Frei Sprechen
07.03.2009 16:43

Emporia@CeBIT: 'Senioren brauchen keinen Multimedia-Schnick-Schnack'

Ist Bevormundung die richtige Marketing-Strategie?
teltarif.de Leser mueller schreibt:
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Der österreichische Hersteller Emporia baut Telefone mit Basisfunktionen, hauptsächlich für die ältere Generation, der man zumeist nachsagt, weniger offen für neue Technologien zu sein.

Genau jenes (Vor-)Urteil hören CeBIT-Besucher von Emporia mindestens im 15-Minuten-Takt: "Denken Sie an Ihre Familie und Großeltern - die brauchen keine E-Mail, kein mobiles Internet und sonstigen Multimedia-Schnickschnack, sondern einfach nur simple, schnelle und einfachst mögliche Bedienung und das mit richtig großen Tasten." Speziell die beiden letzten Punkte sind sicherlich richtig und wenn sie nicht erfüllt sind, häufig DAS Hemmnis, mobile Kommunikation und das Handy in der älteren Generation zu etablieren bzw. hohe Nutzungsraten in dieser Generation zu erreichen. Die ersten beiden Punkte entsprechen aber nicht unbedingt den Wünschen der Generation der "silver surfer", den es wird keinen Menschen - egal wie alt und in welcher Lebenssituation auch immer - begeistern, wenn er von Dritten von aktuellen und zukünftigen Technologien und Informationsmedien abgeschnitten wird.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Handys müssen einfacher und intuitiver in der Bedienung werden, ebenso muss es weiter Telefone mit Grundfunktionen und leicht lesbaren Displays und Tastaturen geben. Es ist nur vielleicht nicht die perfekte Marketing-Strategie, bestimmte Zielgruppen zu "bevormunden", um eine passende Zielgruppenansprache für das eigene Produkt zu bekommen.

einmal geändert am 07.03.2009 16:58
Kommentare zum Thema (7)
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Ich finde das ein wenig Platt
chrispiac antwortet
07.03.2009 18:24
Das Problem ist, es gibt keine fest definierbare Gruppe „die Senioren“. Da gibt es die agilen, die auch neuen Techniken gegenüber aufgeschlossen sind, und durchaus das Internet nutzen (ggf. auch mit Handy) und es gibt welche, die bereits mit der Haptik von kleinen Tasten Probleme haben und Farbdisplays nicht gut erkennen können - aber durchaus ein auf Ihre eingeschränkte Fähigkeiten abgestimmtes Handy nutzen oder nutzen würden, da es ja auch ein Sicherheitsgewinn darstellen kann. Für letztere Gruppe sind die Emporia Geräte gedacht (und es ist Schade, das sich nur wenige Hersteller dieser wachsenden Gruppe, die auch am Mobilfunk teilnehmen möchten, mit geeigneten Geräten positionieren). Im Übrigen wird man auch bei Handies für Kinder fündig.

Eine Seniorin, die meinen Rat suchte, wollte nur mit Ihrer Enkelin, ihren Söhnen und einen Notruf absetzen können. Auch die vorgestellten Geräte speziell für Senioren waren für Sie zu kompliziert (Speicher wollte Sie nicht nutzen und bekam immer Schwierigkeiten, weil Sie nicht die Vorwahl mitwählte). Jetzt hat sie ein spezielles Handy für Kinder, wo nur 5 Rufnummern gespeichert sind. Im Heim hat sie noch Ihr altes Wählscheibentelefon, was sie ohne Probleme bedienen kann und wenn Sie im Bus unterwegs ist, kann sie im Notfall Hilfe herbeiholen. Zudem können ihre Enkel ihre "Taschengeldergän­zungsforderungen" auch per Handy stellen (das war auch der einzige Kritikpunkt eines Enkels, das dass nicht per SMS geht). Sonst sind aber alle mit der Lösung zufrieden.

