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GSM, UMTS & LTE: Mobil­funk­fre­quenzen in Deutschland im Überblick

Nach dem Start von LTE 900 in Deutschland: Welche Frequenzen werden in Deutschland von welchem Anbieter und für welches Netz genutzt?
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Mobilfunkfrequenzen in Deutschland: Wer was nutzt was in Deutschland?Mobilfunkfrequenzen in Deutschland: Wer was nutzt was in Deutschland? Wie berichtet, hat die Deutsche Telekom begonnen, auf Frequenzen um 900 MHz LTE auf­zu­schalten. Damit verändert sich die Nutzung von Mobil­funk­frequenzen in Deutschland grund­legend, denn bisher standen 900-MHz-Frequenzen für GSM-Netze. Zudem wurden zu Beginn des Jahres die Frequenzen um 900 und 1800 MHz nach einer Neuvergabe neu sortiert. Wir geben Ihnen einen Überblick, welcher Mobil­funk­an­bieter in welchem Frequenz­bereich welche Netz­standards realisiert oder plant.

Auf unsere Nachfrage, welche Übertragungsstandards in welchem Umfang und in welchen Frequenzbändern eingesetzt werden, haben alle drei Netzbetreiber entweder gar nicht oder ausweichend geantwortet. Allerdings ist die Sache auch komplex, da es mittlerweile bei allen Netzbetreibern regionale Unterschiede gibt. So hat die Telekom zwar LTE 900 eingeführt - aber noch nicht bundesweit. Dort, wo LTE auf 900 MHz läuft, bleiben noch 10 MHz für GSM übrig. Allerdings: Wird LTE 900 an bestimmten Standorten viel genutzt, habe die Telekom auch die Möglichkeit, weitere 5 MHz für LTE freizugeben. Zudem will die Telekom auch Narrowband-IoT (NB-IoT), also Sensorendienste und Maschinensteuerung, auf 900 MHz realisieren.

Auch Vodafone plant den Einsatz von LTE 900, hier allerdings ausschließlich für NB-IoT. Entsprechend äußerte sich Vodafone vor einigen Monaten gegenüber teltarif.de. Zu vermuten ist, dass hier ein kleiner Fre­quenz­be­reich frei­ge­räumt werden wird, während die Telekom NB-IoT im ohnehin für LTE verwendeten Frequenzbereich parallel realisieren kann.

Telefónica mit vielen GSM-Nutzern und wenig Spektrum

Betrachtet man das Gesamtspektrum der Netzbetreiber für GSM, so fällt auf, dass Telefónica das geringste Spektrum zur Verfügung hat. In diesen beiden Frequenzbereichen hat der nach Kunden größte deutsche Netzbetreiber gerade einmal 2 x 30 MHz zur Verfügung, während die Telekom es auf 2 x 45 MHz bringt. Zudem ist der GSM-Anteil im Telefónica-Netz offenbar signifikant höher als in den beiden anderen Netzen, wie aus gut informierten Quellen zu erfahren war. Da Telekom und Vodafone hier zum einen mehr Spektrum haben und gleichzeitig eine niedrigere Nutzungsquote, werden hier inzwischen mehr und mehr GSM-Frequenzen zu LTE-Frequenzen. Langfristig werden aber alle Netzbetreiber mindestens das 1800er-Band auf LTE überführen, GSM wird langfristig zumindest mit einem geringen Spektrum, das der Nutzerschaft entspricht, überleben.

Frequenzen um 900 und 1800 MHz im Überblick

Frequenz-
bereich
Zuteilungs-
inhaber
Spektrum
seit 2017
Spektrum
Zuteilung bis Ende 2025
Nutzbares Spektrum 2017 bis 2025 Derzeitige Nutzung Prognostizierte Nutzung
900 MHz Telekom 2 x 15 MHz - - LTE 5 MHz
GSM 10 MHz
LTE 10MHz
GSM 5 MHz
Vodafone 2 x 10 MHz GSM 10 MHz GSM, teilw. NB-IoT
Telefónica 2 x 10 MHz GSM GSM
1800 MHz Telekom 2 x 15 MHz 2 x 15 MHz 2 x 30 MHz LTE LTE
Vodafone 2 x 25 MHz - 2 x 25 MHz GSM: 10 MHz
LTE: 15 MHz
LTE
Telefónica 2 x 10 MHz 2 x 10 MHz 2 x 20 MHz vorrangig GSM, vereinzelt LTE LTE

Zahlreiche weitere Frequenzen für LTE, UMTS und Co.

