Folgen

Telefónica schluckt E-Plus: Was Verbraucher wissen müssen

Jetzt ist es amtlich: Telefónica Deutschland darf E-Plus übernehmen. Auf einer Telefon­konferenz stellte der Netz­betreiber einige Pläne und Ideen vor. Netz-Investitionen und Mehr-Marken-Strategie sind dabei wichtige Säulen. Was Be­stands­kunden jetzt wissen müssen, haben wir zusammen­gestellt.
Von Marie-Anne Winter / Hans-Georg Kluge mit Material von dpa

o2 übernimmt E-Plus - was heißt das für die Kunden? o2 übernimmt E-Plus - was heißt das für die Kunden?
Bild: dpa
Wie bereits gemeldet hat die EU-Kommission Telefónica Deutschland die Übernahme von E-Plus genehmigt. Die Frage ist nun, was sich für die Kunden insbesondere des Netzbetreibers E-Plus ändert. Die kurze Antwort: Erst einmal nichts. Auf einer Telefonkonferenz mit der aktuellen Führungsspitze von Telefónica Deutschland, Rachel Empey und Markus Haas, gab der Münchner Netzbetreiber aber einen kleinen Einblick in die Pläne und Ideen für die Zukunft des künftig von Thorsten Dirks geführten Unternehmens.

Rachel Empey kündigte an, Telefónica Deutschland wolle die Investitionen ins Netz verdoppeln. Ziel sei es, sich auf das Geschäft mit mobilen Daten zu konzentrieren. Dabei strebe o2 an, das beste Netz anzubieten. Markus Haas und Rachel Empey bekräftigten, dass die Übernahme Einsparungen von rund 5 Milliarden Euro durch Synergie-Effekte bringen soll. Konkrete Äußerungen zu Personalabbau oder Standortschließungen seien aktuell aber nicht möglich. Hier verwies Haas darauf, dass Entscheidungen erst dann getroffen werden, wenn die Übernahme abgeschlossen ist.

Für Bestandskunden ändert sich erst einmal nichts

Abseits der Telefonkonferenz stellt sich die Frage, was jetzt auf Bestandskunden des Unternehmens zukommt. Dabei ist klar: Durch den reinen Eigentümerwechsel ändert sich an den Verträgen von Verbrauchern, die im E-Plus-Netz mobil telefonieren und surfen, erst einmal auch nichts. Zunächst muss sich das neue Unternehmen formieren. Aber was kommt dann?

Derzeit ist es schwer vorherzusagen, wie sich die Übernahme langfristig auswirken wird. Denn bei Neuverträgen kann der neue Netzbetreiber ja eigene Konditionen anbieten. Sollte es aber bei bestehenden Tarifen Änderungen geben, die wesentliche Vertragsbestandteile betreffen, muss den Kunden ein Widerspruchsrecht oder ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt werden.

Bei wesentlichen Vertragsbestandteilen handelt es sich um vereinbarte Preise und um die im Vertrag festgeschriebenen Leistungen. Soll also beispielsweise auf einmal eine Community-Option, die Kunden des gleichen Anbieters kostenloses Telefonieren untereinander ermöglicht oder ein anderer Service, etwa die Benutzung des LTE-Netzes ohne Aufpreis wegfallen, darf widersprochen oder außerordentlich gekündigt werden.

Preiserhöhungen oder umfangreiche Änderungen am Vertrag bedürfen der Zustimmung

o2 übernimmt E-Plus - was heißt das für die Kunden? o2 übernimmt E-Plus - was heißt das für die Kunden?
Bild: dpa
Wenn ein Anbieter etwa eine Preiserhöhung oder eine Änderung der Konditionen vorhat, muss er diese dem Kunden unter Angabe einer Frist, nach der die Änderungen wirksam werden, mitteilen. Der Verbraucher kann den Änderungen dann auch widersprechen. "Wenn man nicht einverstanden ist, müsste der alte Vertrag eigentlich weiterlaufen", sagt Martina Totz, Juristin und Telekommunikationsexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Der Haken aus Verbrauchersicht: Bei einem Widerspruch darf auch der Anbieter seinerseits den Vertrag innerhalb der im Vertrag vereinbarten Fristen kündigen.

Es ist allerdings zu erwarten, dass der neue E-Plus-Eigentümer Telefónica kein Interesse daran haben wird, massenweise Vertragskunden mit Änderungen der Konditionen zu einer Kündigung zu bewegen - im Gegenteil kann man eher davon ausgehen, dass die laufenden Verträge zumindest für die vereinbarten Mindestlaufzeiten nicht angefasst werden.

