Mecklenburg-Vorpommern

CDU startet Funkloch-Melder

Funkloch-Republik Deutschland - wie schlimm ist es wirklich? Die Funkloch-App von Sachsen-Anhalt wird auf Mecklenburg-Vorpommern ausgedehnt.
Von mit Material von dpa
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Alle reden von der Funkloch-Republik-Deutschland. Teilweise liegt es an unempfindlichen Empfängern oder schlecht verbauten Antennen in modernen Smartphones, aber allzu oft liegt es an fehlendem Signal, weil da einfach nichts ist, was empfangen werden könnte.

Flächenland mit Funklöchern

Auf Initiative der CDU-Landtagsfraktion gibt es eine neue Webseite, wo Funklöcher in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet werden können.Auf Initiative der CDU-Landtagsfraktion gibt es eine neue Webseite, wo Funklöcher in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet werden können. Im landschaftlich reizvollen, aber stellenweise dünn besiedelten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern herrscht in Dörfern oder gar an Bahnstrecken für Handy-Nutzer oft absolute Funkstille. Doch wie groß die Funklöcher sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die CDU Mecklenburg-Vorpommerns will mit einer Funkloch-App für das Land nun Klarheit schaffen.

Ab sofort können unzufriedene Mobilfunknutzer in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Handy (wenn sie wieder Netz haben) oder über das Internet (soweit erreichbar) Funklöcher im Land melden. Die Initiative dazu kommt von der CDU, deren Landes- und Landtagsfraktionschef Vincent Kokert teilte mit, dass App und Internetportal www.funkloch-mv.de seit gestern nutzbar sind.

Gesprächsthema Funkloch

„Die schlechte Netzabdeckung ist bei Gesprächen mit Bürgern eines der Hauptthemen. Wir rechnen damit, dass wir mit unserer Aktion viele Nutzer erreichen“, ist sich Kokert sicher. Er selbst habe auf der Strecke zwischen seinem Heimatort Neustrelitz und Schwerin elf Funklöcher lokalisiert. „Und es sind nicht weniger geworden“, monierte der CDU-Politiker. Schon wenige Stunden nach Freischaltung der App zeigte die Landkarte auf der Internetseite eine Reihe von gemeldeten Funklöchern, viele im Umland Schwerins, bei Tessin und Dargun.

Ländlicher Raum rentiert sich nicht?

Wegen fehlender Rentabilität würden Mobilfunkanbieter den ländlichen Raum häufig nicht ausreichend versorgen und auf Beschwerden nur unzureichend reagieren, erklärte Kokert. Von den Netzbetreibern gebe es hingegen immer Erfolgsmeldungen, die mit Alltagserfahrungen vieler Menschen aber wenig zu tun hätten. Angaben zur Netzabdeckung würden unter Hinweis auf Wettbewerbsschutz nicht gemacht, beklagte Kokert.

Die Kampagne gegen Funklöcher solle nun mit Hilfe der Bevölkerung valide Daten liefern. Diese seien nötig, um dringend erforderliche Nachbesserungen in der Netzabdeckung anschieben zu können. Die Dokumentation werde an die Bundesregierung, die Bundesnetzagentur und die Mobilfunkbetreiber weitergeleitet. Mit dem Koalitionspartner SPD wolle die CDU zudem einen konkreten Forderungskatalog erstellen.

„Ziel ist ein funklochfreies Mecklenburg-Vorpommern“, so Kokert. Das betreffe sowohl Telefonieren als auch Surfen im Internet.

Alte Bekannte

Die von einem Unternehmen im niedersächsischen Sögel entwickelte Funkloch-App sei in ähnlicher Form auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt im Einsatz, sagte Kokert. Er versicherte, dass die Datenerhebung nach den gültigen Vorschriften erfolge, nicht für Bewegungsprofile genutzt werde und zielgenauer sei als bei der Funkloch-App des Bundes: „Die misst den Käse und nicht die Löcher“, sagte Kokert.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte erhebliche Defizite bei der flächendeckenden Mobilfunkversorgung in Deutschland eingeräumt. „Der Zustand, den wir jetzt haben, ist für eine Wirtschaftsnation untragbar“, hatte der Minister im Oktober erklärt und Gespräche mit den Mobilfunk-Anbietern angekündigt.

Breitbandmessung der Bundesnetzagentur

Auf die App "Breitbandmessung" des Bundes verwies unterdessen auch Landesinfrastrukturminister Christian Pegel (SPD). "Ich sehe daher nicht den Sinn einer zweiten, eigenen App nur für Mecklenburg-Vorpommern", sagte Pegel. Die Landesregierung warte zudem ab, ob Sachsen-Anhalt eine Bundesratsinitiative für nationales Roaming starte und werde sich dann - dem Auftrag des Parlaments folgend - in der Länderkammer anschließen.

(Inter)National Roaming

Beim international bereits üblichen Roaming können Handy-Nutzer ohne Zusatzkosten auch die Sendemasten anderer Mobilfunk-Anbieter nutzen. „Wer in Deutschland auf den falschen Anbieter setzt, kann neben einem Funkmast stehen und trotzdem keinen Mobiltelefonempfang haben“, kritisiert der CDU-Wirtschaftsexperte Wolfgang Waldmüller.

Dagegen sperren sich die Netzbetreiber in Deutschland, aus mehreren Gründen: Zum einen werden damit weiße Flecken nicht besser ausgebaut, weil jeder Anbieter auf "die anderen" wartet und zum zweiten, weil damit auch das Tor für einen vierten Anbieter ohne bundesweites Netz aufgestoßen würde, der nur über einen Tiefstpreiswettbewerb bestehen könnte und damit die notwendigen Mittel für den wirklich notwendigen Netzausbau vom Markt fegen würde.

Und schlussendlich würde der hochpreisige Anbieter, der bisher besser ausgebaut hat, "bestraft", weil preisbewusste Kunden lieber beim günstigen Anbieter unterschreiben, wo sie die gleiche Netzversorgung bekommen können.

Eine Lösung wäre die optionale Freischaltung von Roaming durch den interessierten Kunden und die Extra-Berechnung von Roaming-Verbindungen, falls der Kunde sie nutzen will. Letzteres würde aber sofort auf Kritik von Verbraucherschützern stoßen und ist damit auch unrealistisch. Bleibt nur die durchaus denkbare und heut schon mögliche Option, dass die Netzbetreiber untereinander freiwillig Roaming-Abkommen (oder die technisch mögliche Mitnutzung von Basisstationen) vereinbaren, die dann pro Standort oder pro Region verhandelt und freigeschaltet werden müssen.

Was kostet ein Funkloch?

Für Funkloch-App und Internetportal gibt die CDU-Fraktion laut Kokert rund 8000 Euro aus. Um alle Funklöcher zu stopfen, werden einige Milliarden Euro notwendig sein. Diese müssen irgendwie aufgebraucht werden. Die Netzbetreiber könnten dies nur durch die Mobilfunkausgaben der Nutzer tun. Ein regionaler "Funklochzuschlag" wäre kaum realisierbar. Alternativ blieben Steuermittel, welche die Allgemeinheit aufbringen müsste. Beides dürfte nicht sonderlich populär sein.

Durch gezieltes Wechseln zu dem Anbieter, der vor Ort Netz bietet, können die Kunden schon heute "Signale" setzen. Die Anbieter, die dadurch Kunden verlieren, könnten sich ermutigt fühlen diese Ecken doch noch auszubauen, bevor ihnen noch mehr Kunden abhanden kommen.

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