Frei Sprechen
14.01.2009 17:37

Begriffswirrwarr: Netbook, UMPC, MID, Subnotebook?

Wo ist der Unterschied? – Versuch einer Abgrenzung
teltarif.de Leser peregrintuk schreibt:
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Neulich kam ein Freund zu mir und meinte, "ich habe mir einen UMPC gekauft – cooles Teil!". Ich fragte, "du meinst ein Netbook, oder?". Daraufhin antwortete er "nein, nein, einen UMPC, ein Netbook ist viel größer". Ich war verwirrt und dachte mir, das musst du näher untersuchen. Nicht seinen UMPC, sondern den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen. Wobei ich dann recht schnell merkte, dass es nicht bei zwei Begriffen bleibt. Neben Netbook und UMPC gibt es nämlich noch Subnotebook, MID, ULPC, UltraPortable und Smartphone. Je nach Hersteller- und Nutzersicht lauten die Bezeichnungen anders.

Die Grenzen sind fließend

Ziemlich schnell stellte ich fest, dass es nicht gerade leicht ist, die Geräteklassen klar gegeneinander abzugrenzen. Woran sollte man die Begrifflichkeit festmachen? Am Design? An der Größe? An der Ausstattung? Oder gar am Preis? Wie sich abzeichnete, muss es eine Mischung aus allem sein. Das liegt vor allem daran, dass viele Hersteller - aber auch viele Medien zu diesen Themen - die Bezeichnungen anscheinend nach Tagesform auswählen. Es herrscht eine allgemeine Inkonsequenz.

Die Geräteklassen im Detail

Netbooks

Wikipedia schreibt dazu „Als Netbook wird eine Klasse einfach ausgestatteter und besonders preiswerter Subnotebooks bezeichnet, die vor allem als portable Internet-Clients gedacht sind“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Netbook ). Weiterhin führt das Lexikon an, dass zwar Intel diese Bezeichnung Anfang 2008 benutzte, der eigentliche Ursprung aber bei Psion zu sehen ist, der schon im Jahr 2000 den Begriff für sein „Psion Netbook“ verwendete. Im Hinblick auf das Markenrecht klagt Psion deshalb aktuell auch gegen diverse Firmen. Wer letztlich im Recht ist, sei dahingestellt, unbestritten ist sicherlich, dass der eigentliche Hype um den Begriff erst durch Intels Atom-Prozessor und durch den ASUS Eee PC entstanden ist. Interessanter Nebenaspekt ist, dass zumindest ASUS den Begriff „Netbook“ so gut wie nicht verwendet.

Vom Design her sehen Netbooks wie ein normales Notebook aus, mit Tastatur und aufklappbarem Display. Sie sind nur kleiner, die Bildschirmdiagonale liegt bei 10“ oder weniger. Wobei man gerade an dieser Stelle vorsichtig sein muss, manche Quellen behaupten, dass alles, was unter 8“ liegt, schon ein UMPC ist. Von der Größe wird vor allem die Ausstattung bestimmt, es fehlen optische Laufwerke oder große Festplatten, als Betriebssystem kommt meistens Linux (wegen der geringeren Kosten) aber auch Windows XP zum Einsatz. Im Vergleich zu normalen Notebooks zeichnen sich Netbooks auch dadurch aus, dass sie wesentlich günstiger zu haben sind. Prominenteste Beispiele sind die Netbooks der Eee PC-Klasse von ASUS, z.B. der Eee PC 1000H.

Es gibt noch einen verwandten Begriff zum Netbook, den Nettop, welcher laut Wikipedia vergleichbar ausgestattete Desktop-PCs bezeichnet.

Subnotebooks

Den Begriff Subnotebook gibt es schon eine ganze Weile, vor allem auch vor dem Hype der Netbooks. Er bezeichnet vorrangig Notebooks, die kleiner sind als die gängigen Größen von 14-17 Zoll. Im Hinblick auf die Displaygrößen von Netbooks, die wie oben beschrieben bei 10 Zoll oder weniger liegen, müsste man die Subnotebooks also bei 11-14 Zoll einordnen. Tatsächlich wird dies auch in den meisten Fällen so gemacht. Viel ausschlaggebender als die Größe ist die Abgrenzung der Subnotebooks durch die Ausstattung. Häufig sind diese genauso oder sogar besser ausgestattet als ihre großen Notebook-Brüder und –Schwestern. Sie sind oft High-End-Geräte, was sich letztlich auch im Preis niederschlägt. Ein Subnotebook ist nicht selten deutlich teurer als ein vergleichbares „normales“ Notebook.

