Frei Sprechen
28.03.2008 10:56

Verdienen mit Mahnungen

Kasperletheater bei TISCALI, COMUNDO und ACOREUS
teltarif.de Leser James T. schreibt:
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Bisher hörte ich es nur gerüchteweise und hielt derartige Berichte für übertrieben, aber inzwischen habe ich es am eigenen Leib erfahren müssen…

...aber der Reihe nach: In den Jahren 2002 bis 2004 telefonierten wir geschäftlich (wir hatten damals ein kleines Einzelunternehmen) mit angemeldetem CallByCall teilweise über TISCALI. TISCALI hatte von uns eine Lastschrift-Einzugsermächtigung und buchte die Beträge für die geführten Gespräche ab. Alles schien damals reibungslos zu laufen, Probleme waren nicht ersichtlich.

Mit Datum 11.10.2007 erreichte mich dann aber unter dem Titel „Ihr Telefonvertrag“ das freundliche Schreiben einer Firma COMUNDO, die mir mitteilte, dass mit Wirkung ab 01.11.2007 der Telefoniebereich von TISCALI an COMUNDO übertragen worden sei. Das Vertragsverhältnis werde unverändert weiterlaufen, wenn ich nicht unter Beifügung einer Kopie meines Personalausweises oder Reisepasses bis zum 31.10.2007 widersprechen würde. Die Forderung der Kopie empfand ich schon als zweifelhaft, machte mir aber zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Gedanken darüber. Erst im nachhinein und im Wissen um die weiteren Vorgänge wird mir langsam klar, was mit dieser Kopie vermutlich angefangen werden sollte. Aber das nur am Rande.

Schön für COMUNDO, dachte ich mir. Denn weil seit Ende 2004 bei uns kein Mensch mehr über TISCALI (01028) telefonierte, damals alle Rechnungen per Abbuchung beglichen worden waren und unser Einzelunternehmen seit Jahren einen anderen Inhaber hat, glaubte ich nichts weiter zu unternehmen zu müssen.

Schade eigentlich. Denn mit Datum vom 14.11.2007 erhielt ich dann von COMUNDO – verbunden mit freundlichem Dank für das bisher entgegengebrachte Vertrauen – Rechnungen über einen Gesamtbetrag von 143,47 € für Kommunikationsgebühren aus den Jahren 2002 bis 2005 und dem Hinweis „Während Ihrer Nutzung in der Vergangenheit war es TISCALI teilweise nicht immer möglich, für Sie eine regelmäßige Rechnung über die genutzten Leistungen zu erstellen. Dies möchten wir heute für Sie nachholen…“ Bei Rückfragen „rufen Sie uns einfach an“. Daß zu diesem Zweck eine kostenpflichtige sog. Servicerufnummer mitgeteilt wurde, wundert mich heute nicht mehr.

Jedenfalls hielt ich das ganze für ein Versehen und reagierte erst einmal nicht. Weshalb ich dann mit Datum vom 28.11.2007 vom „COMUNDO Forderungsmanagement“ eine Mahnung über 146,98 € (Forderung 143,48 € + „Mahnspesen“ 3,50 €) mit einem Zahlungsziel von sage und schreibe 9 Tagen erhielt. Die Vorgabe derartig kurzer Zahlungsziele ist, schon wegen der Post- und Überweisungslaufzeiten, im kaufmännischen Geschäftsverkehr weder haltbar noch üblich. Wie ich inzwischen bemerkt habe, passt ein derartiges Verhalten aber gut zum sonstigen Geschäftsgebaren des Trios. Aber weiter:

Am 01.12.2007 forderte ich per Telefax beim Geschäftsführer der COMUNDO Internet GmbH, Herrn Dr. Markus BEFORTH, detaillierte Rechnungen und Einzelverbindungsnachweise an.

Statt der angeforderten Unterlagen erhielt ich aber mit Datum vom 13.12.2007 eine Mahnung über einen Gesamtbetrag von 101,20 € (plötzlich belief sich die „Hauptforderung“ nur noch auf 60,54 € dazu kamen jetzt aber „Zinsen, Inkassovergütung und Auslagen“ in Höhe von zusammen 40,66 €). Die Mahnung kam nicht von COMUNDO, sondern von der „ACOREUS Collection Services GmbH“, die sich als beauftragtes Inkassounternehmen vorstellte. Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass sich laut Auflistung von ACOREUS die Hauptforderung aus zwei COMUNDO-Rechnungen zzgl. Mahnspesen zusammensetzte, welche laut Schreiben von COMUNDO einen ganz anderen Betrag ergeben hätten (nämlich nicht 60,54 €, sondern nur 48,35 €).

