Frei Sprechen
17.02.2008 00:20

Nun rufen Sie doch endlich an ...

Oder: Warum ruft nachts bei den Call-In-Sendungen überhaupt jemand an?
teltarif.de Leser snowman schreibt:
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Jeder kennt sie vermutlich, die zahlreichen Call-In-Sendungen, die des nachts auf vielen TV-Sendern laufen und dem Zuschauern das Gefühl geben, er müsse nur kurz zum Hörer greifen, um mal eben 1.000, 5.000, oder 10.000 Euro zu gewinnen. Fragt man sich nur, warum der Betrag immer so weit in die Höhe geht, wenn es doch so einfach ist? Sind wir Deutschen so doof und können daher aus dem Wort "Maingolf" innerhalb von 3 Stunden nicht herausfinden, dass hier das Tier Flamingo gesucht wird? Oder kennen wir so wenige Automarken mit "A", dass jedes Mal von 5 möglichen Lösungen lediglich 2 gelöst werden, der Rest aber nicht? Ich glaube nicht, denn wer es sich antut und die Sendungen einmal verfolgt, ohne einen möglich Gewinn im Hinterkopf, wird feststellen, dass das System immer das gleiche ist und auch die Zahl der durchgestellten Anrufer abhängig vom Spiel ist.

Mit Chancen: Das Wortverdreh-Spiel

Nehmen wir das oben genannte Spiel, bei dem ein Tier aus verdrehten Buchstaben gesucht wird. Hier ist wahrscheinlich, dass es schnell gelöst wird. Trotzdem schaffen es die Sender, so ein Spiel über 3 Stunden zu "spielen" - ohne dass es einer löst.

Funktioniert so: Es gibt am Anfang ein Wort, das wird mit wenig Geld - ca. 300 Euro - aufgelöst, dann kommt das Hauptwort, was den restlichen Abend gespielt wird. Da gibt es nach ca. 10 Minuten einen Anrufer, der eine falsche Antwort gibt, dann kurz danach noch einen zweiten Anrufer mit falscher Antwort. Wenn man genau aufpasst, verrät sich der Moderator manchmal, dass er schon weiß, dass der Anrufer die Lösung nicht kennen wird. Dann gibt es nochmal ein oder 2 "Aufleger", die machen das besonders spannend, denn das heizt dann nochmal besonders die Stimmung an. Als i-Tüpfelchen gibts den SMS-Löser, der dann die Mailbox nur rangehen lässt.

Die ganzen Aktionen lassen so die erste Stunde recht schnell vergehen - für den Moderator. Danach ist er auf sich gestellt, denn es ruft keiner mehr an, nur ab und zu denkt der Moderator, es klingelt oder hat geklingelt. Ein echter Mitspieler kommt hier nie durch und hört vermutlich immer nur eine "Schade, diesmal nicht"-Ansage.

Auflösung erfolgt dann ganz am Ende der Sendung in einem 2-Minuten-Countdown, in dem man vermutlich echte Chancen hat - zumindest wirken die Anrufer echt und das Verhalten der Moderatoren ist entsprechend. Wer also mal bei einem solchen Spiel mitspielen will: Den allerletzten Countdown abwarten, der meist nach offiziellen Ende der Sendung beginnt! Aber immerhin gibt es bei diesem Spiel vermutlich einen Hauch einer Chance.

Ohne Chancen: Das "Wörter-mit"-Spiel

Bei einer anderen Variante, die auch gern im Nachtprogramm gespielt wird, kommt der Mitspieler vermutlich wesentlich besser durch, was größere Hoffnungen macht - die Chancen auf einen Gewinn sind bei diesem Spiel aber gleich Null! Dabei handelt es sich um Spiele, wie "Automarken mit A" oder "Wörter die auf Haus" enden, etc. Dabei gibt es jeweils ein oder max. 2 leichte Wörter, die ganz schnell gelöst werden und somit die Sache preiswert für den Sender bleibt, der Rest ist dann so schwer oder so "abgefahren", dass es faktisch nicht gelöst werden kann.

Doch auch diese Spiele werden konsequent durchgespielt, allerdings gibt es hier keine Möglichkeit zu gewinnen, weil die Begriffe ja vorgegeben und in Umschlägen versteckt sind, die entsprechend vorgezeigt werden. Am lustigsten finde ich, wenn die Umschläge am Ende vom Moderator geöffnet werden und er die Begriffe selbst kaum aussprechen kann, dann aber im selben Atemzug behauptet "Das hätte man aber wissen können!". Dann sag ich auch: Klar, Automarken wie "Invicta", "Spijkstaal" oder "Thairung" kennt man ja auch sofort.