UMPC

UMPCs, also „ultra mobile PCs“, sind eine Gerätekategorie, die zuerst von Microsoft und Intel und deren Projekt Origami, eingeführt wurde. Sie sind noch kleiner als Netbooks (häufig 5 bis 7 Zoll. Eigentlich sind sie eine Weiterentwicklung von PDAs. Kleine Geräte für Business-Nutzer, zumeist mit Windows Vista an Board, ausgestattet mit Office-Fähigkeiten. Die Bedienung erfolgt über TouchScreen und Stylus. Der Formfaktor gleicht nicht dem typischen Notebook-Format, UMPCs bestehend häufig aus Display mit daneben oder darunter befindlicher Tastatur (auch zum Aufschieben). Ein Beispiel ist der OQO model 2+.

MID

Mobile Internet Devices sind im Gegensatz zu den UMPCs eher für den Endkunden gemacht, sie sind optimiert für Multimedia-Formate und besitzen einen drahtlosen Internetzugang. Dennoch sind sie von Größe und Formfaktor mit einem UMPC vergleichbar. Manche sagen auch, dass sie etwas kleiner sind als ein UMPC. Vom Betriebssystem her läuft auf ihnen zumeist eine Linux-Version, beispielsweise Ubuntu. Prominentes Beispiel für diese Geräteklasse ist das Samsung Q1.

sonstige Bezeichnungen

Bezeichnungen, wie ULPC, welche einerseits für „ultra low cost PC“ oder andererseits für „ultra light PC“ verwendet werden, sind weniger gebräuchlich. Gleiches gilt für UltraPortable, welches synonym für diverse der oben erklärten Begriffe herhalten muss. Auch stellt sich manchmal die Frage, ob ein bestimmtes Produkt nicht auch mit der Bezeichnung „Smartphone“ zufrieden wäre. Dann muss natürlich einen Telefonie-Funktion mit an Bord sein. Letzteres trifft auf Geräte wie den Palm Pre oder auch das iPhone zu, die in Funktionalität, aber nicht in der Größe, in Richtung MID oder UMPC gehen.

Offen bleibt die Frage, ob es nicht einen guten Oberbegriff für diese Klassifizierung geben kann. „Mobiler Computer“ trifft es sicher, ist aber zu sperrig. Ideen?

Kommentare zum Thema (8)
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PDAs?
Kai Petzke antwortet
14.01.2009 20:40
Ich sitze gerade an einem Subnotebook, welches, bis auf das aus Gewichtsgründen weggelassene optische Laufwerk, tatsächlich alle im Artikel genannten Anforderungen erfüllt, und denke über Begriffe nach :-)

UMPC ist ein furchtbares Wort, welches nie und nimmer bleiben kann, auch wenn die zugehörige Geräteklasse künftig Erfolg haben sollte. Vielleicht erfindet jemand demnächst ein neues Wort dafür, oder die UMPCs werden einfach zu "Edel-Netbooks".

MIDs sind kleinere Netbooks und auf jeden Fall mit Mobilfunk ausgerüstet, während Netbooks oft "nur" W-LAN können. Vielleicht werden aus den MIDs ja die "M-Books": Weniger Buchstaben, um klarzustellen, dass sie noch kleiner als Notebooks und Netbooks sind, und "M" für "mobile".

Noch kleiner als M-Books sind dann natürlich Smartphones (= große dicke Handys mit allen möglichen Diensten) und Handys (= einfache Geräte, optimiert auf Sprachkommunikation) ;-)


Kai
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peregrintuk antwortet auf Kai Petzke
15.01.2009 11:08
Benutzer Kai Petzke schrieb:
Vielleicht werden aus den MIDs ja die "M-Books": Weniger Buchstaben, um klarzustellen, dass sie noch kleiner als Notebooks und Netbooks sind, und "M" für "mobile".
mBooks wäre natürlich etwas. Alternativ könnte Apple aber auch seine iBooks wieder einführen, diesmal aber als "internetBooks".

