurrenten. Wir sind Marktführer in Europa und SoftBank in Japan. Das macht viel möglich, aber noch ist nichts Konkretes geplant. Wir denken ähnlich über Innovationsmodelle, SoftBank ist da sogar noch weiter als wir.“

Was bringt der Deal für deutsche Kunden?

Für deutsche Kunden ändert sich zunächst nicht viel. Die Roaming-Tarife bleiben die gleichen. Durch den besseren Netzausbau werden aber auch deutsche Kunden in den USA mehr Flächendeckung und schnellere Internetverbindungen nutzen können. Denkbar wäre aber auch, dass eines Tages günstigere Roaming-Tarife - wenigstens für deutsche Telekom-Mobilfunk-Kunden - in den USA gelten könnten.

Teilen (9)

Mehr zum Thema Timotheus Höttges