Frei Sprechen
13.02.2008 16:25

DSL Entwicklung

Bevor es DSL gab, mussten fast alle mit Analog-Modem und ISDN surfen.
teltarif.de Leser zoink schreibt:
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Wenn man heute von Internet spricht, ist für viele eine DSL-Leitung selbstverständlich. Zumindest in der Stadt kennen viele gar nicht mehr das melodische Piepen bei der Einwahl eines Analog-Modems. Auch auf die Gefahr hin, dass jetzt ein Dorfmob mit Fackeln und Heugabeln hinter mir herhetzt, dem sich wahrscheinlich auch noch die (unfreiwilligen) Glasfasernutzer anschliessen: DSL ist Standard.

DSL gibt es in Deutschland seit 1999 von der Deutschen Telekom, 2000 kam die auch heute immer noch beliebte Flatrate dazu. Das dies einen großen Sprung beim Internetzugang bedeutete, erkannten viele Nutzer. Die Telekom kam gar nicht hinterher mit der Bearbeitung der Aufträge und man musste Monate auf seinen DSL-Anschluss warten. Doch dass das Warten sich gelohnt hat, merkte man schnell. Mit T-DSL erreichte man 768kbit/s, meistens angezeigt wurden jedoch die kB/s, diese errechnet man indem man die Bit durch acht teilt. So kommt man dann auf 96 kB/s, die man beim Herunterladen erreichen konnte. Die Telekom wählte hier die Bitrate für die Vermarktung aufgrund der größeren Zahl, außerdem wurde diese auch schon bei Analog- und ISDN-Modems genutzt. Im Sprachgebrauch sind jedoch die kB/s üblicher und werden auch im Browser beim herunterladen angezeigt.

Ich selbst kam ab dem Herbst 2001 in den Genuss von der schnellen Leitung. Zu dieser Zeit musste man nicht mehr so lange warten bis der Anschluss endlich geschaltet wurde. Aber das die Wartezeit vielen die Nerven gekostet hat, belegt zum Beispiel das Akronym „Dauert Sehr Lange“ für DSL und auch etwas kuriosere Sachen wie der DSL-Song, in dem sich ein Nutzer über die lange Wartezeit amüsiert. Neben der schnelleren Geschwindigkeit wurde DSL auch oft im Zusammenhang mit der Flatrate gesehen. Man konnte den ganzen Tag online bleiben ohne sich sorgen über Datentraffic und Zeit machen zu müssen. In den Chaträumen hielten sich immer mehr „Idler“ auf, also Nutzer, die sich eingeloggt haben, nichts schrieben und einfach nur da waren.

Ich selbst habe zu dieser Zeit recht aktiv online gespielt. Daher bedeutete für mich DSL niedrigere „Pings“. Als Ping wird in vielen Spielen die Verzögerung vom heimischen Rechner zum Server bezeichnet. Dieser wird in Millisekunden angegeben. Mit Analog-Modem lagen die verzögerungen bei ca. 120ms, mit DSL nur noch bei 60-70ms. Hört sich nicht nach viel Zeit an. Doch in vielen Spielen, allen voran die „bösen“ Killerspiele, in denen es hauptsächlich um die Reaktionszeit geht, ergibt sich doch schon ein Vorteil der über Leben und Tod entscheidet. Um diesen Ping noch weiter zu senken war es ab 2003 möglich FastPath zu buchen. Für 1 Euro mehr im Monat halbierten sich die Verzögerungen nochmal. Realisiert wurde dies durch die Abschaltung der, eigentlich unnötigen, Fehlerkorrektur. Man zahlte also mehr dafür, das man weniger bekam.

Bereits im Herbst 2002 wurden dann auch DSL1500 angeboten, wodurch die Durchsatzrate nochmal fast verdoppelt worden ist. Wer noch mehr Geschwindigkeit nutzen wollte, musste bis Mitte 2004 warten. Hier wurde das Angebot auf 1000, 2000 und 3000 kbit/s umgestellt. Doch auch der Preis stiegt mit jeder Steigerung der Durchsatzrate.

Inzwischen gewöhnt man sich immer mehr an die Nutzung des Internets mit 6000, 16000kbit/s oder gar noch mehr, wie bei den Kabelgesellschaften und VDSL mit 20 bis 50mbit/s. Mit diesen Geschwindigkeiten wird versucht über DSL auch noch weitere Dienste anzubieten, die vorher auf seperaten Leitungen geschaltet waren. Telefonie läuft immer mehr über VoIP und in Zukunft soll auch das Fernsehprogramm über die DSL-Leitung empfangen werden. Je schneller die Breitbandanschlusse werden, desto unwichtiger wird Geschwindigkeit der Leitung. Nur mit wenigen Diensten kann man die Bandbreite auch wirklich voll ausnutzen. Viele Internetnutzer benötigen daher gar nicht mehr als DSL1000.

Der größte Vorteil bei den schnelleren Leitungen ist, dass auch der Upstream, also die Geschwindigkeit mit der man hochladen kann, mit ansteigt. Bei den meisten deutschen Breitbandanschlüssen handelt es sich nämlich um ADSL-Anschlüsse. Das „A“ steht für asynchron, das heißt, die Geschwindigkeit zum Hochladen ist nicht gleich der Geschwindigkeit zum Runterladen, sondern viel niedriger.

Leider steht in Zukunft immer noch der weitere Ausbau der vorhandenen Anschlüsse im Vordergrund anstatt DSL auch in ländlichen Gebieten zugänglich zu machen oder Breitbandinternet auch über Glasfaser anzubieten. Hier siegt der Kapitalismus. DSL ist kein Grundrecht und dort, wo man nicht genug Gewinn aus den Anschlüssen ziehen kann, werden eben keine verlegt.

Kommentare zum Thema (2)
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hotte70 antwortet
14.02.2008 00:49
Guter Beitrag über die T-DSL Historie in Deutschland.

Ich habe meinen ersten Anschluß im Dezember 2001 beantragt und musste damals über 2 Monate warten bis es lief.

Seit 2003 zwei Umzüge gehabt und ab da war der Anschluß immer innerhalb von 2-3 Wochen geschaltet.
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stimmt
seb.gross antwortet
23.03.2008 16:12
Doch in vielen Spielen, allen voran die „bösen“ Killerspiele, in denen es hauptsächlich um die Reaktionszeit geht, ergibt sich doch schon ein Vorteil der über Leben und Tod entscheidet.

Stimmt, das war echt ziemlich nervig... ;-)
Danke für die Nostalgie-Geschichte!
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