Weil ich in der Vorweihnachtszeit ja sonst nichts zu tun hatte, teilte ich also am 19.12.2007 der Firma ACOREUS per Telefax (müßig zu sagen, dass auch hierfür nur eine kostenpflichtige Servicerufnummer zur Verfügung steht) mit, dass der angemahnte Betrag schon rechnerisch nicht stimmen kann und ich noch auf die angeforderte detaillierte Rechnung mit Einzelverbindungsnachweis von COMUNDO warte.

Zu meiner Überraschung erhielt ich tatsächlich mit Datum vom 02.01.2008 von ACOREUS zwar keine detaillierten Rechnungen, aber Einzelverbindungsnachweise. Zumindest die für die Jahre 2002, 2003 und 2005. Ein EVN für 2004 war nicht beigefügt. Was mir egal war, denn auch aus den vorgelegten Einzelverbindungsnachweisen war unschwer ersichtlich, dass diese nur falsch sein konnten. So wurden hier zum Beispiel Verbindungen von Ursprungsrufnummern mit Vorwahlen aus anderen Ortsnetzen aufgeführt, in denen ich mein Lebtag noch nicht war (und die deshalb selbstverständlich bei TISCALI auch nicht zum CBC angemeldet waren). Auch interessant finde ich in dem Zusammenhang die Frage, wie ACOREUS an die Einzelverbindungsnachweise aus diesen Jahren gekommen ist? Nach meinem Wissensstand müssen Verbindungsdaten gemäß gesetzlicher Vorgabe nach sechs Monaten gelöscht werden. Aber das ist ein anderes Kapitel, mit dem ich mich noch gar nicht beschäftigt habe.

Jedenfalls teilte ich am 15.01.2008 dem Inkassounternehmen ACOREUS per Telefax mit, dass aus den vorgelegten Unterlagen hervorgeht, dass die von dort vorgelegte Abrechnung falsch sein muß.

Worauf ich mit Datum 12.02.2008, diesmal wieder von COMUNDO, ein liebenswürdiges Schreiben erhielt, in dem mir mitgeteilt wurde „An dieser Rechnung haben wir Änderungen vorgenommen und freuen uns Ihnen heute mitteilen zu können, dass sich der Rechnungsbetrag zu Ihren Gunsten verringert hat“. Beigefügt war eine neue Rechnung mit neuer Rechnungsnummer für Verbindungen im Jahr 2004. Der Betrag hatte sich tatsächlich verringert, nämlich von ursprünglich 86,44 € auf jetzt 72,73 €. Dem der "verbesserten" Rechnung jetzt beigefügten Einzelverbindungsnachweis war zu entnehmen, dass auch für 2004 wieder fehlerhaft angebliche Verbindungen aus den mir unbekannten Ortsnetzen mit abgerechnet waren. Als Zahlungsziel hatte man diesmal 0 Tage vorgesehen, die Zahlung hätte bis zum 12.02.2008 bei COMUNDO eingegangen sein sollen. An diesem Tag konnte mir die "verschlimmböserte" Abrechnung noch gar nicht zugegangen sein. Computer sind auch nur Menschen.

Weshalb es nicht verwundert, dass ich schon mit Datum 19.02.2008 die nächste Mahnung von COMUNDO erhielt (76,23 € = „Hauptforderung“ 72,73€ zzgl. Mahnspesen 3,50 €). Da sich an meiner ursprünglichen Feststellung gegenüber COMUNDO und ACOREUS, dass die Abrechnungen nur falsch sein können, ja nichts geändert hatte, habe ich mir dazumal die Freiheit genommen, auf diese Mahnung nicht zu reagieren.

Worauf ich am 06.03.2008 prompt von ACOREUS die nächste Mahnung erhielt. Diesmal in Höhe von 117,03 € ( „Hauptforderung“ 76,23 € zuzüglich „Zinsen, Inkassovergütung und Auslagen“ in Höhe von zusammen 40,80 €).

Was bisher einigermaßen spaßig schien, nervte spätestens jetzt unerträglich. Bisher hatte ich versucht, das Ganze sportlich zu sehen, was mir aber zunehmend schwer fiel. Auf mein Telefax des Inhalts „Auf dieses Kasperletheater habe ich definitiv keine Lust mehr“ und „wenn Sie nichts Vernünftiges mehr vorzutragen haben, lassen Sie mich endlich in Ruhe!“ vom 11.03.2008 an ACOREUS habe ich bisher keine Reaktion mehr erhalten. Und um es vornehm auszudrücken: der weiteren Entwicklung sehe ich jedenfalls mit Interesse entgegen.

