Raus aus Funkloch

Funklöcher durch schlechte Handys und langsame Bürokraten?

Viele Nutzer klagen über Funklöcher. Schuld sind fehlende Sender, aber auch schlechte Handyempfänger. Es gibt einiges zu tun.
Vom Telekom Symposium in Berlin berichtet
AAA
Teilen (13)

Bei einem Technik-Symposium der Deutschen Telekom in Berlin ging es um Funkfrequenzen, die kommende 5G-Versteigerung und den aktuell noch löchrigen Netzausbau. Wir haben schon darüber mehrfach berichtet. Offenbar behindern auch - trotz aller guten Absichten - die bundesdeutsche Bürokratie und "Bedenkenträger" einen schnelleren Ausbau.

Wichtige technische Details unklar

Die Deutsche Telekom baut weiter ihr Netz aus, in Städten und auf dem LandDie Deutsche Telekom baut weiter ihr Netz aus, in Städten und auf dem Land Auf den neuen Frequenzen scheint noch strittig zu sein, ob man TDD- oder FDD-Technologie einsetzen kann. Würden beide Technologien parallel verwendet, könnten Interferenzen (Störungen) auftreten. Dazu müssten sogenannte Schutzabstände eingehalten werden, d.h. zwischen jedem Netzbetreiber werden 20 MHz (der Hersteller Huawei schlägt sogar 30 MHz vor) Schutzabstand gebraucht, wo keine eigenen Nutz-Signale ausgestrahlt werden können, wo aber störende Interferenz-Signale auftreten können. (Laienhaft erklärt: In einem Mietshaus wohnen lautstarke Mieter, weswegen immer eine Wohnung zwischen den Parteien leer bleiben muss, damit es keine gegenseitige Ruhestörung gibt.) Die Netzbetreiber müssen diese Schutzbänder mit ersteigern, können sie aber aktiv gar nicht nutzen.

Mehr Bandbreite durch "Zusammenkleben"

Um mehr nutzbare Bandbreite zu erhalten, werden Frequenzbänder "zusammengeklebt", der Fachmann spricht von "Carrier Aggregation". Hier ist die TDD-Technik interessant. Damit lassen sich auch Frequenzen wie 1500 MHz einsetzen, die nur für den Downlink (vom Sender des Netzbetreibers zum Nutzer) vorgesehen sind. Beim Mobilfunk sind die Download-Datenmengen derzeit noch wesentlich höher als im Festnetz, wo es durch die Cloud-Technologie teilweise schon in Richtung Symmetrie (Uploadgeschwindigkeit gleich Downloadgeschwindigkeit geht)

Neues bauen, wo das Alte noch nicht fertig ist?

Viele Beobachter kritisieren, dass bereits lautstark über 5G diskutiert wird, wo doch 4G noch gar nicht fertig ausgebaut ist.

Mit LTE sind derzeit laut Telekom-Deutschland Chef Dirk Wössner etwa 97,5 Prozent der Bevölkerung versorgt. 5G ist als Evolution (Weiterentwicklung) von 4G zu sehen, die Reichweite und die Bandbreite werden durch massive MIMO (verbesserte Antennen, die auf verschiedenen Ebenen zugleich senden), und durch Carrier-Aggregation (Zusammenkleben von Frequenzen) erzielt.

Im Zuge der permanenten Aufrüstung der bereits bestehenden Netztechnik werden viele vorhandene Antennen gegen 4x4-MIMO-Antennen getauscht. Bereits 50 Prozent der umgebauten Standorte sind auf Single-RAN umgestellt worden. Die Telekom will die Anzahl von derzeit bundesweit aufgebauten 27 000 Makrozellen auf 36 000 erhöhen. Dafür sollen neben klassischen Sendern (mit Mast und Antenne) auch sogenannte Small Cells (kaum sichtbare Mini-Sender zur Versorgung von stark belebten Plätzen) sorgen. Insgesamt etwa 80 Prozent aller Sender und 95 Prozent der LTE-Standorte der Telekom sind schon mit Glasfaser angebunden und somit "5G-ready". Sie können also recht einfach und kostengünstig umgerüstet werden.

Auf den Autobahnen verspricht die Telekom einen "100-prozentigen Ausbau", auch die ICE-Strecken sollen bis 2019 komplett fertig sein, insgesamt wurden schon 500 "Lücken" gefunden.

Von Flächendeckung und Flächendeckung

Bei der Flächendeckung sprechen die Netzbetreiber einmal von der Bevölkerung und das andere Mal von der Fläche. Das stiftet bei Beobachtern viel Verwirrung.

Das nächste Ausbauziel der Telekom sind 98 Prozent der Bevölkerung, was in etwa 80 Prozent der Flache entspricht. Als nächste Stufe sollen bis zum Jahr 2020 bundesweit 99 Prozent der Bevölkerung erreicht werden und im Jahr darauf sollen auch in allen Bundesländern (also jedes Bundesland für sich alleine betrachtet) dann 99 Prozent der Bevölkerung versorgt sein. Die im Eckpunkte-Papier geforderten 500 neuen 5G-Stationen bis 2022 sind nur ein Aspekt, denn die Politik verlangt ja bis dahin auch eine flächendeckende Versorgung mit 100 MBit/s, was schon eine Herausforderung sei.

Warum es an den Landesgrenzen immer wieder ärgerliche Funklöcher gibt und wie National Roaming den Netzausbau in der Fläche zum Erliegen bringen kann, lesen Sie auf der nächsten Seite.

1 2 3 letzte Seite
Teilen (13)

Mehr zum Thema Netzabdeckung