Wer ruft da jede Nacht an?

Man könnte das noch weiter ausführen, denn es gibt noch viele weitere Spiele und entsprechende Methoden, wie den Anrufern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Nur frage ich mich, wer ruft da tatsächlich an? Es müsste sich doch mittlerweile rumgesprochen haben, dass man bei diesen Call-In-Sendungen nur verlieren kann, weil jeder Anrufversuch schon mindestens 50 Cent kostet, vom Mobilfunk sind das unter Umständen sogar ein Euro oder noch mehr. Gibt es wirklich soviele Leute in Deutschland und in Österreich (Nummmern für die Schweiz werden häufug garnicht mehr angegeben), die jede Nacht ihr "Glück" versuchen und glauben, da mal eben 3.000, 5.000 oder gar 100.000 Euro zu gewinnen - mit nur ein paar Anrufen auf einer 0137-Nummer?

Gibt es vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der da schonmal angerufen hat und auch wirklich was gewonnen hat? Würde mich echt interessieren. Ich kenne keinen.

Kommentare zum Thema (7)
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garfield antwortet
17.02.2008 11:27
Benutzer snowman schrieb:
Funktioniert so: Es gibt am Anfang ein Wort, das wird mit wenig Geld - ca. 300 Euro - aufgelöst,
Ich kenne noch 'ne Variante. Direkter Betrug, der nur durch das in-die-Länge-ziehen nicht sofort auffällt.
Habe mal bei folgendem Spiel alle von Anrufern gegebenen Lösungen protokolliert.
Auf einen Zielpunkt zeigten nummerierte Pfeile aus verschiedenen Richtungen. Es war der oder die Pfeile zu nennen, die genau auf den Zielpunkt zeigten. Nach ungefähr einer halben Stunde waren alle möglichen Kombinationen gegeben, doch der Moderator behauptete stets, es wäre falsch. Verraten hat er sich auch dadurch, dass sein "Leider nicht" oft schon herausplatzte, bevor der Anrufer überhaupt ausgesprochen hatte.
Nach 2 Stunden, als die Anrufe spürbar abnahmen und den Verantwortlichen wohl klar wurde, dass nun wohl auch der Letzte die Masche geschnallt hatte, kam nicht etwa die Auflösung, sondern es hieß "Da das wohl zu schwer ist, schieben wir erst mal eine leichtere Aufgabe ein." Es versteht sich von selbst, dass die Pfeilaufgabe danach nicht mehr erwähnt wurde.
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hotte70 antwortet
17.02.2008 13:11

einmal geändert am 17.02.2008 13:15
Benutzer snowman schrieb:

Gibt es vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der da schonmal angerufen hat und auch wirklich was gewonnen hat? Würde mich echt interessieren. Ich kenne keinen. Würde mich echt interessieren. Ich kenne keinen.


Ein guter Bekannter von mir ist schon mal durchgestellt worden, gewonnen hat er aber nichts.

Er hat nämlich so oft die Wahlwiederholungstaste drücken müssen, dass er zwischenzeitlich gar nicht mehr das Quiz selber verfolgte als er dann "on Air" war und dementsprechend auch die Antwort nicht mehr wusste.

Die nächste Telefonrechnung kam dann auch und betrug gut 200 €......

In den Anfangszeiten dieser Quizwelle probierte ich es auch mal, aber nach max. fünf, natürlich vergeblichen, Versuchen habe ich es dann sein gelassen.

Generell ist die Wahrscheinlichkeit bei 0137 Quiznummern überhaupt durchzukommen sowas von verschwindend gering, wenn man sich mal die Masse der Anrufer vorstellt.




