Kritik

Hohe Kosten: Politiker bezweifeln Erfolg von DVB-T2

Es regt sich erste verhaltene Kritik an den Verschlüsselungsplänen im Antennenfernsehen. 69 Euro pro Jahr und Gerät sind einigen Politikern zu viel. Doch letztlich ist das Produkt freenet TV eine privatwirtschaftliche Entscheidung. ARD und ZDF bleiben empfangbar.
Von Thorsten Neuhetzki
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Anfang der Woche gaben Media Broadcast und mobilcom-debitel den Preis für das neue Antennenfernsehen DVB-T2 bekannt: Während die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und die dazugehörigen Ableger unverschlüsselt und damit im Rahmen des Rundfunkbeitrags kostenlos zu empfangen bleiben, wird für die Privatsender eine Gebühr von jährlich 69 Euro fällig - pro Gerät. Im Berliner Tagesspiegel bezweifeln viele (Oppositions-)Politiker, dass sich das neue Antennenfernsehen in der zweiten Generation damit durchsetzen kann.

In Berlin ist der Marktanteil von DVB-T besonders groß. Dafür sind zwei Gründe maßgeblich verantwortlich. Wie in ganz Deutschland war der Empfang der Fernsehsender abgesehen von der einmaligen Anschaffung der Geräte bislang kostenlos. Zudem werden in Berlin besonders viele TV-Sender über DVB-T ausgestrahlt, was für viele Zuschauer Alternativen überflüssig macht. Mit der Umstellung auf DVB-T2 müssen sie sich in jedem Fall aber bis Ende März neue Empfangsgeräte anschaffen, wollen sie weiter auf Kabel, IPTV oder Satellit verzichten. Das bisherige DVB-T wird dann abgeschaltet, die Geräte sind nicht mit dem neuen Standard kompatibel.

69 Euro pro Jahr und Fernseher

Das Sendegebiet von DVB-T2 ab 29. MärzDas Sendegebiet von DVB-T2 ab 29. März Für die meisten Zuschauer besteht Fernsehen aber nicht nur aus dem weiterhin unverschlüsselten ARD und ZDF, sondern eben auch aus RTL, Sat.1 oder ProSieben. Damit diese Sender weiterhin zu empfangen sind, verlangt freenet TV als Vermarkter der Programme eine jährliche Gebühr von 69 Euro. Diese gilt pro Gerät. Wer also beispielsweise zwei Fernseher zu Hause und einen im Schrebergarten stehen hat, muss diese Kosten gleich drei Mal zahlen. Ein Mengen- oder Familienrabatt ist zumindest derzeit nicht vorgesehen.

Für Tabea Rößner von der Bundestagsfraktion der Grünen ist DVB-T2 damit zum Scheitern verurteilt. Dem Tagesspiegel sagte sie: "Man kann niemandem erklären, dass er für werbefinanziertes Fernsehen noch zusätzlich zahlen soll." Wer es sich leisten könne, werde die Empfangsform wechseln, sozial Schwache blieben aber auf der Strecke. Per Kabel und Satellit sind die Privatsender zumindest vorerst weiterhin ohne Verschlüsselung zu sehen - allerdings nur in SD, während bei DVB-T2 der HD-Standard zum Einsatz kommt. Zwar gibt es auch per Kabel, Satellit und IPTV HD-Signale, diese müssen aber auch hier bezahlt werden.

Harald Petzold, dem Medienpolitiker der Linken-Fraktion im Bundestag, sagte der Berliner Tageszeitung dass sich die grundsätzliche Entscheidung und die Preishöhe für den Anbieter als Bumerang erweisen könnte. Er habe Zweifel, dass sich das Produkt im Markt problemlos durchsetzen lässt. "Die Selbstbezeichnung des Anbieters als 'freenet TV' jedenfalls ist natürlich irreführend. 'Free' ist an diesem Paket gar nichts", wird er vom Tagesspiegel zitiert.

CDU/SPD: Verschlüsselung ist privatwirtschaftliche Entscheidung

Die Koalitions-Parteien CDU und SPD sehen die Sachlage entspannter. Martin Dörmann, der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, lobt im Tagesspiegel die technischen Möglichkeiten von DVB-T2. "Die Finanzierung bei den privaten Anbietern ist deren unternehmerische Entscheidung. Hier wird das Kundenverhalten zeigen, ob eine solche Gebühr angemessen ist." Er verweist auf die Kosten für HD bei Satellit und Kabel. Marco Wanderwitz, der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagt, die Einführung einer Empfangsgebühr für "freenet TV" sei vorrangig eine privatwirtschaftliche Entscheidung. Wichtig sei, dass die öffentlich-rechtliche Säule des dualen Systems auch weiterhin frei empfangbar ist.

In einem Interview mit teltarif.de hatte mobilcom-debitel-Geschäftsführer Rickmann von Platen durchblicken lassen, er könne sich auch vorstellen, freenet TV zusammen mit einem Handytarif zu vermarkten.

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