Komplex

Ausblick auf 2015: Die kommende Frequenzauktion

Bei der kommenden Frequenzauktion wird es wieder mal Verteilungsprobleme geben: 7 lässt sich nicht durch 3 teilen und 14 auch nicht. Dennoch liegt eine fast faire Lösung in greifbarer Nähe
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2015 steht erneut eine Auktion von Mobilfunkfrequenzen an. Nach der Fusion von Telefónica o2 und E-Plus ist diese Auktion besonders wichtig, um den Markt neu zu ordnen. Insbesondere hat das fusionierte Unternehmen im Bereich um 1800 MHz einen erheblichen Überhang an Frequenzen im Vergleich zu den beiden verbliebenen Wettbewerbern. Diese werden bei der Auktion neu verteilt, ebenso, wie das Band um 900 MHz, in dem die Unternehmen derzeit zwar fast gleichberechtigt sind (Deutsche Telekom und Vodafone je 2 x 12,5 MHz, Telefónica 10 MHz), die alten GSM-Lizenzen aber Ende 2016 auslaufen. Mit im Versteigerungspaket ist auch die zweite digitale Dividende rund um 700 MHz, sowie ein vergleichsweise kleines Frequenzband rund um 1500 MHz.

Am einfachsten lässt sich das Schicksal des 1500-MHz-Bands vorhersagen: Dieses enthält ungepaartes Spektrum, welches nur mit TDD genutzt werden kann. Bisher hat kein deutscher Netzbetreiber TDD in Betrieb, zugleich haben alle Netzbetreiber ungenutzte und für TDD geeignete Frequenzbänder rund um 2100 und 2600 MHz in Reserve. Bei der Gesamtmenge an TDD-Spektrum liegt der fusionierte Konzern mit insgesamt 9 Blöcken zu je 5 MHz vor Vodafone (6 Blöcke) und der Deutschen Telekom (2 Blöcke).

Zugleich ist die Deutsche Telekom derzeit das innovativste Mobilfunkunternehmen, sei es die Nutzung von LTE Cat. 6 oder die neuen Hybridanschlüsse. LTE Cat.6 erlaubt bis zu 300 MBit/s im Downstream, indem ein Smartphone auf zwei Frequenzbändern gleichzeitig (rund um 1800 MHz und 2600 MHz) mit Signal versorgt wird. Die Hybridanschlüsse wiederum erlauben, auf einem Festnetzanschluss den Mobilfunk als "Turbo" zuzuschalten, wenn vorübergehend (z.B. während eines Downloads) besonders hohe Datenraten angefordert werden.

Dem Innovationstreiber Telekom ist nun im deutschen Markt am ehesten zuzutrauen, dass er zusätzlich auch LTE im TDD-Modus einführt. Genau dafür fehlt der Telekom aber bisher geeignetes Spektrum. Von daher wird sie mindestens vier oder gar alle acht der ungepaarten Blöcke im 1500-MHz-Band erwerben. Ob es vier oder acht Blöcke für die Telekom werden, hängt davon ab, ob auch Vodafone vier Blöcke kauft. Mit einem Mindestgebot von 75 Millionen Euro für vier Blöcke sind diese nämlich alles andere als günstig. Zudem verfügt Vodafone bereits im 2600-MHz-Band über fünf ungepaarte Blöcke am Stück, die für TDD bestens geeignet sind, und bei der Auktion 2010 "nur" 45 Millionen Euro kosteten.

Kommt es erneut zum Gerangel um die digitale Dividende?

Demnächst steht wieder eine Frequenz-Auktion für Mobilfunkfrequenzen an: Welcher Netzbetreiber wird sich welche Frequenzblöcke sichern?Demnächst steht wieder eine Frequenz-Auktion für Mobilfunkfrequenzen an: Welcher Netzbetreiber wird sich welche Frequenzblöcke sichern? Größter Preistreiber bei der Mobilfunkauktion 2010 war das Gerangel um die Frequenzen der digitalen Dividende rund um 800 MHz. Es gab sechs gepaarte Blöcke für damals noch vier Netzbetreiber. Das ließ sich nicht glatt aufteilen. Schon vor der Auktion stand fest: Entweder würden zwei Betreiber je zwei Blöcke und die beiden anderen nur je einen Block bekommen. Oder einer müsste ganz leer ausgehen, und die anderen Betreiber würden je zwei Blöcke erhalten. Von den beiden "kleinen" Netzbetreibern wollte sich o2 jedoch nicht mit einem Block zufrieden geben, und auch die beiden großen Netzbetreibern boten für jeweils zwei Blöcke. Indem E-Plus nun auch für einen Block bot, und erst in Bietrunde 222 ausstieg, konnte E-Plus den Preis für 10 MHz digitale Dividende auf über 1 Milliarde Euro hochtreiben. E-Plus sparte sich durch den Verzicht diese Milliarde und konnte entsprechend günstigere Preise anbieten.

Im Vergleich zum Auktions-Gerangel ist der LTE-800-Netzausbau bei allen Anbietern vergleichsweise dürftig, bei o2 sogar sehr dürftig. Es sind viel mehr Standorte mit LTE-1800 und LTE-2600 erschlossen als mit LTE-800. Anscheinend hat sich in der Branche eine gewisse Ernüchterung über die Möglichkeiten der digitalen Dividende breitgemacht. Zwar ist die Reichweite bei 800 MHz besser, doch die Gesamtbitrate ist, wenn man 1800 und 2600 MHz parallel erschließt, bis zu viermal höher.

Es sind im 700-MHz-Bereich nun abermals sechs Blöcke im Angebot. Es gibt jedoch nur noch drei Netzbetreiber, die für diese bieten. Das legt ein Ergebnis nahe: Jeder bekommt zwei Blöcke, und kann diese nutzen, um auf 700 MHz und 800 MHz via LTE Cat. 6 in Summe eine Downstream-Rate von bis zu 150 MBit/s zu erreichen. LTE 700 wird überall dort mit aufgeschaltet, wo auch LTE 800 installiert ist.

Es wird aber wahrscheinlich ein kurzes Gerangel um die 700er Frequenzen geben, wenn ein Netzbetreiber ausprobiert, ob einer der anderen beiden bereit ist, komplett auf dieses Band zu verzichten, und entsprechend für vier Blöcke bietet.

Eine weitere mögliche Quelle für Gerangel um die 700er Frequenzen ist die Ungleichverteilung im 900-MHz-Band. Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum es über einen zusätzlichen Block zu erheblichem Streit kommen könnte.

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