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Warum nur entweder oder?
telefonlaie antwortet auf chrispiac
08.03.2009 10:18
Hallo,

sicher sollte es einfache und gut zu bedienende Endgeräte für Senioren geben. Aber warum sollte es nicht auch Multimediageräte mit großen Tasten und gut lesbaren Displays geben?
Es ghibt ja auch so einfachstgeräte und fotgrafierende Navigationskommu­nikationsgeräte, warum sollten mit dicken oder etwas zitrigen Fingern nicht die Wahl haben was ihr Endgerät können soll?

Für meinen Vater bräuchte ich einen Senioren tauglichen Blackberry, auf den will er nämlich trotz seines Alters (>60) nicht mehr verzichten!
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Netzwerkservice antwortet auf telefonlaie
08.03.2009 12:10
Das denke ich auch, viele ältere Menschen haben jetzt Zeit und wollen sich auch mit dem Medium befassen.

Sie sehen/hören in der Tagesschau, mehr gibt es unter www.Tagesschau.de ...

Sie wollen dann auch wissen, WAS gibt es dort?!

Das diese vielleicht nicht mit Denglisch aufgewachsen sind und deswegen bei machen vielleicht etwas länger brauchen ist klar, aber abgeneigt sind sie der Technik nicht.

Sie brauchen in der Regel größere Monitore (da Auflösung eben keine 1600*1200 sondern eher 800*600), aber sie wollen auch mit den Mitmenschen kommunizieren.

Gruß

Kaweh Jazayeri
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Schekerka antwortet auf Netzwerkservice
09.03.2009 10:16
Finde es mehr als fragwürdig, wenn ein Unternehmen eine bestimmte Altersgruppe in eine Schublade steckt.

Klar gibt es Rentner, die kein Interesse an neuer Technik haben.

Denen genügt ihr normales Telefon.

Aber das komplett für eine Altersgruppe zu pauschalisieren...

Arbeite selber bei einem Telekommunikationsanbieter und hatte schon öfters auch Anfragen von Leuten (70+, 80+), die gefragt haben, wie sie denn am besten ihr WLAN einrichten und absichern.
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Lysvik antwortet auf Schekerka
09.03.2009 11:28
Benutzer Schekerka schrieb:

Klar gibt es Rentner, die kein Interesse an neuer Technik haben.

Denen genügt ihr normales Telefon.

Aber das komplett für eine Altersgruppe zu pauschalisieren...


Das sehe ich genauso - mir hat kürzlich ein 93-jähriger seine E-Mail-Adresse diktiert... Er sieht sehr schlecht und kann sich so von seinem Rechner/PDA die Mail vergrößern bzw. vorlesen lassen.

Und sehbehinderte Menschen gibt es auch unter 60.
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Senioren oder Gruppendenken..
Lordus antwortet auf Lysvik
09.03.2009 12:11
Tja, wer meint, er könne Verbrauchergruppen, hier Senioren, "über einen Kamm scheren", den wird die Wirklichkeit irgendwann eiholen!

Die lieben Mitmenschen in Gruppen eizuteilen, um sie dann zu vermarkten, das haut nicht hin.
Jeder ist ein Individuum mit unterschiedlichen Veranlagungen und Interessen, die er umsetzen will und auch kann und das muß, auch auf dem Markt, berücksichtigt werden!-
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Seniorenhandys
achja antwortet
17.03.2009 18:49
Da habe ich für einen alten, fast blinden Menschen ein Handy gesucht. Mit klar fühlbarer Tastatur ohne unnötige Tasten und ohne Verwechslungsgefahr.

Dafür ist das Emporia nicht wirklich gut. Macht doch mal sowas. Und wenn es nur per Software mit abschaltbaren Tasten (die, die bei Sony eng beieinander liegen zum abheben und auflegen bzw. div. Menüfunktionen - nur mit Fingernagel zu bedienen) ist.
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