Breitbandausbau

Mehr Highspeed mit mehr Glasfaser

In den vergan­genen Wochen haben insbe­sondere zwei Unter­nehmen beim Glas­faser­ausbau aufs Tempo gedrückt. Die Deut­sche Telekom gehört aber nicht zu dem Duo, wenn­gleich sie eben­falls für viele Haus­halte die Surf-Geschwin­digkeit erhöhte.
AAA
Teilen (8)

Auf der Fach­messe Anga Com nannte Voda­fone-Deutsch­land-CEO Hannes Amets­reiter sein Pendant von der Deut­schen Glas­faser, Uwe Nickl, den unge­krönten Glas­faser­könig von Deutsch­land. Nickl und sein Team scheinen jedoch die Krönung anzu­streben, denn ihr Netz wächst stetig weiter. In Feld­bergen, Hohen­eggelsen sowie im Lingener Stadt­teil Scheps­dorf hat die Deut­sche Glas­faser über 40 Prozent der Haus­halte von einem Vertrags­abschluss über­zeugt, sodass in den Kommunen FTTH-Netze gebaut werden. Die Planungs­phase der Tief­bauar­beiten hat bereits begonnen.

Glasfaserausbau Nickl Ametsreiter
Deutsche-Glasfaser-CEO Uwe Nickl (links) und Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter, hier mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel bei einem gemeinsamen Projekt aus dem Jahr 2017, haben in den vergangenen Wochen einige Glasfaserausbauten gestartet
Im Kreis Büren will die Deut­sche Glas­faser mit innogy TelNet koope­rieren. Über­legt wird, im Sinne einer „Open Access“-Option die Dienste des einen im Netz des ande­ren TK-Unter­nehmens anzu­bieten. In Wewels­burg, Brenken und Weiberg würde sich die Deut­sche Glas­faser mit ihren Tarif­ange­boten auf das Netz von innogy TelNet schalten. Umge­kehrt wird disku­tiert, ob sich innogy TelNet in den anderen sieben Ortschaften Bürens, in denen Deut­sche Glas­faser das Netz ausbauen will, auch mit ihren Leis­tungs­ange­boten aufschaltet. Durch eine Eini­gung würde vermieden, dass beide Unter­nehmen ihre eigenen Netze parallel ausbauen.

Größtes Förder­projekt in Deutsch­land

War die Deut­sche Glas­faser früher ausschließ­lich eigen­wirt­schaft­lich unter­wegs, baut sie inzwi­schen auch mit Förder­mitteln aus. Das nächste Groß­projekt wird der Kreis Waren­dorf im Müns­terland sein. Hier hat der Borkener Netz­betreiber die Ausschrei­bung für das 160 Millionen Euro schwere Förder­projekt zum kreis­weiten Aufbau eines Glas­faser­netzes gewonnen. Es ist das bislang größte Glas­faser-Förder­projekt in Deutsch­land. Um schritt­weise die Netz­lücken im gesamten Kreis­gebiet zu schließen, kommen 80 Millionen Euro vom Bund und 64 Millionen Euro vom Land NRW. Der Kreis Waren­dorf steuert 16 Millionen Euro bei.

Über 15 000 Haus­halte werden dadurch einen FTTH-Anschluss bekommen. Bis­lang hat die Deut­sche Glas­faser im Kreis Waren­dorf bereits 30 000 Haus­halte eigen­wirt­schaft­lich ausge­baut. Im kommenden Jahr soll mit dem Groß­projekt begonnen werden. „In den kommenden Jahren wollen wir so Schritt für Schritt die Flecken ange­hen, wo bisher kein privat­wirt­schaft­licher Glas­faser­ausbau möglich war“, erklärt Peter Kamphuis, Geschäfts­führer von Deut­sche Glas­faser. Das betrifft Gebiete mit Haus­halten, die einen Inter­netan­schluss mit einer Geschwin­digkeit von weniger als 30 MBit/s haben. Das Ausbau­projekt glie­dert sich in die Teil­projekte Waren­dorf Nord und Süd und umfasst 13 Kommunen.