Auch Prepaid-Kunden müssen nicht in Panik verfallen - hier gilt auch, dass das neue Unternehmen sicherlich keine Kunden vor den Kopf stoßen und damit verlieren will - trotzdem lohnt es sich natürlich immer, den Markt im Blick zu behalten, denn durch die Übernahme können sich durchaus günstige Angebotspreise ergeben - auch bei den Konkurrenten, die Kunden für ihre Netze gewinnen möchten. Denn eine der Auflagen war ja, dass Telefónica Netzkapazitäten an Drittanbieter abgeben muss und mit Drillisch sich bereits ein Vertragspartner gefunden hat, der bisher schon durch günstige Angebote seiner Discountmarken aufgefallen ist.

Was passiert mit den E-Plus-Marken?

Telefónica Deutschland selbst ist hierzulande vor allem durch seine Kernmarke o2 bekannt, realisiert aber auch Mobilfunk-Discountmarken wie Fonic, Lidl Mobile oder Tchibo Mobil. Unter eigenem Namen verkauft E-Plus schon lange keine neuen Verträge mehr, sondern konzentriert sich auf die Marke Base. Außerdem steht dieser Netzbetreiber hinter Angeboten wie simyo, Blau oder Aldi Talk. Was mit den verschiedenen Discountmarken der E-Plus-Gruppe geschieht, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Im Rahmen der Telefonkonferenz sagte Markus Haas, dass über die Zukunft einzelner Marken erst nach der endgültigen Bestätigung der Übernahme entschieden werde. Unter anderem sei es derzeit nicht möglich, die genauen Zielgruppen zu vergleichen, da beide Unternehmen noch getrennt auf dem Markt agieren und derartige Informationen nicht austauschen können. Die Multi-Brand-Strategie werde das fusionierte Unternehmen sicher fortführen. Als erste Maßnahme könnte nach dem Zusammengang von o2 und E-Plus ein Festnetz-Angebot für E-Plus-Kunden anstehen. Er bezeichnete die aktuelle LTE-Freischaltung im E-Plus-Netz für fast alle Kunden als Kampagne von E-Plus.

Änderungen am Kundenservice wahrscheinlich

Einerseits spricht einiges dafür, dass Telefónica Deutschland sein Angebot sicherlich vereinheitlichen und auf eine gemeinsame Plattform umstellen möchte, vor allem sollen Vertriebsstrukturen vereinheitlicht und verschlankt werden. Das spricht dafür, dass Marken verschwinden werden. Andererseits sind etwa simyo oder Aldi Talk bekannte, starke Marken mit zahlreichen Kunden, die der neue Anbieter sicher gern behalten möchte.

Wo sich eher etwas ändern wird, ist beim Kundenservice - der wird sicher zusammengelegt, was zu Übergangsproblemen führen kann. Es ist nicht zu erwarten, dass o2-Mitarbeiter sich auf einen Schlag im E-Plus-Tarifportfolio auskennen werden und umgekehrt, allerdings wird man bei Telefónica Deutschland diese Situation auch vorausgesehen haben und sicherlich entsprechend auch E-Plus-Service-Leute übernehmen. Da eins der erklärten Ziele der Fusion aber ist, Synergien zu fördern, kann man davon ausgehen, dass Personal abgebaut werden soll und erfahrungsgemäß führt Personal-Abbau häufig zu Service-Verschlechterungen.

Und gewiss werden auch die zahlreichen Shops beider Netzbetreiber betroffen sein. Hier ist zu erwarten, dass Shop geschlossen und es zu einer Ausdünnung des Filialnetzes kommen wird - zumal ja Mobilfunk-Shops gern in der Nähe von anderen Mobilfunkshops eröffnet werden. Vermutlich werden dann die E-Plus-Shops in aus der Nachbarschaft von o2-Filialen verschwinden.

Wir werden hier auf jeden Fall am Ball bleiben und Sie entsprechend informieren.

Wie die Konkurrenz auf die heutige Genehmigung der Fusion reagiert haben wir für Sie zusammengestellt. Die Telekom zeigt sich in einem Statement kritisch, während Vodafone Marktkonsolidierung prinzipiell begrüßt.

Mehr zum Thema E-Plus-Übernahme