Digitale Dividende

Funk-Internet stört möglicherweise hunderttausende Mikrofone

Kosten für Umrüstung könnten sich auf über eine Milliarde Euro belaufen
Von Marc Kessler

Der Ausbau des schnellen Internets in Deutschland per Funk (Nutzung der sogenannten digitalen Dividende) könnte zu Problemen bei der TV-Übertragung per Kabel führen und den Betrieb drahtloser Mikrofone massiv stören. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, liegen die Funkfrequenzen, die der Bundesrat am kommenden Freitag für das drahtlose Internet freigeben will, in Bereichen, die für andere Branchen reserviert sind.

Im Frequenzband 790 bis 862 Megahertz senden bis 2015 auch drahtlose Mikrofone, die bei Konzerten, Sportveranstaltungen und TV-Shows im Einsatz sind. Die Umrüstung der in Deutschland betroffenen 630 000 Mikrofone würde weit mehr als eine Milliarde Euro kosten, rechnet der Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT) vor.

Möglicherweise gestört wird aber auch das Kabelfernsehen, wie erste Tests des Instituts für Rundfunktechnik in München im Auftrag des Verbands der Kabelnetzbetreiber ANGA - wie bereits berichtet - ergaben. Zu Bildstörungen kommt es danach sogar dann, wenn nicht nur im selbem Raum, sondern auch beim Nachbarn ein Funkinternet-Gerät im Einsatz ist, heißt es.

Airdata kämpft gegen Bundesnetzagentur

Endgültig zur Farce, so die WirtschaftsWoche, werde die für Ende 2009 bzw. Anfang 2010 von der Bundesnetzagentur geplante Auktion der Frequenzen, weil der Netzbetreiber Airdata aufgrund früherer Verträge Ansprüche anmeldet. Airdata-Chef Christian Irmler wirft der Bundesnetzagentur eine Verletzung der EU-Vorgaben vor und will "durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof" klagen. Airdata erwartet, dass kein Netzbetreiber Frequenzen mit dem Makel eines schwebenden Rechtsstreits ersteigert und dort teure Infrastruktur aufbaut.

Weitere Artikel zur digitalen Dividende