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falsche Antwort und doch richtig
zoelac antwortet auf garfield
17.02.2008 13:12
Benutzer garfield schrieb:
Benutzer snowman schrieb:
Funktioniert so: Es gibt am Anfang ein Wort, das wird mit wenig Geld - ca. 300 Euro - aufgelöst,
Ich kenne noch 'ne Variante. Direkter Betrug, der nur durch das in-die-Länge-ziehen nicht sofort auffällt.
Habe mal bei folgendem Spiel alle von Anrufern gegebenen Lösungen protokolliert.
Auf einen Zielpunkt zeigten nummerierte Pfeile aus verschiedenen Richtungen. Es war der oder die Pfeile zu nennen, die genau auf den Zielpunkt zeigten. Nach ungefähr einer halben Stunde waren alle möglichen Kombinationen gegeben, doch der Moderator behauptete stets, es wäre falsch. Verraten hat er sich auch dadurch, dass sein "Leider nicht" oft schon herausplatzte, bevor der Anrufer überhaupt ausgesprochen hatte. Nach 2 Stunden, als die Anrufe spürbar abnahmen und den Verantwortlichen wohl klar wurde, dass nun wohl auch der Letzte die Masche geschnallt hatte, kam nicht etwa die Auflösung, sondern es hieß "Da das wohl zu schwer ist, schieben wir erst mal eine leichtere Aufgabe ein." Es versteht sich von selbst, dass die Pfeilaufgabe danach nicht mehr erwähnt wurde.


Vielleicht hilft es sie mit den eigenen Waffen zu schlagen:
Anrufen, zuerst die falsche Lösung nennen, durchgeschaltet werden und dann die richtige Lösung nennen. Ups, ist das Spiel schon zu ende?

Es soll außerdem noch dreistere Variante gegeben haben: man hörte beim Anruf ein Besetzt, nur dieses wurde von der Telefonanlage eingespielt--> man zahlte pro Anruf 50c, obwohl doch eigentlich Besetzt war!?! Und wer keinen Gebührenzähler hat, wird mehrfach anrufen und sich bei der nächsten Rechnung wundern.

Diese Sender finanzieren sich hauptsächlich über das Telefon und die Gewinnsucht hilft dazu. Wie wäre denn sonst zu erklären, dass z.B. Antenne Bayern Gewinnausschüttungen von zunächst 10.000€ auf 100.000€ erhöhen, und dass innerhalb eines Monats.

Man sollte grundsätzlich Nummern mit 013 meiden und am besten sperren lassen. Wer meint, dass er doch Glück hat, sollte es mal mit Lotto probieren, da dürften die Chancen größer sein, der Geldbeutel geschonter und die Nerven nicht blank liegen.

Solange es aber genug gewinngeile Leute gibt und ihr Gedächtnis von einem Spiel zum nächsten löschen, genauso so "klasse" Moderatoren das Glück verkaufen, solange werden auch die Lotto ähnlichen Spielvarianten per TV und Telefon Hochkonjuktur haben. Der Gesetzgeber wird kaum etwas dagegen ändern, er bekommt ja schließlich Steuern davon.
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sonderbar
mobilfalke antwortet
17.02.2008 13:29

einmal geändert am 17.02.2008 13:30
Benutzer snowman schrieb:
Jeder kennt sie vermutlich, die zahlreichen Call-In-Sendungen,

>



Gibt es vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der da schonmal angerufen hat und auch wirklich was gewonnen hat? Würde mich echt interessieren. Ich kenne keinen. Würde mich echt interessieren. Ich kenne keinen.



Ich kenn Leute,die spielen erst Lotto ,wenns im Jackpot um 20 Mill. geht.10 Mill.reichen denen wohl nicht:-)))
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six..pack antwortet
17.02.2008 23:01
http://www.youtube.com/watch?v=2uoMhSMi4rc&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=3bkQJmLCT0I&feature=related

usw.
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Ich kenn einen Gewinner
neolux23 antwortet
18.02.2008 09:16
Eine gute Freundin von mir hat vor langer Zeit mit zwei Versuchen 1000 Euro gewonnen. Insgesamt wurde sie an dem Abend 2 mal durchgestellt. Jedoch waren von den 1000 Euro auch erstmal 500 Euro für die Telefonrechnung. Zudem hat es, laut ihrere Aussage, sehr lange gedauert bis das Geld überhaupt da war. ca. 6-8 Wochen. Alles in allem kann mann sagen, mann kann gewinnen aber wirklich lohnen tut sich das ganze nicht.

Gruß
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Das mit dem Besetztzeichen
1960herbert antwortet auf zoelac
28.03.2008 11:45
habe ich auch schon gehört. So weit ich weiß, hatte dieser TV-Sender den Staatsanwalt im Haus und ist auch zu einer Strafe verurteilt worden. Genaueres weiß ich jedoch nicht.
Diese 0137-er Nummern bzw. solche Gewinnspiele sollten verboten werden und die Geschäftsführer dieser TV-Sender eine so hohe Strafe bekommen, dass sie solche Betrügereien in Zukunft lassen.
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