Frei Sprechen
16.06.2009 17:48

Zwitschern im Job

Anwendungsbeispiele für Twitter
teltarif.de Leser mirakaja schreibt:
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Seit einiger Zeit beschäftige ich mich beruflich mit Twitter. Und seit einiger Zeit bin ich nun der Informationswelle (hilflos) unterlegen. Um mal ein wenig Ordnung in meine Gedanken bringen zu können, schreibe ich hier meine bisherigen Recherche-Ergebnisse nieder und würde mich freuen, wenn einige von Euch diese mit ihren persönlichen Twitter-Erfahrungen ergänzen würden.

Fängt man an, sich mit Twitter zu beschäftigen, kann man recht häufig lesen, dass sich Twitter hervorragend im Beruf und besonders in der Unternehmenskommunikation einsetzten lässt. In diesem Zusammenhang werden oft dieselben Unternehmen genannt, u. a. Dell oder Xing.

Dell betreibt z. B. auf Twitter einen Outlet-Store. Amerikanische User erhalten hier Tweets zu den neuesten Angeboten. Das Konzept ist so gut angekommen, dass Dell nach eigenen Angaben bereits ca. 1 Mio. Dollar über Twitter hat absetzen können. Bei Xing erhält der User nicht nur die neuesten Infos, sondern kann auch mit den Xing-Twitter-Mitarbeiten recht zeitnah kommunizieren.

Kurz und direkt

Grundsätzlich wird diese Möglichkeit zur direkten Kommunikation zwischen Kunde/Fan/Interessant und Unternehmen oft als eine der herausragendsten Eigenschaften von Twitter zitiert. So kann man bei Xing als Follower schreiben (tweeten), dass man z. B. irgendeine Option bei dem Portal vermisst und erhält dann (wenn alles gut läuft) direkt eine Antwort. Die Antworten und Fragen oder Bemerkungen sind natürlich alle, da sie sich an das max. 140-Zeichen-Format von Twitter halten müssen, kurz. Aber auch dies kann ein Vorteil sein. Kurz heißt, dass man sich klar ausdrücken muss, was in den meisten Fällen zu einer direkten Aussage führt. Vielleicht ist es auch diesem Umstand zu verdanken, das sich die Twitter-Angebote von Politikern großer Beliebtheit erfreuen.

Schnell

Neben diesen Vorteilen, stellt Twitter eine Plattform dar, auf der man sehr schnell auf neue Ereignisse reagieren kann. Bei Unternehmen kann dies im Bereich des Krisenmanagement von Vorteil sein. Richtig eingesetzt, bietet Twitter die Möglichkeit schnell und direkt auf Probleme zu reagieren. In vielen Twitter-Ratgebern konnte ich lesen, dass man sich besonders im Krisenmanagement immer vor Augen halten sollte, dass tweeten eine Kommunikation zwischen Menschen ist. Soll heißen, keine vollkommene, gut ausformulierte und nicht-angreifbare Pressemitteilung, sondern eine schnelle Reaktion. Dies erfordert gut ausgebildete Mitarbeiter, da man neben schnell und direkt auch inhaltlich korrekt und mit der Unternehmenskommunikation konform twittern sollte.

Stimmungsbarometer

Ein weitere geschäftlich nutzbarer Aspekt ist die Twitter Suche (gemeint ist nicht die Suchoption „find people“ oben rechts, sondern die Twitter Search unten links). Gibt man hier z. B den Namen seines Unternehmens ein, erhält man alle Tweets, die diesen kürzlich verwendet haben. Da es sich hier oftmals um Meinungen, Tipps usw. handelt, ist Twitter somit ein schnelles Werkzeug zur Meinungsmessung. Wie kommt das neue Produkt an? Wird es überhaupt erwähnt/ist es also überhaupt bekannt? Was denken Leute über das Unternehmen? Natürlichkeit stößt man hierbei auch auf viel Nonsense oder negative Meinungen (stellt euch z. B. vor, eurer Unternehmen heißt Deutsche Bahn), trotzdem sollte man es versuchen und vielleicht findet man nützliche Hinweise, auf die man so nicht gestoßen wäre.

Bekanntheitssteigerung

Mittlerweile gibt es auch schon in Deutschland Unternehmen, die erst durch Twitter ihren großen Durchbruch geschafft haben. Als nettes Beispiel bin ich auf die Safttante gestoßen, hinter der cih eine sächsische Kelterei verbirgt. Das Twitter-Account hat sich schnell großer Beliebtheit erfreut, so dass das Unternehmen sich gezwungen sah, seine Produkte auch online anzubieten. Mittlerweile soll der Onlineumsatz den Ladenumsatz überholt haben. Folgt man von Twitterüber den Link auf die Unternehmensseite, erhält man bei der ersten Bestellung einen Follower-Bonus. Interessant, oder? Manche kennen Twitter nicht und andere vergeben bereits Follower-Rabbatte.

Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, da sich Twitter anscheinend, den in vielen anderen Zusammenhängen gern zitierten, unbegrenzten Möglichkeiten erfreut. Aus diesem Grund fühle ich mich wahrscheinlich momentan auch ein wenig überrollt. Deshalb möchte ich auch zum Schluss gern festhalten, das Twitter neben den positiven Effekten, auch die bereits erwähnte Informationsflut mitliefert. Daher sollte man sich kurz Zeit nehmen, bevor man jemanden folgt, um zu prüfen, ob derjenige auch wirklich die erhofften und interessanten Tweets liefert.

Ach ja, eine interessante Sache habe ich dann doch noch: Recruiting über Twitter. Die Sparkasse in Ulm sucht gerade einen Produktmanager Wertpapier (m/w). Hätten Sie´s gewusst?

einmal geändert am 16.06.2009 18:05
Kommentare zum Thema (2)
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derHans antwortet
17.06.2009 11:50
Schöner Artikel.

Am Anfang war ich auch sehr skeptisch.
Aber seit ein paar Wochen folge ich nur noch ein paar ausgewählten Twitterern und muss sagen, dass das durchaus praktisch sein kann.

Mal gucken, was von der ganzen Sache übrig bleibt, wenn sich der Hype erstmal gelegt hat...
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Umgang mit Twitter lernen
piano antwortet
18.06.2009 11:25
Ich denke auch, dass sich viele erst einmal bei Twitter anmelden, weil es irgendwie alle machen und sie nichts verpassen wollen. Dann haben sie zwar einen Account, nutzen ihn aber gar nicht. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Dann kann man es auch gleich lassen.

Das Problem ist wohl, dass die meisten neben ihrer täglichen Arbeit einfach nicht die Zeit haben, sich so ausführlich wie nötig mit Twitter zu beschäftigen. Da es ein relativ neues Medium ist, muss man erst lernen, wie man es am besten und für das Unternehmen sinnvoll nutzen kann. Hier reicht es wahrscheinlich nicht, einfach ein paar Links einzustellen, die auf die eigene Homepage weiterleiten. Man muss irgendwie persönlich aktiv und präsent sein und mit den Leuten diskutieren.
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