Frei Sprechen
23.05.2008 10:52

Wie billig wird der Preis?

Wird es bald das große Discountersterben geben?
teltarif.de Leser John Bo schreibt:
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Mit dem Start von maXXim ist in meinen Augen wieder die Diskussion entstanden, wie tief die Mobilfunkpreise zukünftig in Deutschland flächendeckend fallen werden. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland in den kommenden zwei Jahren möglich ist, langfristig für 5 Cent oder weniger in Deutschland zu telefonieren. Aus folgenden Gründen:

Die Marktmacht der großen Mobilfunkanbieter ist noch viel zu groß. Zwar bieten o2, E-Plus & Co. mit ihren Discounterangeboten zwar Tarife an, vertrieben werden aber trotzdem (aus betriebswirtschaftlich nachvollziehbaren Gründen) primär am Point of Sale Vertragstarife mit erheblich teureren Konditionen.

Die Vertragslaufzeit der „normalen“ Verträge sind zu lang. Viele meiner Bekannten stecken in für mich unmöglichen Mobilfunkverträgen, die eine Laufzeit von 24 Monaten haben. Da diese ja bereits vorhanden sind und in den meisten Fällen auch noch eine Zeit lang laufen, verstehen sie es nicht, dass es in der Regel für Sie günstiger wäre, wenn sie den Vertrag kündigen, nicht mehr benutzen und sofort auf einen Prepaiddiscounter umsteigen sollten. Und wenn der Vertrag dann kurz vorm Auslaufen ist, wird er doch nicht gekündigt, da sie von einem Verkäufer wieder einen Vertrag angeboten bekommen, der ja „besser ist als Ihr alter Vertrag.“

Deutschland ist (noch) kein Land in, in dem die Einwohner viel mobil telefonieren. Anders als z.B. in Skandinavien, steckt bei uns die Mobilfunkbranche und das Mobilfunkverhalten noch fast in den Kinderschuhen.

Es wird in Deutschland viel zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet. Ich kenne noch recht viele Mitmenschen, die überhaupt nicht wissen, dass man nicht nur einen teuren Vertrag bzw. einen teuren Prepaidtarif bekommen kann. Telefonieren muss nicht teuer sein! Woher sollen Sie es auch wissen? Nicht jeder interessiert sich da für, wie viel Kosten er bei Telefonieren sparen kann.

Gerade der Punkt der mangelnden Aufklärung ist in meinen Augen eines der entscheidenden Gründe (alle anderen Gründe würden sich fast relativieren), warum wir in Deutschland langfristig nicht so schnell die 5 Cent Hürde knacken werden. Bildmobil und fonic-Bruce sind diesbezüglich zwar auf einem richtigen Weg, die Initiative müsste aber noch viel weiter ausgebaut werden. Auch die Medien und die zuständigen Behörden und Politiker müssten ihren Teil an der Aufklärungsarbeit leisten.

Sollte es gegen meiner Meinung doch zu fallenden Preisen kommen, dann wird die Preisschlacht auf Kosten aller ausgetragen. Die Schlacht wird viel Marketingbudget verschlingen. Diese Kosten werden die Gewinne drücken zwangsläufig dazu führen, dass die kleinen Discounter vom Markt verschwinden werden. Auch die Kunden werden unter der Schlacht leiden, da die Anbieter die Kosten wieder einfahren müssen. Dies wird (derzeit ist das ja auch schon der Fall) vermehrt durch Einnahmen aus kostenpflichtigen Serviceleistungen oder sonstigen versteckten Kosten geschehen.

Fazit: Ich glaube nicht, dass die Preise für das mobile Telefonieren sich in naher Zukunft flächendeckend auf 5 Cent oder niedriger einspielen wird. Zwar wird es immer wieder einzelne Anbieter geben, die mit Dumpingaktionen den Preis drücken werden, diese werden aber wieder eingestellt oder mit für Kunden unfreundlichen Fußangeln versehen, da es sich für die Anbieter nicht rechnen wird.

einmal geändert am 23.05.2008 14:39
Kommentare zum Thema (6)
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Robert Beloe antwortet
23.05.2008 12:43
Ich stimme Dir zu.

Hinzu kommt:

1. Viele sind nicht nur (verständlicherweise) desinteressiert oder haben keine Zeit, sich mit so objektiv eher nebensächlichen Dingen wie Mobilfunktarifen zu beschäftigen, eine Menge Nutzer schreckt auch der Aufwand ab, den Anbieter zu wechseln. Ich sehe das selbst im Bekanntenkreis, wo viele dann zum Beispiel Angst haben, ihre alte Rufnummer zu verlieren.