Es bleibt auf jedenfall spannend. Ich glaube in der Geschichte der Informationstechnologie ist es bisher auch selten vorgekommen, dass gleich eine ganze Geräteklasse keine einheitliche Bezeichnung trägt. Letztlich sind es ja alles nur "mobile Endgeräte zur Verarbeitung von Daten und der Ermöglichung des Zugriffes auf das Internet". Irgendwie.
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joe7 antwortet auf peregrintuk
15.01.2009 13:56
Was ist eigentlich aus dem guten alten Laptop geworden?
Wahrscheinlich bin ich "ultra-out", wenn ich das Wort benutze oder?
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peregrintuk antwortet auf joe7
15.01.2009 14:56
Benutzer joe7 schrieb:
Was ist eigentlich aus dem guten alten Laptop geworden? Wahrscheinlich bin ich "ultra-out", wenn ich das Wort benutze oder?
Nein, wieso? Zu den normalgroßen Mobil-Rechnern sage ich auch weiterhin Laptop oder Notebook. Mir persönlich wäre diese Bezeichnung auch für Geräte der Netbook-Klasse lieber. Nur zu einem UMPC oder MID-Format passt Laptop irgendwie nicht mehr.

Aber genau das ist ja auch das Problem der neuen Bezeichnungen. Kein Mensch, außer ein paar Freaks und die Marketingheinis können damit was anfangen.
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joe7 antwortet auf peregrintuk
15.01.2009 16:24
Na, dann bin ich ja beruhigt! :-)

Für einen Only-Desktop-User wie mich, war dein Artikel jedenfalls eine sehr angenehme Art, sich mal wieder auf den laufenden zu bringen, was den ganzen Begriffswirwar angeht.
Sehr übersichtlich und verständlich gemacht!
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Laptoop oder Notebook?
John Bo antwortet auf peregrintuk
15.01.2009 16:51

Nein, wieso? Zu den normalgroßen Mobil-Rechnern sage ich auch weiterhin Laptop oder Notebook.

Jetzt bin ich mal ganz doof: Gibt es denn eigentlich auch einen Unterschied zwischen Laptoop und Notebook?
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Taschenrechner adé?
John Bo antwortet
15.01.2009 16:55
Wenn die Geräte immer weiter immer kleiner werden, heißen sie dann irgendwann wieder Taschenrechner? Und was ist, wenn die Taschenrechner noch besser werden, wie werden diese dann heißen? Oder stirbt der gute, alte Schultaschenrechner zugunsten der neuen Geräte irgendwann aus?
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schon immer Definitonswirrwarr
telefonlaie antwortet auf John Bo
15.01.2009 17:29
Benutzer John Bo schrieb:

Jetzt bin ich mal ganz doof: Gibt es denn eigentlich auch einen Unterschied zwischen Laptoop und Notebook?

Reine Geschmackssache:)
Wikipedia fasst beides in einem Artikel zusammen und schreibt dass die Begriffe synonym verwendet werden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Laptop

Urname ist wohl Laptop (auf den Schoß passender Rechner) Toshiba hat dann Modelle Notebook genannt, da sie den Begriff für "handlicher" hielten.
Daraus ergeben sich dann schon wieder neue Fragen;)
- ist ein 17 Zoll 4-5kg Bolide dann noch ein Laptop?
Ich hab sowas nicht gern auf dem Schoß;)
- Notebook hätte dann nie wirklich gepasst, oder?
klassische Notizbücher sind schließlich deutlich kleiner,
da gibt es doch eher ein Notephone (aber die heißen ja "offiziell" Smartphones;)

So kann man sich vieles zurecht definieren...

ich schlage einen PNA vor: Personal Net Assistent
oder PIA ... Internet ... - mist! die PIA gabs ja schon bei Arcor - wofür stand das I dort nochmal?
PID: Personal Internet Device

Oder um mal was deutsches zu nennen: Wunderding - den Sammelbegriff nutzt mein Vater für all diese Geräte die ihn immer wieder verwundern (zumeist wenn mein Handy schneller Wikipediainformationen liefert als sein 30 Jahre alter Brockhaus - der definitiv Charme hat!)
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