Zusätzlich halten die Netzbetreiber noch einen regelrechten Pool an weiteren Frequenzen. Die Frequenzen aus dem Bereich 700 und 1500 MHz haben die Netzbetreiber im Rahmen der derzeit letzten Auktion 2015 erstanden. Eingesetzt werden sie jedoch noch nicht, was an fehlenden Chips (1500 MHz) und die Belegung durch DVB-T in immer noch zahlreichen Regionen (700 MHz) liegt.

Gerade die 700er-Frequenzen werden jedoch in Deutschland noch einmal ihr Übriges tun, um LTE und weitere Bandbreiten in die Fläche zu bekommen. Jeder Mobilfunknetzbetreiber hat sich hier 2 x 10 MHz gesichert, so dass wie bei LTE 800 eine Bandbreite von bis zu 75 MBit/s möglich ist. Mit Carrier-Aggregation könnten die Netzbetreiber daher durch diese beiden Frequenzbänder langfristig 150 MBit/s in der Fläche ermöglichen, in städtischen Regionen können weitere Frequenzen mit schlechteren Ausdehnungseigenschaften hinzugenommen werden.

Ende 2020 laufen die Lizenzen für die derzeitigen UMTS-Netze aus. Hier wird für 2018 oder 2019 eine erneute Versteigerung erwartet. Insgesamt werden hier knapp 2 x 40 MHz frei, was eine gleiche Aufteilung zwischen drei Anbietern schwierig macht. Für die Schaffung weiterer Kapazität in städtischen Gebieten werden die Netzbetreiber dieses Lizenzband dringend benötigen.

Alle weiteren Mobilfunk-Frequenzen im Überblick

Frequenz-
bereich
Zuteilungs-
inhaber
Spektrum
Zuteilung bis Ende 2020
Spektrum
Zuteilung bis Ende 2025
Spektrum
Zuteilung bis Ende 2033
Derzeitige Nutzung Prognostizierte Nutzung
700 MHz Telekom - - 2 x 10 MHz ungenutzt, teilw. noch DVB-T LTE, evtl 5G
Vodafone 2 x 10 MHz
Telefónica 2 x 10 MHz
800 MHz Telekom - 2 x 10 MHz - LTE LTE, tw. NB-IoT
Vodafone 2 x 10 MHz LTE
Telefónica 2 x 10 MHz LTE, tw. NB-IoT
1500 MHz Telekom - - 1 x 20 MHz ungenutzt LTE
Vodafone 1 x 20 MHz
Telefónica - - -
2100 MHz Telekom 2 x 9,9 MHz (UMTS) 1 x 5 MHz (ungenutzt) - siehe links UMTS, zunehmend LTE
Vodafone 2 x 9,9 MHz (UMTS) 2 x 4,95 MHz (UMTS)
1 x 5 MHz (ungenutzt)
UMTS, zunehmend LTE
Telefónica 2 x 19,8 MHz (UMTS) 2 x 14,85 MHz (UMTS)
1 x 5 MHz (ungenutzt)
1 x 14,2 MHz (ungenutzt)
UMTS, zunehmend LTE
2600 MHz Telekom - 2 x 20 MHz
1 x 5 MHz
- LTE (5 MHz ungepaart ungenutzt) LTE, ggf 5G
Vodafone 2 x 20 MHz
1 x 25 MHz
LTE (25 MHz ungepaart ungenutzt) LTE, ggf 5G
Telefónica 2 x 30 MHz
1 x 20 MHz
LTE (20 MHz ungepaart ungenutzt) LTE, ggf 5G
3500 MHz Telekom 2 x 21 MHz
(bis Ende 2021)
- - - -
Vodafone - - -
Telefónica 2 x 42 MHz
(bis Ende 2021)
ungenutzt 5G

Komplett ungenutzt ist derzeit noch Spektrum bei 2600 und 3500 MHz. Im 2600er-Bereich handelt es sich um brachliegendes ungepaartes Spektrum, das mittelfristig für zusätzlichen Downstream bei LTE zum Einsatz kommen könnte. Telefónica und die Telekom verfügen zudem über reichhaltiges gepaartes Spektrum im Bereich um 3500 MHz. Hier wird allgemein ein Einsatz der neuen 5G-Netze erwartet. Das Spektrum steht den Anbietern derzeit jedoch nur bis Ende 2021 zur Verfügung. Zuletzt hatte Telefónica auf diesem Frequenzband in München 3,5 GHz-LTE-TDD-Massive-Mimo getestet.

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