2. Die Festnetztelefonie ist unglaublich billig geworden. Warum sollte ich mein Handy verstärkt nutzen, wenn ich das gleiche Gespräch kostenfrei von meinem Festnetzanschluss führen kann. Sicher, es gibt Festnetz-Flatrates fürs Handy. Aber ich bin mir sicher, dass die nicht in gleicher Weise verbreitet sind wie die DSL-Komplettanschlüsse.
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beethoven_t antwortet auf Robert Beloe
23.05.2008 14:44
Benutzer Robert Beloe schrieb:

1. Viele sind nicht nur (verständlicherweise) desinteressiert oder haben keine Zeit, sich mit so objektiv eher nebensächlichen Dingen wie Mobilfunktarifen zu beschäftigen,

Sehe ich genauso. Ist ja auch kein Wunder bei der Masse an unübersichtlichen Tarifen. Viele denken z.B. immer noch, das Prepaid grundsätzlich teuer ist und sind ganz erstaunt, wenn man erwähnt, dass man für 9 Cent in alle Netze telefoniert und SMS schreibt.

eine Menge Nutzer schreckt auch der Aufwand ab, den Anbieter zu wechseln. Ich sehe das selbst im Bekanntenkreis, wo viele dann zum Beispiel Angst haben, ihre alte Rufnummer zu verlieren.

Ja, das kenn ich auch. Liegt zum Teil auch wieder daran, dass zu wenig Kenntnisse vorhanden sind, was man alles beachten muss und dass man z.B. seine Rufnummer oft auch mitnehmen kann.
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CGa antwortet auf beethoven_t
23.05.2008 18:54
Das alle für 5 ct telefonieren ist bei den IC auch nicht drin, dann dann würde der Anbieter drauflegen wenn viel überall hin telefoniert wird. Denn eine hohe Quersubvention geht auf Dauer nicht und ist nicht kalkulierbar! Vor allem nicht wenn man davon ausgeht das die die für 5 ct telefonieren wollen auch keine GG oder MU zahlen wollen!

cu ChrisX
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PeterOZ antwortet auf CGa
24.05.2008 11:01
Ich sehe - beruflich - einige Mobilfunkrechnungenn bei deren Höhe es mir die Fußnägel biegt. Wenn man diese Personen auf preisgünstige Discouter hinweist kommen immer drei Argumente:
1.) Ich habe kein Internet, na ja
2.) Ich habe keine Lust / Zeit mich zu informieren, das wird es sein
3.) Der Hauptgrund: Da gibt es kein superduper Handy mit Brillibesatz, MP3-Player und ner 20 Millionen Pixel Kamera; Frage: Wieviele Bilder wurden denn schon gemacht? Äh keine, ich weiß nicht wie das geht, ich kann die Speicherkarte nicht wechseln.

cu
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Baghee antwortet
24.05.2008 15:54
Zuerst einmal direkt zum Thema:

Nein, 5 Cent / Minute ohne Grundgebühr halte ich derzeit auch für nicht erzielbar. Nicht, solange die IC-Gebühren über 8 Cent liegen.

Mein Crash5-Tarif im D1-Netz wurde mir gekündigt - und ich kann mir gut vorstellen, warum das passiert ist.

Ich habe die Rufnummer nicht bekannt gegeben, da Crash5 aufgrund der bereits angekündigten geringen Vertragslaufzeit eine unsichere Sache war, auch wurde die Rufnummern-Portierung für meine alte Rufnummer nicht angeboten - also wurde ich nicht angerufen und DEBITEL konnte keine IC-Gebühren kassieren.

Dafür habe ich aber wohl einigermassen gleichmässig in alle Mobilfunk-Netze telefoniert - und Debitel hat mit jeder Minute in ein Fremdnetz ab der 75. Fremdnetz-Minute draufgelegt. Ok, diese Rechnung ist stark vereinfacht, denn für jede Minute, die ich im D1-Netz telefoniert habe, können Gewinne gegengerechnet werden - dann wäre es vielleicht erst ab der 100. oder 120. Minute ein Zuschuss-Geschäft gewesen. Aber so kann ein Geschäftsmodell nicht funktionieren!


Aber es ist Land in Sicht! Die IC-Gebühren sollen ja nach Berichterstattungen bald runterreguliert werden, so dass es dann für die Anbieter wieder Geld zu verdienen oder Luft für Tarifsenkungen gibt. :D



Jetzt zum eher Allgemeinen:


Findet euch einfach damit ab, dass es den Königsweg nicht gibt.

Ich bin sicher in diesem Markt nicht schlecht informiert, aber ich suche schon eine ganze Zeit nach dem "ultimativen" Mobilfunk-Tarif und habe noch kein allein selig machendes Angebot gefunden.

Die Einen bieten einen günstigen Minuten-Preis in ALLE Netze, die Anderen einen günstigen Community-Tarif, der dritte Anbieter eine günstige Festnetz-Flatrate - aber kein Anbieter bietet "All-in-one". Tja - was tun?

