Optimistisch

Entscheidung: Fusion von T-Mobile und Sprint im Februar?

Bis kurz vor Weih­nachten befragte das Bezirks­gericht Manhattan hoch­rangige Zeugen, ob die Fusion T-Mobile USA und Sprint gegen das Wett­bewerbs­recht verstößt oder nicht. Beob­achter sind vorsichtig opti­mistisch, dass die Fusion klappt.

Für die Führungs­gremien von Deut­scher Telekom oder ihrer USA-Tochter T-Mobile, aber auch beim Noch-Konkur­renten Sprint, dürften die Feier­tage nicht so gemüt­lich wie sonst gewesen sein.

Die Geschichte zieht sich schon länger hin. Mehr­fach hatten T-Mobile und Sprint ihre geplante Fusion bekannt gegeben, frühere Versuche waren aus kartell­recht­lichen Gründen immer wieder stecken geblieben. Im dritten Anlauf sieht es besser aus, es geht um 26 Milli­arden Dollar (23,4 Milli­arden Euro).

Zug zum Zug haben die US-Aufsichts­behörden die Fusion mit Auflagen geneh­migt: So müssen T-Mobile und Sprint ihre Lizenzen für Prepaid-Ange­bote an den Fernseh-Satel­liten-TV-Anbieter "Dish" abgeben, der sich als neue "Nummer Vier" im Markt etablieren soll. Dish kann dann sieben Jahre lang das Netz von T-Mobile zu güns­tigen Kondi­tionen nutzen.

Verhand­lungen bis vor Weih­nachten

USA: Wie wird das Gericht die Fusion von T-Mobile und Sprint beurteilen? USA: Wie wird das Gericht die Fusion von T-Mobile und Sprint beurteilen?
Bild: Picture Alliance / dpa
Noch bis Freitag vor Weih­nachten mussten die Top-Manager von Telekom, T-Mobile, Sprint und Dish und einige Experten vor Gericht ziem­lich detail­lierte Fragen zur Fusion beant­worten. Zwei Wochen lang hatten die pro Fusion argu­mentie­renden Manager immer wieder betont, dass sie keine Preise erhöhen wollten und dass es weiterhin Wett­bewerb geben werde. Tim Höttges, Chef der Mutter­gesell­schaft Deut­sche Telekom, John Legere, der kultige CEO von T-Mobile, die Chefs von Sprint und dem Satel­liten­schüs­selan­bieter Dish wurden nach­einander in den Zeugen­stand gerufen.

14 US-Bundes­staaten hatten geklagt, weil sie den Wett­bewerb in Gefahr sehen: Connec­ticut, Mary­land, Michigan, Virginia, Wisconsin, Hawaii, Massa­chusetts, Illi­nois, Oregon, Minne­sota, Penn­sylvania und Washington DC, ange­führt von der als "mächtig" ange­sehenen New Yorker Gene­ralstaats­anwältin Letitia „Tish“ James und ihrem Kollegen Xavier Becerra für den Staat Kali­fornien.

Die Geschichte hat eine poli­tische Kompo­nente. Die repu­blika­nisch geführte Trump-Admi­nistra­tion hatte die Fusion gut geheißen. Die Kläger stammen aber aus dem demo­krati­schen Oppo­siti­onslager. Da könnte es eher darum gehen, dem unge­liebten Repu­blikaner-Präsi­denten einen "Denk­zettel" zu verpassen, als um die Frage, ob diese Fusion die Mobil­funk­versor­gung der USA verbes­sern könnte.

T-Mobile: Ein 5G-Netz für ganz USA

In den USA ist das Thema 5G hoch aufge­hängt: Derzeit läuft eine Art Wett­rennen, welcher Anbieter seinen Kunden am schnellsten das beste 5G-Netz bieten kann. T-Mobile US liegt hier offenbar derzeit deut­lich vorne.

Die kriti­schen Fragen kreisten um die Themen Preis­entwick­lung oder die Markt­chancen von Dish, die bisher nur Inter­netzu­gang über Satellit im Programm hatten oder die Frage, ob T-Mobile nicht auch ohne Sprint gut weiter wachsen könnte.