Ach ja, weil ich ja Kummer gewohnt bin, machte es auch fast nichts mehr aus, als ich in der gleichen Angelegenheit mit großer Verzögerung noch weitere, zusätzliche Mahnungen, Rückrufaufforderungen und Ratenzahlungsvorschläge von COMUNDO und ACOREUS für Verbindungen aus den gleichen Zeiträumen erhielt. Was war hier wieder passiert? COMUNDO hat den einen Vertrag, der ursprünglich mit TISCALI bestand, offenbar in zwei Portionen abgerechnet. Einen Teil der Rechnungen und Mahnungen wurde – mir vollkommen unverständlich – an eine andere Adresse geschickt und ich erhielt diese erst mit Monaten Verzögerung. Überhaupt nicht überrascht mich dagegen, dass dann auch für diesen parallelen Mahnvorgang zusätzliche Spesen etc. in Höhe von zuletzt 31,15 € berechnet wurden…

Dem geneigten Leser bleibt es vorbehalten, sich ein eigenes Bild von diesen Vorgängen, der Arbeitsweise und den Machenschaften der beteiligten Unternehmen zu machen. Ich möchte aber betonen, dass es sich bei den Schilderungen nicht etwa um Fiktion handelt, sondern dass ich (leider) jede einzelne Darstellung schriftlich belegen kann. Leidensgenossen mit ähnlichen Erfahrungen, welche sich vielleicht eine gerichtliche Klärung der Vorgänge gönnen, stelle ich bei Bedarf auf Anfrage meine gesammelten Werke als Referenz zur Verfügung.

Nun kann mir in dieser Angelegenheit wenig passieren, weil die angemahnten Forderungen längst verjährt sind und ich auch über eine erstklassige Rechtsschutzversicherung verfüge. Wenn ich mir aber vorstelle, wie viele Mitmenschen vermutlich mit ähnlich falschen und ungerechtfertigten Forderungen konfrontiert wurden und werden, und sich nicht den Luxus leisten (können), dagegen vorzugehen, „kräuseln sich mir wirklich die Zehennägel“.

3x geändert, zuletzt am 12.04.2008 13:01
Kommentare zum Thema (3)
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Comundo und Konsorten
carolaS antwortet
29.03.2008 19:38
Du hast völlig Recht. Comundo und ähnlich Gelagerte versuchen sich hier als übelste Eintreiber Deutschlands für Null Leistung. Manche zahlen eben, ohne jede Rechtsgrundlage. Eigentlich ist es Betrug, aber wer kümmert sich schon darum?
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garfield antwortet
30.03.2008 12:09
Benutzer James T. schrieb:

Schön für COMUNDO, dachte ich mir. Denn weil seit Ende 2004 bei uns kein Mensch mehr über TISCALI (01028) telefonierte, damals alle Rechnungen per Abbuchung beglichen worden waren und unser Einzelunternehmen seit Jahren einen anderen Inhaber hat, glaubte ich nichts weiter zu unternehmen zu müssen.

Das heißt also, Du hast durch Nicht-Widersprechen der Vertragsübernahme dem Weiterlaufen des Vertrages zugestimmt. In dem Sinne wäre Commundo berechtigt, offene Forderungen (so sie denn korrekt sind) zu berechnen.

Nach meinem Wissensstand müssen Verbindungsdaten gemäß gesetzlicher Vorgabe nach sechs Monaten gelöscht werden.
Außer, falls diese Regelung zur Zeit der angemahnten Verbindungen noch nicht galt. Da wird so oft dran rumgedreht, dass ich auch nicht mehr einschätzen kann, wann was galt.

Weshalb es nicht verwundert, dass ich schon mit Datum 19.02.2008 die nächste Mahnung von COMUNDO erhielt (76,23 € = „Hauptforderung“ 72,73€ zzgl. Mahnspesen 3,50 €).#
Generell gilt, dass man auch Schreiben von Inkasso-Unternehmen getrost in den Papierkorb werfen kann.
Das sollte man aber nur dann tun, wenn man sicher ist, die Mahnungen seien unberechtigt, was ich hier nicht beurteilen kann.
Ernst wird es erst bei einem gerichtlichen Mahnbescheid, auf den man unbedingt reagieren sollte.
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Comundo geht auf Dummenfang
kamischke antwortet
31.03.2008 17:51
Das war bereits Thema auf Teltarif, darum nochmal der Hinweis für Betroffene:

"Die Verjährungsfrist beginnt den Angaben zufolge jeweils am Ende des Jahres, in dem die Leistung erbracht worden sei.
Sei zum Beispiel ein Verbraucher im August 2002 Kunde eines Telefonunternehmens gewesen, beginne die Verjährungsfrist am 31. Dezember 2002 und ende am 31. Dezember 2005.
Für nach der Dreijahresfrist gestellte Rechnungen fehle in der Regel die rechtliche Grundlage.
Die Verbraucher könnten die Zahlung demnach in den meisten Fällen erfolgreich verweigern."

https://www.teltarif.de/arch/2007/kw51/...

Gruß Kamischke
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