Meine Lösung ist ganz einfach: Ich habe mir ein Dual-SIM-Handy gekauft und kombiniere für mich günstige Angebote nach Gutdünken. So telefoniere ich für 9 Cent in ALLE Netze und für 5 Cent ins D1-Netz (da kann ich endlich XTRA-Guthaben verbraten, dass ich seinerzeit mal endlos aufgeladen habe, um eine Rufnummer dort zu parken). Wenn das Guthaben dort so weit aufgebraucht ist, wird die Rufnummer portiert und dann kommt eine andere günstige Alternative zum Zug - entweder eine Festnetz-Flatrate oder ein günstiger Community-Tarif, schau'n mer mal!

Handies kaufe ich mir schon seit Jahren selbst via EBAY oder GUENSTIGER.DE - meistens hochwertige Super-Geräte aus der vorletzten Generation, die mittlerweile zu einem Spottpreis zu haben sind. So gibt es beispielsweise derzeit das einstige Sony Ericsson-Schlachtschiff K800i neu und mit Rechnung und kompletter Gewährleistung heute für gerade mal 100 Euronen, dafür aber ohne SIM-Lock und Vertrag ... und in 2 Jahren kaufe ich mir vielleicht ein Nokia N95 oder ein I-Phone oder ein QBOWL oder was auch immer (jedenfalls etwas mit Navigations-Möglichkeit) für einen ähnlichen Preis.

Aber dieses Jonglieren mit SIM-Karten und dem Selbst-Kauf von Handies kann oder will eben nicht jeder - und Bequemlichkeit hat ihren Preis!

Deshalb gibt es im Zug die erste und die zweite Klasse, und im Flieger die First Class, die Business- und die Holz-Klasse ... am Ziel ankommen werden sie ALLE gleichzeitig (oder KEINER ;) ), aber die Bequemlichkeit hat eben ihren Preis!

Ich fliege auch viele weite Strecken (Flugzeit 10 - 12 Stunden), aber ich fliege eben lieber Holzklasse, weil mir die zusätzliche Bequemlichkeit den Aufpreis NICHT wert ist und ich die Flugzeit ohnehin verschlafe. Aber ich kenne eben auch eine Menge Leute, die das anders sehen und Business-Class fliegen - oder sich den Mobilfunk-Vertrag und das Handy eben lieber vom provisionsgeilen Verkäufer aussuchen lassen. :)
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Preiskampf noch nicht zu Ende!
1960herbert antwortet
25.05.2008 10:39
Hallo,

der Preiskampf dürfte noch nicht zu Ende sein, vor allem, wenn die IC Gebühren weiter nach unten reguliert und damit gesenkt werden.
9 Cent/Min. in alle Netze ist schon ein recht guter Preis, vor allem, wenn man mit dem Festnetz bei einem alternativen Anbieter 19 - 22 Cent/Min. in Handynetze bezahlt und keine Call-by-call Möglichkeit mehr hat.
Vermutlich werden nicht alle Anbieter diesen Preiskampf überleben, aber das ist halt Marktwirtschaft. Ich kann mich noch gut erinnern, als man bei Prepaid-Tarifen 79 Cent/Min. gezahlt hat. Damals hatten sich die Anbieter eine goldene Nase verdient. Auch bei Verträgen waren die Preise wegen einem "gratis" Handy nicht viel niedriger bzw. genau so hoch.
Vor ein paar Wochen habe ich mir ein "gratis" Handy ohne Grundgebühr und ohne Mindestumsatz mit 24 Monats-Vertrag bestellt. Die Grundgebühr wird mir Ende Juni in einem Betrag erstattet und dann monatlich abgebucht. Außerdem bekomme ich monatlich 50 Freiminuten ins Festnetz oder T-Mobile Netz und 15 frei SMS. Weitere 60,-€ Gesprächsguthsben in alle Netze habe ich auch noch bekommen, allerdings gelten die nur 4 Monate ab Vertragsbeginn und verfallen dann.
Wenn ich nicht mehr als die Freiminuten bzw. Frei SMS nutze, zahle ich während der 24 Monate Laufzeit nichts und für den Anbieter geht die Rechnung nicht auf. Verdient wird anscheinend an den Minutenpreisen: 39 Cent/Min. ins Festnetz und T-Mobile, 59 Cent/Min. in fremde Handynetze. Diese Preise sind mir jedoch heutzutage zu hoch, denn ich habe auch Prepaidkarten mit 9 Cent/Min., die auch in dem mitgelieferten Handy (ohne SIM/Netlock) funktionieren.
Ich denke, da wir Handynutzer früher abkassiert wurden, kann ich so ein günstiges Angebot nutzen, so lange es angeboten wird. Ich muß nur daran denken, meinen Vertrag rechtzeitig vor Ablauf der 24 Monate zu kündigen, denn sonst muß ich die Grundgebühr selbst zahlen.

Herbert
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