Im Publikum sitzen viele Analysten und Inves­toren, die jedem Experten oder Manager gespannt zuhören. Dabei werden die Glas­kugeln poliert, ob das Gericht die Fusion geneh­migt: Die Wetten stehen bei 52 bis 70 Prozent dafür.

Die eigent­liche Entschei­dung liegt bei Richter Oscar Marrero vom US-Bezirks­gericht South District in Manhattan, New York. Der strich lang­atmige Eröff­nungs­plädoyers von der Tages­ordnung, um keine Zeit zu verlieren.

Draußen vor dem Gericht protes­tierten Gewerk­schafts­vertreter gegen die Fusion. Sie sind sauer, weil T-Mobile sie nicht im Unter­nehmen tätig werden lässt, in den USA gelten da andere Regeln als bei der Mutter in Deutsch­land.

Die Abschluss­plädoyers von Staats­anwälten und Vertei­digern sind für den 15. Januar geplant. Dann könnte im Februar das Urteil fallen, ob T-Mobile und Sprint am Ende fusio­nieren dürfen oder viel­leicht doch nicht.

Zuviel Opti­mismus?

Tim Höttges hatte sich unter anderem bei der Bekannt­gabe von Quar­tals­zahlen gegen­über teltarif.de opti­mistisch gezeigt, was einige als "verfrüht" kriti­siert hatten. Inzwi­schen ist man vorsich­tiger geworden. Der USA-Markt ist für die Telekom sehr wichtig: Bereits heute erwirt­schaftet der Konzern mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in den USA. Aus den USA kommt die Einschät­zung, dass sich Höttges und John Legere vor Gericht gut geschlagen hätten. Viele Beob­achter in Bonn gehen also weiter davon aus, dass das Gericht den Zusam­menschluss von T-Mobile US und Sprint erlaubt.

Falls die Fusion statt­findet, muss T-Mobile in den USA sehr kräftig inves­tieren, um mit den Konkur­renten Verizon und AT&T gleich­ziehen zu können. T-Mobile und Sprint haben bereits 40 Milli­arden Dollar (etwa 36 Milli­arden Euro) an Inves­titionen verspro­chen, vor allem unter dem Thema "5G", wobei nicht alles wirk­lich 5G ist, wo schon 5G drauf­steht, wie wir vor Ort erfahren konnten.

36 Milli­arden Euro weitere Ausgaben sind kein Pappen­stiel. In den Büchern stehen bereits 79 Milli­arden Euro Schulden für die ersten neun Monate des letzten Jahres. Höttges musste die bislang jähr­liche Divi­dende von 70 Cent pro Aktie auf 60 Cent zurück­schrauben.

Immer wieder geis­tern Gerüchte durch die Branche, dass die Telekom einige teil­weise frisch erwor­bene Töchter wieder abstoßen könnte, um Geld in die Kasse zu bekommen. Ein Analyst vermutet, dass die Telekom sich nur noch auf Deutsch­land und die USA konzen­trieren könnte.

In den Plan­spielen wäre ein Verkauf der Deut­schen Funk­turm GmbH denkbar, welche alle Sender­stand­orte der Telekom besitzt. Damit käme erst mal Geld in die Kasse, aber im Gegenzug müsste die Telekom dann ihre "eigenen" Stand­orte vom neuen Inhaber zurück­mieten. Ein Schachzug, der Betriebs­wirt­schafts­profis viel­leicht sofort einleuchtet, aber beim Beob­achter eher gespal­tene Gefühle hinter­lässt.

Telekom Alba­nien wurde schon verkauft, auch Telekom Nieder­lande wird als Verkaufs­kandidat genannt oder noch extremer speku­liert: Der komplette Ausstieg aus allen euro­päischen Betei­ligungen, außer im Mutter­land selbst?

Keine krasse Lösung

In Bonn werden solche Speku­lationen nicht gerne gehört. Das in Düssel­dorf erschei­nende Handels­blatt hat sich in Konzern­kreisen umge­hört: "Sehr unwahr­schein­lich" war die Antwort. Aber Ände­rungen dürfte es wohl geben.

Nur soweit sind wir im im Moment noch nicht, jetzt entscheidet erst einmal der Richter in Manhattan. "Entzü­ckend", hätte sicher Serien-Poli­zist Lt. Theo­doros Kojak vom Police-Depart­ment Manhattan-Süd dazu gesagt.

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