Frei Sprechen
15.05.2008 16:50

Podcasts

Medium der Zukunft - oder einfach überschätzt?
teltarif.de Leser sebastian363 schreibt:
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Podcasts, am besten wohl mit Hördatei übersetzt, sind zwar noch recht unbekannt aber schon seit längerer Zeit auf dem Vormarsch. Sie zeigen den Trend klassische Medien zu digitalisieren, so das selbst bekannte Rundfunk- und Fernsehanstalten wie ARD, ZDF und auch BBC mit ihrer Hilfe ihr Programm erweitern. Aktuell gibt es circa fünf Millionen (zu knapp 90% männliche) User, und selbst Politiker wie Bundeskanzlerin Merkel, die Queen und Arnold Schwarzenegger haben Podcasts für sich entdeckt und nutzen sie regelmäßig.

Mittlerweile benutzen sogar Schulen Podcasts: Gerade in den Sprachenfächern fehlt den Lehrern oft die Zeit mit der gesamten Klasse Aussprache-Übungen zu machen. Um das auszugleichen sollen die Kinder als Hausaufgabe Vokabeln auf Band sprechen, die sich der Lehrer dann zu jedem Zeitpunkt anhören kann. Ein gutes Bespiel ist eine Schule in Sachsen - Anhalt. Schüler haben für ihre polnischen Projektpartner einen Vokabeltrainer auf dem iPod erzeugt. Es wurde ein Foto von einem Tisch gemacht, dann die Vokabel dazu genannt und noch ein leichter Satz damit gebildet. So entstand nach und nach ein audiovisuelles Wörterbuch.

Die Methode ist sehr günstig bzw. fast kostenlos und hat außerdem noch einen weiteren Vorteil: Die Schüler kennen ihre iPods, tragen sie eh fast ständig mit sich herum und können so besser unterwegs lernen.

Noch wichtiger als der Lerneffekt soll aber der Motivationsschub sein. Seine eigenen Podcasts im Internet zu sehen soll einen großen pädagogischen Wert haben. Doch es gibt auch Kritik: Es führt (natürlich nicht alleine) zum Aussterben der Tageszeitungen, da sie meistens ein sehr spezielles Thema behandeln, so nur ihre Zielgruppe ansprechen und fast keine Streuverluste haben.

Außerdem gibt es Probleme mit Pornographie, "explicit" Podcasts müssen auch nur als solche gekennzeichnet werden. Das Klassengefühl, gerade in den jüngeren Jahrgängen, wird wohl auch ein wenig darunter leiden. Ich glaube zumindest dass das altmodisch "und jetz alle: bluuuu" in der fünften englisch-stunde lustig war und nicht unbedingt von Podcasts verdrängt werden muss.

Ich bin mir auch irgendwie noch unschlüssig wie ich diese Entwicklung sehen soll. Natürlich ist es hilfreich auf dem Weg zur Arbeit die Zeitung zu hören und nicht zu lesen und es wird bestimmt auch für Schüler hilfreich sein um ihre Aussprache zu verbessern. Aber trotzdem sollte das gemeinsame Zeitunglesen am Frühstückstisch und die irgendwie besondere Atmosphäre in den ersten Englischstunden nicht aussterben. Oder ist es für jemanden von euch schon der Zukunftstrend überhaupt?

Kommentare zum Thema (1)
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Kai Petzke antwortet
15.05.2008 21:55
Benutzer sebastian363 schrieb:
Aber trotzdem sollte das gemeinsame Zeitunglesen am Frühstückstisch

Ist es nicht - frei nach E.O. Plauen "Vater und Sohn" - zumeist der Vater, der in die Zeitung vertieft die Familie um sich herum gar nicht mehr wahrnimmt? Wenn der Papa das Lesen der Zeitung auf das Hören der Zeitung auf der Fahrt zur Arbeit verschiebt, verbessert das die zwischenmenschliche Kommunikation.

Gedrucktes, egal ob Buch oder Zeitung, wird daher zunehmend auch als Hörversion angeboten werden. Für die Verlage erhöhen sich dadurch zwar die Produktionskosten, andererseits ergeben sich auch neue Absatzchancen.
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