Reaktion

Reaktionen der Branche auf das Ende der Frequenzauktion

Die zu Ende gegangene Frequenzauktion sorgt überwiegend für Zufriedenheit - alle Netzbetreiber haben sich zum Ausgang geäußert. Wir fassen die Stimmen aus der Branche zusammen.
Von Hans-Georg Kluge
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Reaktionen der Branche auf das Ergebnis der Frequenzauktion.Reaktionen der Branche auf das Ergebnis der Frequenzauktion. In Mainz ging nach 181 Runden die Frequenz­auktion 2015 zu Ende. Nun haben sich auch die Netz­be­treiber zum Verlauf und dem Ergebnis der Auktion geäußert. Die Branchen­verbände Bitkom, Breko und VATM fordern unter­dessen erhöhte An­streng­ungen für den Breit­band­aus­bau.

Welche Ergebnisse die Auktion brachte, erfahren Sie in einer eigenen Überblicks-Meldung und die Frequenz-Verteilung haben wir mittlerweile in einer ausführlichen Übersicht zusammengestelt.

Telekom: Gut aufgestellt für die Zukunft

"Wir sind mit dem Ausgang der Auktion zufrieden", sagte Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und Chef der Telekom Deutschland GmbH. "Mit den erworbenen Frequenzen werden wir die Digitalisierung Deutschlands weiter vorantreiben. Wir haben eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Telekom auch in Zukunft im Wettbewerb um ihre Position als bester Netzanbieter in Deutschland bestehen kann", so van Damme weiter.

Auch zur künftigen Nutzung der Frequenzen machte die Telekom eine Aussage. So seien die meisten Pakete für LTE bzw. Datennetze gedacht - im 900-MHz-Spektrum dürfte es aber wohl bei GSM bleiben.

Vodafone: Frequenzen um 1800 MHz entscheidend

"Wir haben in dieser Auktion ein sehr gutes Ergebnis erzielt und konnten nicht nur die meisten, sondern vor allem sehr wertvolle Frequenzen für uns sichern. Mit dem ersteigerten Spektrum bauen wir unsere Position im Wettbewerb und die Qualitätsführerschaft nachhaltig aus. Unsere Kunden profitieren damit zukünftig von einer noch höheren Breitbandverfügbarkeit, gesteigerter Netzqualität und besseren Services. Schon mit unserem derzeitigen Netzmodernisierungs-Programm haben wir in kurzer Zeit viel erreicht. Das haben uns zahlreiche unabhängige Tests bestätigt. Auf diesen Erfolgen wollen wir uns nicht ausruhen, sondern greifen weiter an", so Jens Schulte-Bockum, aktuell noch CEO von Vodafone Deutschland.

Vodafone setzt die ersteigerten Frequenzen ebenfalls vor allem für schnelle LTE-Funknetze ein - das 900-MHz-Band dürfte jedoch auch künftig für GSM zum Einsatz kommen.

Telefónica: Verfügbares Spektrum reicht für die Zukunft aus

"Wir sind mit dem Ergebnis der Auktion zufrieden und haben ein werthaltiges Frequenzpaket erworben. Das Spektrum optimiert unsere Frequenzausstattung insgesamt und zahlt damit voll auf unsere Strategie ein, das führende digitale Tele­kommuni­kationsunternehmen in Deutschland zu werden", sagt Thorsten Dirks, CEO von Telefónica Deutschland.

"Mit den aktuellen Investitionen untermauern wir, dass das Netzerlebnis für Telefónica von zentraler Bedeutung ist", sagt Rachel Empey, CFO von Telefónica Deutschland. "Die neuen Frequenzen ermöglichen uns einen effizienten Ausbau unseres zukunftssicheren und qualitativ hochwertigen Mobilfunknetzes. Darüber hinaus können wir auf diese Weise die Monetarisierung des Datengeschäfts weiter erfolgreich vorantreiben."

Telefónica sieht sich mit den neu ersteigerten Frequenzen gut aufgestellt und verweist darauf, dass weiteres Spektrum über 2 GHz zur Verfügung stehe, das künftig schnelle Datennetze garantiere. Die neu ersteigerten Blöcke um 1800 MHz wird Telefónica wohl für LTE einsetzen und um 900 MHz weiterhin GSM realisieren.

Branchenverbände Bitkom, Breko und VATM fordern Breitbandausbau

"Wichtig ist uns, dass die Politik auch weiterhin auf eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau im Wettbewerb setzt und hierfür entsprechende Rahmenbedingungen schafft. Und dort, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau nicht möglich ist, brauchen wir wirksame Förderprogramme, mit deren Hilfe wir High­speed-Netze zügig, kosteneffizient und zukunftssicher insbesondere in ländlichen Gebieten und schwer erschließbaren 'weißen Flecken' ausrollen können. Daraus folgt nun die Notwendigkeit einer effizienten Verteilung der Fördermittel", betont Breko-Präsident Norbert Westfal. Auch bislang nicht oder nur schlecht erschlossene Gewerbegebiete sollten von der Breitband-Förderung profitieren. Der Breko fordert, die Förderung müsse technologieneutral erfolgen - Glasfaser spiele aber eine besonders wichtige Rolle.

Die Bundesregierung habe versprochen, 1,3 Milliarden Euro aus den Erlösen der Auktion für den Breitbandausbau zur Verfügung zu stellen. Diese Gelder teilen sich Bund und Länder hälftig. Der Bund steckt weitere 1,1 Milliarden Euro in die Förderung des Netzausbau.

Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, sieht die Politik in der Pflicht, den Breitbandausbau zu forcieren, warnt aber: "Es darf jetzt beim Einsatz der Fördermittel nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. Sie müssen zu einem Teil auch in die Verbesserung des mobilen Breibandnetzes und nicht allein des Festnetzes fließen – zum Beispiel in die Anbindung von Sendemasten auf dem Lande mit Glasfaser".

Der Bitkom hat nach Abschluss der Frequenzauktion ebenfalls weitere Anstrengungen beim Breitbandausbau gefordert. "Mit dem Abschluss der Frequenzauktion wird der Weg für das mobile Internet der nächsten Generation geebnet", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Die Frequenzen seien auch für künftige 5G-Netzwerke geeignet. Schnelle mobile Netze seien für Innovationen wie selbstfahrende Autos oder Tele-Medizin notwendig.

Hintergrund-Informationen in weiteren Texten

Eine Übersicht über die Ergebnisse der Frequenzauktion 2015 haben wir in einer eigenen Meldung zusammengetragen. Im Rahmen der Mobilfunk-Frequenzauktion haben wir auch zahlreiche Hintergrund­informationen für Sie zusammengestellt. Lesen Sie unter anderem, warum die 700-MHz-Frequenzen für die Netzbetreiber problematisch sind, welche der Frequenzen sich künftig für welche Zwecke nutzen lassen und die wichtigsten Fakten zur Auktion im Überblick. Außerdem erfahren Sie, warum jeder Netzbetreiber Deutschland künftig zu 98 Prozent versorgen muss und warum die 1800-MHz-Frequenzen so teuer werden.

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