Ausbau-Offen­sive von Voda­fone

Aber „Königs­macher“ Amets­reiter muss sich nicht vor der Deut­schen Glas­faser ver­stecken. Über das Kabel­netz von Voda­fone können bereits 10,9 Millionen Haus­halte mit 1 GBit/s im Internet surfen. Seit Anfang des Monats sind über 190 000 Privat­haus­halte in Neustre­litz, Falkensee, Einbeck, Holz­minden, Bad Neuenahr und Pirma­sens hinzu­gekommen. Dafür rüstet Voda­fone das Kabel­netz mit dem Über­tragungs­stan­dard Docsis 3.1 auf. Dort, wo die Vorgän­gerver­sion Docsis 3.0 im Einsatz ist, können die ange­schlos­senen Haus­halte immerhin mit bis zu 400 MBit/s im World Wide Web surfen. Das sind noch einmal 11,8 Millionen Haus­halte. Bis 2022 will Voda­fone über 25 Millionen Haus­halte mit Gigabit-Anschlüssen versorgen. Dafür setzt das Düssel­dorfer Kommu­nika­tions­unter­nehmen auf einen Mix aus Kabel- und Glas­faser­netzen.

Glasfaserausbau Nano-Trenching Vodafone
Verkürzt die Bauzeit: Beim Nano-Trenching wird die Glasfaser direkt in die Fahrbahndecke verlegt.
Netze mit Glas­faser bis ans Gebäude (FTTB) nutzt Voda­fone beim Ausbau von Ge­werbegebieten. Hier hat das Unter­nehmen in den vergan­genen Wochen in diversen Orten, darunter Augs­burg, Würz­burg, Schwä­bisch Hall oder Bocholt, mit der Vorver­mark­tung begonnen. Voda­fone strebt eine Abschluss­quote von 30 Prozent unter den erreich­baren Unter­nehmen an. Bei einer ausrei­chend großen Nach­frage soll der Aus­bau der FTTB-Netze noch in diesem Jahr beginnen. Wahl­weise stehen Inter­netan­schlüsse mit symme­trischen Band­breiten zwischen 500 MBit/s und 1 GBit/s zur Verfü­gung. Insge­samt könnten über 2500 Unter­nehmen von diesen Ausbau­projekten pro­fitieren. Die Vermark­tung vor Ort nehmen lokale Part­nerun­ternehmen von Voda­fone vor. Auch in Burg­dorf schließt Voda­fone 100 Unter­nehmen in fünf Gewer­bege­bieten mit Glas­faser an. Dabei kommt das Nano-Tren­ching-Verfahren zum Einsatz, bei dem die Glas­faser direkt in die Fahr­bahn­decke verlegt wird. Das verkürzt die Bauzeit und redu­ziert die damit verbun­denen Kosten.

M-net schließt Schulen an

Natür­lich bauen auch andere Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen ihre Netze weiter aus. So etwa M-net, die TK-Tochter der Stadt­werke München. In Sont­hofen erhalten sie­ben allge­mein­bildende Schulen bis Ende 2020 einen Glas­faser­anschluss: die Grund­schule Rieden mit der Außen­stelle in Altstädten, die staat­liche Fach­ober­schule, das Gymna­sium Sont­hofen, die Mittel- und Real­schule sowie die Grund­schule an der Berg­hofer Straße. Dafür koope­riert M-net mit den Allgäuer Kraft­werken (AKW). Jeder Anschluss wird mit 50 000 Euro geför­dert. AKW ist für den Tiefbau zuständig und wird bis zum Herbst 2020 2,5 Kilo­meter Glas­faser­kabel verlegen. Anschlie­ßend über­nimmt M-net die Instal­lation der aktiven tech­nischen Kompo­nenten und schließt die Schulen an.

Glasfaserausbau M-net
M-net Regionalmanagerin Melanie Hundt (v. l.), Sonthofener Bürgermeister Christian Wilhelm (v. r.), Michael Vollkomm von den Allgäuer Überlandwerken (h. l.), AKW-Prokurist Karlheinz Loitz (h. m.) und der Sonthofener Breitbandpate Andreas Maier (h. r.) unterzeichnen die Verträge für die Glasfaseranschlüsse der sieben Schulen
Und auch die Telekom erhöht in ihrem Kupfer­draht­netz die Surf-Geschwin­digkeit. An­fang Oktober 2019 stei­gerten die Bonner für 734 000 Haus­halte das Tempo auf bis zu 250 MBit/s. Möglich macht dies die Super-Vecto­ring-Tech­nologie. Nach Angaben der Telekom profi­tieren davon bereits fast 25 Millionen Haus­halte. Über konkrete Ausbau­projekte infor­miert die Telekom im eigenen Unter­nehmens­blog. Ab und zu taucht dort auch ein FTTB/H-Projekt auf.
Teilen (8)

Mehr zum Thema Glasfaser